Ein Onkel von Carlo sieht, dass so nichts aus dem Jungen werden könne. Er schlägt ihm vor, sein Glück in den Vereinigten Staaten zu versuchen, dort seien die Straßen zurzeit mit Gold gepflastert. Von seiner Familie bekommt Carlo Ponzi eine Fahrkarte und 200 Dollar.

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Als er, 21 und voller Neugier auf die goldenen Möglichkeiten Amerikas, an Bord der S.S. Vancouver 1903 in Boston ankommt, erkennt er, dass die Straßen vor allem eines sind: voller Dreck. Später wird Ponzi sagen: "Ich landete in Amerika mit nichts als 2,50 Dollar in bar und einer Million Dollar in meiner Hoffnung, und diese Hoffnung hat mich nie verlassen."

Aufmerksamer Lehrling

An der Ostküste arbeitet er als Tellerwäscher in schäbigen Hotels, schläft auf dem kalten Küchenfußboden, lernt fleißig Englisch und nennt sich Charles. Er steigt zum Kellner auf, darf sich auch um die Buchhaltung kümmern, so lange, bis sein Chef merkt, dass ihn der junge Kerl aus Good Old Europe übers Ohr haut. Charles Ponzi fliegt und flieht nach Kanada, wo er in Montreal bei einer Bank anheuert.

Dort lernt er viel für seine späteren Betrügereien, besonders von Bankchef Luigi Zarossi, seinem Patron. Der verspricht jedem italienischen Neukunden sechs Prozent Zinsen auf sein Erspartes. Kein schlechter Deal, drei Prozent sind üblich.

Klar, dass Zarossis Rechnung nicht aufgeht. Er kann das Zinsversprechen nur halten, weil er im großen Stil Geld von Konten der Neuanleger abzweigt, um damit langjährige Kunden auszubezahlen. Ein System, das zum Kollaps verdammt ist. Das weiß auch Zarossi. Eines Tages räumt er die Konten leer und setzt sich mit dem Geld nach Mexiko ab.

Auch Ponzi, der im Haus der Zarossis lebt, kann nicht mehr in Kanada bleiben. Er will zurück in die USA, um sich dort mit einem ähnlichen Geschäftsmodell den Traum vom großen Geld zu erfüllen. Um den Neustart in Amerika finanzieren zu können, fälscht er einen Scheck über 423,58 Dollar, wird erwischt und muss drei Jahre hinter Gitter.

Nach 20 Monaten wird Ponzi entlassen. Wegen guter Führung. Im Knast hat ihn ein italienischer Gangster, für den er Briefe übersetzte, auf eine Idee gebracht. Ponzi will eine Export-Zeitschrift herausgeben. Dabei entdeckt er die Sache mit den Rückporto-Kupons.

Ausgeklügeltes Schneeballsystem

Ein Mann aus Spanien schreibt Ponzi und bittet ihn, ein Magazin gegen einen Kupon nach Europa zu schicken. Den Kupon hat der Spanier in seiner Heimat für einen Cent gekauft. Bei der US-Post bekommt Ponzi dafür eine Sechs-Cent-Briefmarke. Sechsmal so viel.

Was also, wenn er einen Strohmann beauftragt, im Ausland massenhaft Rückporto-Kupons zu kaufen, die er in Amerika für den sechsfachen Wert eintauschen könnte, um sie anschließend zu Geld zu machen? Na, hoppla, das wäre doch: eine Riesensache!

Die Riesensache funktioniert. Zunächst. Die Menschen werfen Ponzi, man muss es so sagen, das Geld hinterher. Zehntausende lassen sich vom Traum, schnell reich zu werden, blenden, kaufen Anteile zwischen zehn und 50.000 Dollar. Es scheint alles wunderbar zu sein: Ponzi zahlt den ersten Anlegern die versprochenen Renditen aus. Das kann er auch, weil jeden Tag immer neues Geld in sein System fließt.

Charles Ponzi hat das Schneeballsystem neu erfunden. Amerikaner sprechen dabei von der alten Schwindelei nach dem Motto "Robbing Peter to pay Paul" ("Beraube Peter, um Paul zu zahlen"). Das Problem ist nur: Die langen Laufzeiten der Post und die Formalitäten beim Umtauschgeschäft mit Devisen kosten zu viel Zeit und machen Ponzi einen Strich durch die Rechnung. Es ist nur noch eine Frage von Monaten, dass sein System kollabieren wird.

Bis es soweit kommt, verdient Ponzi erst einmal. Es dauert nicht lang, und er nimmt eine Million Dollar ein - pro Woche, später angeblich pro Tag. Es gibt Zeiten, da können seine Mitarbeiter in der School Street das Geld gar nicht so schnell annehmen, wie es ihm zerfließt. So auch am Morgen des 24. Juli 1920, als die Boston Post über Ponzis Prinzip der Geldanlage schreibt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Ponzi eine italienische Airline anvertraut bekam.

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