Strompreise Die Milliarden-Abzocker

Wie passt das zusammen? Eine Studie zeigt, dass die Energieversorger im Einkauf mittlerweile deutlich weniger als früher bezahlen - doch im Januar verteuern sie dennoch den Strom. Für die Verbraucher geht es um einen Milliardenbetrag.

Von Karl-Heinz Büschemann

Die Strompreise dürften von den Energiekonzernen am Jahresanfang nicht im angekündigten Maß erhöht werden, sie müssten sogar sinken. Die deutschen Stromkonzerne stellten ihren Kunden im neuen Jahr wegen "nicht nachvollziehbarer Preissteigerungen" zwei Milliarden Euro zu viel in Rechnung. Das besagt eine Studie des Leverkusener Energiewirtschaftlers Gunnar Harms, die von der Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben wurde und die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Für den 1. Januar und den 1. Februar planen 570 deutsche Stromanbieter eine Erhöhung der Strompreise um durchschnittlich sieben Prozent. In der Spitze liegen die Preissteigerungen bei 20 Prozent. Die Preiserhöhungen werden im Wesentlichen mit der sogenannten EEG-Umlage begründet, mit der die Stromkunden die Förderung regenerativer Energien bezahlen. Diese Abgabe, die mit dem Strompreis eingezogen wird, steigt am Jahresanfang von jetzt 2,05 Cent pro Kilowattstunde auf 3,5 Cent je Kilowattstunde.

Der Gutachter der Grünen kommt aber zu dem Schluss, dass die Strompreise trotzdem fallen und nicht steigen müssten. Der Einkaufspreis für Strom, der an der Strombörse in Leipzig ermittelt wird, sei in den Jahren seit 2008 um 40 Prozent gefallen. Seit 2006, so der Gutachter, seien die Margen der Stromversorger zudem "mehr als verdreifacht" worden. Für den Durchschnittshaushalt ergäben sich aus den Preissteigerungen am Jahresanfang Mehrkosten von 40 Euro im Jahr. Dadurch blieben bei den Versorgern etwa 1,5 Milliarden Euro zusätzlich hängen.

Die Ergebnisse der Versorger im Jahr 2010 hätten diese Entwicklung bestätigt. Das auslaufende Jahr sei, vor allem für die großen Stromerzeuger RWE, Eon, Vattenfall und EnBW, ein Rekordjahr gewesen. Nie zuvor hätten die Stromkonzerne einen derart hohen Gewinn eingefahren.

Durch die Preispolitik der Stromversorger werde auch die Arbeit der Bundesnetzagentur unterlaufen. Die habe dafür gesorgt, dass die Transportkosten für den Strom seit 2006 um 1,5 Cent je Kilowattstunde verringert wurden. Diese Einsparungen seien aber durch die Ausweitung der Margen bei den Stromversorgern und durch erhöhte Vertriebskosten überkompensiert worden. Daher seien die Gründe für die neue Preiserhöhung "nicht plausibel", heißt es in dem Papier.

Die Studie macht im Wesentlichen die marktbeherrschende Stellung "der etablierten Stromwirtschaft" für die Preissteigerungen verantwortlich. Die Konzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall besitzen etwa 80 Prozent der Kraftwerkskapazität in Deutschland.

"Eigenwillige Preispolitik"

Eine Sprecherin von RWE sagte dazu am Montag, der Essener Konzern erhöhe die Preise für Strom nur um 0,8 Cent pro Kilowattstunde. Man gebe die Erhöhung der EEG-Abgabe nicht voll an die Kunden weiter. Und die Preissenkungen an der Leipziger Strombörse machten sich bei RWE wegen der langfristigen Kaufverträge nicht vollständig bemerkbar. "Unsere Kunden profitieren aber von gesunkenen Börsenpreisen für Strom." Ein Sprecher des Energiekonzerns Eon sagte: "Wir halten unsere Preise über den Jahreswechsel hinaus stabil."

Bärbel Höhn, die frühere Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen und jetzige stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, wirft den großen Energiekonzernen eine "eigenwillige Preispolitik" vor. Die erhöhte EEG-Umlage werde von ihnen als Vorwand benutzt, "um ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu kaschieren".

Die Grünen-Politikerin zieht den Schluss, dass noch zu wenige Stromkunden zum Mittel des Anbieterwechsels greifen, um den Wettbewerb in der Stromwirtschaft anzufachen. "Weil zu wenig Kunden den Anbieter wechseln, können die Stromversorger die Preise ohne Schaden hoch halten."

Mit Strom Geld verdienen

mehr...