Manche führen deshalb ein Haushaltsbuch, in dem sie alle Einnahmen und Ausgaben monatlich aufschreiben, um ihre Finanzen besser in den Griff zu bekommen. "Für eine Bestandsaufnahme reicht es jedenfalls nicht, seine Kontoauszüge durchzublättern", sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
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Kardinalfehler
Er rät, anschließend Schritt für Schritt vorzugehen und dabei zunächst zwei Kardinalfehler zu vermeiden: Erstens sparen manche Menschen, statt zunächst ihre Schulden zu tilgen. Bieler hält dies für unsinnig. "Schuldzinsen sind höher als die Sparzinsen. Deshalb bringt es gar nichts, zum Beispiel ständig das Girokonto zu überziehen und gleichzeitig einen Sparvertrag zu bedienen", sagt der Finanzexperte.
Zweitens legen manche Menschen Geld für das Alter zurück, vielleicht auch weil sie ein Finanzberater dazu überredet hat, doch ihre existentiellen Grundrisiken haben sie nicht abgedeckt. Werden sie dann berufsunfähig, oder richten etwa ihre Kinder einen großen Schaden an, tritt der Supergau ein: Weil der Versicherungsschutz fehlt, stehen sie vor dem Ruin.
Sind diese beiden Klippen umschifft, empfiehlt Verbraucherschützer Gottschalk als nächsten Schritt, eine Notreserve anzulegen. Je nachdem wie hoch das Nettoeinkommen ist, sollten dies 5000 bis 10.000 Euro sein. "Ob das Auto kaputtgeht oder eine neue Waschmaschine her muss - jeder Haushalt sollte für unvorhergesehene Ausgaben Geld zur Verfügung haben", sagt Gottschalk.
Er warnt aber davor, diese eiserne Reserve auf dem Sparbuch anzulegen, weil die Zinsen hier teilweise unter einem Prozent liegen. Der Finanzexperte favorisiert Tagesgeldkonten: Hier gibt es bis zu 4,0 Prozent Zinsen, das Geld ist täglich verfügbar und zumindest bei deutschen Banken hundertprozentig sicher angelegt.
Sicherheitspolster
Nach Ansicht von Gottschalk reicht dies als Liquiditätspolster für einen Privathaushalt jedoch nicht aus. Der Verbraucherschützer rät, sich zusätzlich eine Anschaffungsreserve aufzubauen - vergleichbar mit einem Investitionsetat. "Hier wird für fest geplante Anschaffungen Geld zurückgelegt, etwa für den nächsten Urlaub, eine neue Einbauküche oder den Auslandsaufenthalt der Kinder", sagt der Finanzexperte. Als letzten wichtigen Schritt empfiehlt der Verbraucherschützer den Aufbau einer Altersreserve - genauso wie Experte Beck. Er rät, dabei fünf Faustregeln zu beachten:
Der Beginn: Sind die existentiellen Risiken durch Versicherungen abgedeckt und eine eiserne Reserve vorhanden, sollten Anleger Geld für den Ruhestand zurücklegen - je früher, desto besser. Das liegt am sogenannten Zinseszinseffekt, der häufig unterschätzt wird. Beispiel: Ein 30-Jähriger legt jeden Monat 100 Euro 37 Jahre lang in einem Fonds an. Die durchschnittliche Wertentwicklung wird mit vier Prozent im Jahr bewusst vorsichtig angesetzt. Mit 67 Jahren kommt er so auf 100.154 Euro, vor Abzug der Abgeltungsteuer. Hätte er als 35-Jähriger angefangen zu sparen, kämen nur 76.862 Euro zusammen.
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Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Die Überschrift des SZ-Artikels lautet "1x1 der Geldanlage" und richtet sich eben nicht nur an Hartz IV Empfänger und Geringverdiener. Daher sind die Einwände für diese Gruppe sicherlich zutreffend, aber rechtfertigen nicht einen derartigen Verriß des Artikels.
Die vorgeschlagenen Schritte halte ich für allesamt in Ordnung, vielleicht noch zu Ergänzen durch die Aufforderung, ein Zehntel seines verfügbaren Einkommens zu sparen/investieren. So kann wirklich jeder (auch der Hartz IV'ler oder Geringverdiener) zu einer ansehnlichen Summe kommen...
"Mensch - warum bin ich da nicht früher drauf gekommen?" fragen sich die Hartz IVer, die Billiglöhner und die Armutsrentner , "5.000-10.000 Notreserve bilden! Klar doch! Das nehme ich einfach aus der Portokasse!"
Diejenigen, die Notreserven am dringendsten bräuchten, haben nicht nur kein Geld, sondern sind überschuldet. Das betrifft immerhin 7,8 Mio. Bundesbürger. Der Empfehlung des Autors ist also nur begrenzt Praxisrelevanz zu attestieren.
Interessant ist auch die Empfehlung zum Riester-Sparen. Vielleicht mal bei Thomas Öchsner unter http://www.sueddeutsche.de/finanzen/artikel/263/151881/ nachlesen, warum Riester-Renten für die meisten Menschen sinnlos sind? Oder nachschauen bei http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=928&sid=175 ?
Der meiner Meinung nach werthaltigste Rat des Autors ist, erst Schulden zu tilgen / Schuldzinsen zu vermeiden - und erst danach zu sparen.
Fazit: Gut gemeint, aber ausbaufähig.