Von Marco Völklein

Immer wieder lancieren Banken Lock-Angebote beim Tagesgeld. Doch oft ist der attraktive Köder nicht wirklich der Mühe wert.

Satte 5,55 Prozent Zinsen gibt es von Freitag an für ein Tagesgeldkonto bei Tchibo. Hinter dem Angebot des Kaffeerösters steckt die Commerzbank-Tochter Comdirect, die damit neue Kunden locken will. Ob Advanzia, Skatbank oder die indische ICICI - immer mehr Banken nutzen Tagesgeld-Angebote, um Neukunden zu ködern.

Bild vergrößern

Zins-Hopping ist mit viel Aufwand verbunden - verlockende Angebote halten nicht immer, was sie versprechen (© Foto: dpa)

Anzeige

Doch in vielen Fällen bauen die Geldhäuser Einschränkungen ein. So gilt der 5,55-Prozent-Zins bei Tchibo nur bis zu einem Betrag von 10.000 Euro und nur für ein halbes Jahr. Außerdem gibt es das Konto nur für Neukunden. Wer bei Comdirect schon ein Konto hat, muss sich mit derzeit 3,8 Prozent Zins begnügen.

Das sorgt bei vielen Verbrauchern für Verdruss. Sie haben das Gefühl, als Bankkunde ständig auf dem Sprung sein zu müssen. Andernfalls erhalten sie nicht mehr das beste Angebot. "Doch Zins-Hopping ist auch mit viel Aufwand verbunden", sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. So müssen sich die Kunden gerade bei Direktbanken, die kein Filialnetz unterhalten, bei jeder Kontoeröffnung am Postschalter ausweisen und per Post-Ident-Verfahren gegenüber der Bank identifizieren.

Außerdem müssen sie regelmäßig die Bedingungen im Blick haben und darauf reagieren - etwa, wenn das auf ein halbes Jahr befristete Angebot ausläuft und der Zins auf ein niedriges Niveau abzurutschen droht. Oder wenn zusätzlich zum Tagesgeld-Konto auch noch ein Wertpapierdepot eröffnet werden musste. "Dann bin ich zunächst damit beschäftigt, mir wieder einen neuen Anbieter zu suchen", sagt Experte Bieler. "Und dann muss ich bei einem Wechsel der Bank neben dem Tagesgeldkonto auch noch mein Depot auflösen." Ähnlich sieht es Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen: "Wer Spaß daran hat und sich von dem Aufwand nicht abschrecken lässt, für den ist das sicher interessant."

Ausrechnen sollten Zins-Hopper aber auch, ob sich der Stress lohnt: Denn wer 10.000 Euro statt für vier Prozent zu 5,5 Prozent anlegt, steigert den Zinsertrag in einem Jahr um 150 Euro. Zahlt die Bank den höheren Satz nur für ein halbes Jahr, hat der Sparer noch 75 Euro mehr erwirtschaftet. Gottschalk: "Und kurz darauf gehört er dann eh zu den Altkunden, für die es weniger attraktive Zinsen gibt."

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Zins-Hopper im Dauerstress
  2. Zins-Hopper im Dauerstress
Leser empfehlen