Von Alexander Mühlauer

Ein schneller Klick, ein gutes Angebot: Tarifrechner im Internet verleiten Autofahrer, ihre Kfz-Versicherung zu wechseln. Doch wie zuverlässig ist die Auskunft?

Es ist November, das Wetter wird auch nicht schöner, man sollte langsam die Winterreifen aufziehen und mal wieder in den Ordner mit den Versicherungsunterlagen schauen. Die meisten Autofahrer haben nämlich nur noch bis Ende des Monats Zeit, ihre alte Kfz-Police zu kündigen und eine neue abzuschließen. Wer das macht, kann Geld sparen - in vielen Fällen sogar mehrere hundert Euro im Jahr.

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Ein Wechsel der Autoversicherung kann sich lohnen. Doch sollte der Fahrzeughalter vorher genau vergleichen. (© Foto: AP)

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Auf der Suche nach dem günstigsten Tarif kommen die Verbraucher an Vergleichsportalen im Internet nicht vorbei. Diese nennen sich Aspect Online, Check24 oder TopTarif und locken die Autofahrer mit dem Versprechen, den besten Preis für eine Kfz-Versicherung herauszufinden - kostenlos. Das ist im Sinn der Verbraucher: Laut einer Studie des Tarifrechners Finance Scout 24 sind für drei Viertel der deutschen Autofahrer niedrige Beiträge das wichtigste Kriterium für die Versicherungswahl.

Vergleich lässt Nutzer ratlos zurück

Michael Wortberg, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, warnt jedoch vor undurchsichtigen Anbietern: "Der Verbraucher muss sich immer fragen: Wer finanziert die kostenlosen Vergleichsportale im Netz? Oft schneiden bestimmte Versicherungsgesellschaften bei Preisvergleichen immer sehr gut ab, andere tauchen erst gar nicht auf." Hinter vielen Portalen - so Verbraucherschützer Wortberg - steckten Vermittlerinteressen.

Die Süddeutsche Zeitung hat die Ergebnisse von drei Online-Tarifrechnern mit der Auswertung der Stiftung Warentest verglichen (siehe Grafik). Das Ergebnis lässt den Nutzer auf den ersten Blick ziemlich ratlos: Unter den vermeintlich günstigsten Anbietern finden sich stets andere Gesellschaften. Und bei denselben Tarifen wird ein anderer Jahresbeitrag veranschlagt.

Das hat damit zu tun, dass die unterschiedlichen Portale unterschiedliche Fragen stellen. Zum Beispiel verlangt das Unternehmen Check24 von jedem Fahrer, der mit dem Auto fährt, genaue Daten. Bei anderen Anbietern ist es möglich, das Feld "beliebige Fahrer" anzuklicken. Und schon ändert sich der Versicherungsbeitrag. "Das macht einen Vergleich sehr mühsam", sagt Verbraucherschützer Wortberg. Er rät Autofahrern, die sich im Internet kostenlos informieren wollen, die Vorschläge mehrerer Online-Rechner zu vergleichen.

Versicherer verweigern Auskunft

Auch die Stiftung Warentest bietet eine Auswertung der Kfz-Versicherungsbeiträge an. Allerdings nicht umsonst. Die Warentester verlangen dafür einmalig 16 Euro. Die Verbraucher bekommen dann entweder per Post oder online eine Tarifübersicht. Ein Problem der unabhängigen Tester ist, dass nicht jede Versicherung ihre Tarifdaten preisgibt. Die Gesellschaften Allianz und Universa zum Beispiel weigerten sich, an der Untersuchung teilzunehmen.

Wenig kooperativ waren auch die Unternehmen Aachen-Münchener, Alte Leipziger, Continentale, Generali und Signal Iduna. Bei ihnen konnte die Stiftung Warentest das Beitragsniveau aber verdeckt ermitteln. "Vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen der Verweigerung und dem Beitragsniveau", mutmaßen die Tester, "dieses ist bei diesen Verweigerern nämlich nur mittelmäßig oder sogar schlechter als der Durchschnitt."

Vergleichsportale kassieren Provision

So undurchsichtig die Tarifstrukturen auch sind, so klar ist, dass die kostenlosen Vergleichsportale im Internet bei einem Vertragsabschluss kassieren. Sie streichen eine Provision ein, die ein herkömmlicher Versicherungsvermittler auch bekommt. "Das ist legitim", sagt Versicherungsexperte Wortberg, "der Verbraucher sollte das aber auch wissen. Die Portale schließen entsprechende Verträge mit den Gesellschaften. Dabei geht Provision oft vor Verbraucherinteresse." Und so komme es häufig vor, dass bei manchem Anbieter nicht alle Versicherer, die am Markt sind, in die angeblich allumfassende Untersuchung einfließen.

Bei der Auswertung von Check24 taucht beispielsweise der Versicherer HUK24 nicht auf, genauso wenig wie die Gesellschaft WGV, die ebenso bei Aspect Online oder Finance Scout 24 fehlt. Anders sieht es bei der Stiftung Warentest aus: Bei deren Auswertung finden sich WGV und HUK24 auf einem der zehn Spitzenplätze; dafür fehlt der Anbieter Direct Line (siehe Grafik).

Der Preiskampf der Autoversicherer um die Gunst der Kunden wird noch bis Ende November weitergehen. "Es herrscht ein massiver Verdrängungswettbewerb zwischen den Anbietern. Das ist ökonomisch nicht rational, denn für viele Versicherer ist das Neugeschäft nicht mehr rentabel", sagt Christoph Schmitt, Analyst im Versicherungsteam von Fitch Ratings. Was für die Versicherungsgesellschaften teuer ist, ist für die Verbraucher umso erfreulicher. "Man sollte aber darauf achten, wie lange ein Prämienrabatt versprochen wird", rät Schmitt. Denn es sei ein großer Unterschied, so der Versicherungsexperte, ob der Rabatt nur für ein Jahr gewährt wird oder ob die Prämie dauerhaft niedrig bleibe.

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(SZ vom 09.11.2009/tjon/tob)