Von Alexander Hagelüken

Der Wall-Street-Aufsteiger Bernard Baruch organisierte die amerikanische Kriegsproduktion in beiden Weltkriegen und kämpfte gegen Atomraketen.

Sein Vater Simon wandert aus Osteuropa ein, wo sie Juden brauchen, aber nicht schätzen. Simon flickt als Chirurg im amerikanischen Bürgerkrieg Soldaten der Südstaaten zusammen; das sind so die Umstände, in die Bernard Mannes Baruch im Jahr 1870 hineingeboren wird. Er hat es nicht einfach. Ein Sportunfall lässt Baruchs linkes Ohr taub. Er ackert in einer Mine in Cripple Creek/Colorado, wörtlich Fluss der Krüppel.

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Gastgeber der Mächtigen: Multimillionär Bernard Baruch empfängt in seinem New Yorker Anwesen 1953 Gouverneur Thomas Dewey und den britischen Premier Winston Churchill (von rechts). Churchill kritisierte er schwer. (© Foto: AP)

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Es sind aber andere, nicht Baruch, die dort Jahre später viel Gold finden. Er heuert als Lehrling bei einem Börsenmakler in New York an, als ganz kleines Licht. Doch später wird Bernard Mannes Baruch ein großes Vermögen anhäufen, er wird die Mächtigen der Erde beraten und den Ausgang von Weltkriegen beeinflussen. Er wird es allen zeigen.

Seine Biografen notieren erstaunt, wie schnell der Börsenlehrling Baruch lernt. Der junge Mann steigt kurz vor dem Jahr 1900 vom Lehrling zum Teilhaber beim Bankhaus A.A. Housman auf, er wettet oft gegen kurzfristige Marktbewegungen, denen andere hinterherlaufen.

Investitionen in Radiotechnik und Autos

Oft zahlt sich das aus. Baruch selbst widerspricht der These, Erfolg an den Finanzmärkten habe vor allem jener, der im Auf- und Abschwung den richtigen Moment erwische: "Das perfekte Timing gibt es nicht. Wer das sagt, der lügt." Baruch bezeichnet sich stolz als Spekulanten, er meint damit besonders "speculari", den lateinischen Ursprung des Wortes, der "spähen" bedeutet und "beobachten".

Kein hektisches Kaufen und Verkaufen ist das, sondern etwas Durchdachtes, ein Sichten von Gelegenheiten. Als Spekulant versucht Baruch, Entwicklungen seiner Zeit zu erkennen. Ende des 19. Jahrhunderts befindet sich die amerikanische Wirtschaft im Wandel. Stahl-, Öl- und Eisenbahnfirmen schließen sich zusammen, es ist eine Zeit zum Reichwerden. Baruch wird reich.

Zur Jahrhundertwende, mit dreißig, besitzt er drei Millionen Dollar, damals sehr viel Geld. Um sein Vermögen zu mehren, versucht er später neue Entwicklungen zu erahnen. In den Zwanziger Jahren investiert er in Radiotechnik und Autos, die erst vor ihrem Siegeszug stehen. Dem Börsencrash 1929 soll er weitgehend entgangen sein, und der britische Premier Winston Churchill, so heißt es, war lebenslang dankbar, weil ihm Baruch rechtzeitig zum Verkaufen riet.

Gutes tun und davon reden

Nur der Biograf James Grant streut Zweifel, ob der Meisterspekulator wirklich immer so geschickt agierte. Und er nennt eine Quelle von Baruchs Reichtum, die vor hundert Jahren akzeptiert war, heute jedoch zum Himmel stinken würde:

Insiderwissen über baldige Entscheidungen in Firmen, die den Kurs steigen lassen. Fest steht, dass der Jude Baruch spätestens im depressions-geschüttelten Amerika der dreißiger Jahre für manche zur Fratze des hässlichen Spekulanten mutierte. Er hätte womöglich noch viel mehr Zorn auf sich gezogen, hätte er nicht früh angefangen, sich neu zu erfinden: Als politischer Akteur, der Gutes tat und es andere wissen ließ.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie Spekulant Baruch im Ersten Weltkrieg an der deutschen Niederlage beteiligt war - und wie er auch politisch immer mehr Einfluss bekam.

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