Studie im Auftrag der Grünen Mineralölkonzerne nutzen Preisanstieg beim Benzin aus

An den Tankstellen wächst der Ärger: Die Preise für Super & Co. klettern immer höher. Die jüngsten Preissteigerungen liegen nicht nur am Rohölpreis, sagt eine neue Grünen-Studie. Die Mineralölkonzerne schlagen kräftig zu - und kassieren 4,7 Cent zusätzlich pro Liter.

Die Spritpreise steigen und steigen - wie die Wut der Autofahrer. Hinter der Teuerung an der Tankstelle stecken komplizierte Entwicklungen: Die Krise um Iran setzt die Rohstoff-Märkte unter Druck. Ein schwacher Euro verteuert die Importe, weil Öl in Dollar gehandelt wird. Doch eine neue Studie zeigt: Die Mineralölkonzerne nutzen den Trend offenbar aus und schlagen auf den steigenden Preis eine zusätzliche Marge auf.

Das hat jedenfalls Steffen Bukold ausgerechnet, der in Hamburg ein Energie-Forschungsinstitut betreibt. Im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen ist er der Frage nachgegangen, ob die Mineralölkonzerne bei den steigenden Preisen zusätzlich abkassieren. Sein Urteil: ja, um 4,7 Cent pro Liter beim Superbenzin. Das seien 42 Prozent des jüngsten Preisanstiegs von 11,3 Cent je Liter. Nur die Steigerung um 6,6 Cent lasse sich durch höhere Rohölpreise oder den Euro-Dollar-Kurs erklären.

"Das Ergebnis sind höhere Bruttomargen in der Mineralölbranche", sagt Bukold. Pro Monat addiere sich das für die Konzerne auf 98 Millionen Euro extra, die Tankstellenkunden bei einem Absatz von 2,1 Milliarden Liter Superbenzin mehr zahlen müssten.

Die Grünen verurteilen das Verhalten der Benzinbranche. Das seien "ungerechtfertigte Gewinnmitnahmen auf Kosten der Verbraucher", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn der Saarbrücker Zeitung. "Wir haben keinen funktionierenden Wettbewerb bei den Tankstellen. Deswegen müssen die Rechte des Kartellamtes umgehend gestärkt werden", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stephan Kühn, der Zeitung.

Wettbewerbshüter sprechen von einem Oligopol

Die Ergebnisse der neuen Studie überraschen das Kartellamt nicht. "Wir haben es auf den deutschen Tankstellenmärkten mit einem Oligopol der großen fünf Mineralölkonzerne zu tun", sagte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, der SZ. "Es ist davon auszugehen, dass die Preise höher sind, als es bei funktionierendem Wettbewerb der Fall wäre."

Das Kartellamt hatte 2011 eine eigene Untersuchung vorlegt. Deren Fazit: Ein Oligopol sorgt dafür, dass es auf dem Bezinmarkt keinen Wettbewerb um niedrige Preise gibt. Die fünf Mineralölkonzerne Aral/BP (23,5 Prozent Marktanteil), Shell (22 Prozent), Jet (10 Prozent), Esso und Total (jeweils 7,5 Prozent) repräsentierten der Analyse zufolge mehr als zwei Drittel des Marktes.

Die Branche selbst weist die neuen Vorwürfe empört zurück. "Das ist völlig haltlos", sagte Klaus Picard, Chef des Mineralölwirtschaftsverbands, der SZ. "Für die Tankstellenpreise ist allein der Beschaffungspreis maßgeblich." So sei der Benzinpreis zuletzt um 14,5 Cent gestiegen - während die Beschaffungskosten nach Erhebungen des Verbands um 14,7 Cent zulegten. "Diese Studie ist falsch", sagte Picard.