Von Silvia Liebrich

Damien Hirsts Schädel-Skulptur zeigt es: Diamanten sind als Wertanlage kaum geeignet - Laien können den Markt und die Preis-Kriterien nur schwer durchschauen.

Es sollte einer der größten Coups werden, den die Kunstwelt je gesehen hat. Doch daraus wurde nichts. Der mit Tausenden von Diamanten besetzte Totenkopfschädel des britischen Skandalkünstlers Damien Hirst hat sich in diesem Jahr als einer der teuersten Flops der Kunstgeschichte erwiesen. Die Skulptur mit dem zynischen Titel "For the Love of God" (deutsch: für die Liebe Gottes) sollte nach Hirsts Vorstellungen mindestens 100 Millionen Dollar einbringen. Zahlen will diesen Preis bis heute niemand.

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Wer ernsthaft überlegt, in Diamanten zu investieren, kann aus dem Desaster Hirsts lernen. Selbst als sein Kunsthändler die Forderungen für das Objekt auf 30 Millionen Dollar herunterschraubte, was angeblich nur noch dem reinen Warenwert entsprach, war weit und breit kein Käufer in Sicht. Dies offenbart ein grundsätzliches Problem: Was die glitzernden Steine wert sind, entscheidet letztlich allein der Käufer. Einen geregelten Börsenhandel, wie etwa bei Gold, gibt es nicht. Experten raten deshalb: Wer sich nicht auskennt, sollte daher die Hände von Diamanten lassen, wenn sie nur als Anlageobjekte gedacht sind.

"Der tatsächliche Wert eines Diamanten ist für Laien nur schwer bestimmbar", sagt Ulrich Freiesleben, der als einziger deutscher Händler ein Büro im belgischen Antwerpen unterhält, dem Zentrum des Diamantenhandels in Europa.

Dies liegt vor allem auch daran, dass dafür gleich vier Kriterien wie Schliff, Gewicht, Farbe und Reinheit eine Rolle spielen. "Für Diamanten gibt auch kein tägliches Preisfixing, wie es etwa bei Gold der Fall ist", ergänzt der Experte. Außerdem seien die Steine nicht beliebig teilbar oder austauschbar.

Schwer einschätzbar ist der Wert einzelner Steine auch deshalb, weil Rohdiamanten in der Regel nur im Paket den Besitzer wechseln. Händler kaufen Mischungen ungeschliffener Steine mit wenigen großen und vielen kleineren Steinen. Wer sich also auf ein bestimmtes Objekt festgelegt hat, muss auch den Rest nehmen.

Bei diesem Geschäft unter Profis wirft der Abnehmer üblicherweise nur einen kurzen Blick auf das Ganze und nimmt nur einzelne, interessante Steine unter die Lupe. Dann einigt man sich auf einen Festpreis - oder auch nicht. "Dafür braucht man viel Erfahrung und Gespür, sonst hat man verloren", sagt Freiesleben.

"Es gibt nicht den Diamantenpreis schlechthin", bestätigt auch der Gutachter und Edelsteinhändler Hans Jörg Müllenmeister. Der Betrag, der selbst für einzelne Steine geboten wird, kann nach seinen Erfahrungen je nach Einkäufer und Fachkenntnis höchst unterschiedlich ausfallen. Dabei seien auch immer Emotionen im Spiel. "Jeder Stein ist ein Individuum, dafür existiert kein Preis-Chart", erklärt Müllenmeister. Wer unbedingt in Diamanten investieren will, dem rät Müllenmeister zu Aktien von Bergbauunternehmen.

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