Der Mann aus Parma ist innerhalb weniger Monate mehrfacher Millionär. Er stapelt die Geldscheine in Schubläden, auf dem Fußboden, sogar in Papierkörben. Ponzi kann sich gar nicht so viele luxuriöse Autos, Anzüge und Häuser kaufen - es ist einfach zu viel Geld da, um alles ausgeben zu können.

Anzeige

Der Italiener lebt das Leben eines Dandys, mit Gehstock in der Hand und Borsalino auf dem Kopf. Solange, bis ihm eine unbezahlte Rechnung zum Verhängnis wird. Als ein Journalist enthüllt, dass Ponzi einem Möbelhändler sein Geld nicht zurückzahlt, fallen die Reporter über Ponzi her, so wie damals die Menschen in der School Street.

Günstling Mussolinis

Immer mehr Anleger fordern ihr Geld zurück. Ponzi kann nicht anders; er zahlt sie aus. Doch die Zweifel an seinem System verschwinden nicht. Sie halten sich hartnäckig, in den Schlagzeilen der Zeitungen und in den Köpfen der Anleger. Und damit nicht genug: Auch das Finanzamt interessiert sich mehr und mehr für die Machenschaften des gut aussehenden, redegewandten Italieners.

Wochenlang beschäftigt sich die Behörde mit Ponzis Vermögen. Von den 15 Millionen Dollar, die er von 40.000 Sparern bekommen hat, kann das Finanzamt nur 1,5 Millionen sicherstellen. Als die Zeitungen dann noch die Geschichten über Ponzis Vorstrafen drucken, stürmen wütende Kunden das Büro in der 27 Scholl Street. Sie wollen ihr Geld zurück. Doch es ist weg. Einfach weg.

Ponzi wird in Boston zu fünf Jahren Haft verurteilt, sitzt die Zeit ab, geht nach Florida, nennt sich Charles Borelli und baut wieder ein Schneeballsystem auf. Er verkauft Grundstücke und verspricht sagenhafte Gewinne. Dass die Grundstücke im Sumpfgebiet liegen, verschweigt er. Ponzi wird verhaftet und sitzt wieder im Knast. Wieder in Boston.

Danach verfrachten die Amerikaner Ponzi auf ein Schiff und schieben ihn in seine Heimat ab. In Italien ist er ein Held. Er genießt den Ruhm des bewunderten Gauners im Maßanzug.

Auch Staatschef Mussolini findet Gefallen an dem Betrüger, der die Amerikaner hinters Licht führte. Er schickt Ponzi nach Brasilien und lässt ihn dort das Geschäft einer neu gegründeten italienischen Fluglinie leiten. Im Zweiten Weltkrieg verliert Mussolini seine Airline und Ponzi seinen Job.

In Brasilien erleidet Charles Ponzi einen Schlaganfall, kann fast nichts mehr sehen und ist einseitig gelähmt. Der ehemalige Multi-Millionär ist 65 Jahre alt, als er in der Armenstation eines Krankenhauses in Rio de Janeiro stirbt. Die Kosten seiner Beerdigung deckt die staatliche Pension nur knapp.

Sie sind jetzt auf Seite 3 von 3

  1. Gauner im Maßanzug
  2. Gauner im Maßanzug
  3. Sie lesen jetzt Gauner im Maßanzug
Leser empfehlen 

(SZ vom 05.08.2008/jpm/jkr)