Stressfaktor Lärm Endlich Ruhe zwischen den Etagen

Wo Kinder leben, geht es nicht immer ruhig zu. Ein guter Schallschutz hilft, Geräusche zu dämpfen.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

In alten Häusern gibt es kaum Trittschalldämmungen. Aber man kann die Gebäude gut nachrüsten.

Das Geräusch klackernder Absätze aus den Räumen über einem kann nerven. Schuhe ausziehen hilft da nicht wirklich. Ruhe zwischen den Etagen bringt in der Regel nur eine vernünftige Trittschalldämmung. In älteren Häusern ist diese aber die Ausnahme. "In alten Häusern aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren gibt es so gut wie gar keine Trittschalldämmung", erklärt Ralf Wollenberg, Leiter der Fachgruppe Bodenleger im Zentralverband Parkett- und Fußbodentechnik in Troisdorf. Aber auch später errichtete Bauten verfügten oft nicht über einen guten Schutz. Eigentümer können aber nachrüsten.

Heute wird Trittschall störender empfunden als früher. Das hat auch bauliche Gründe: "Wer ältere Häuser saniert, achtet auf eine gute Wärmedämmung und eine luftdichte Gebäudehülle", sagt Alexander Siebel vom TFI - Institut für Bodensysteme an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. "Damit sind die Gebäude so dicht, dass kaum Lärm von außen hineindringen kann. Umso intensiver und unmittelbarer werden interne Geräusche wahrgenommen".

Eine zusätzliche Trittschalldämmung ist auch sinnvoll, weil sie das Leben des Bodenbelags verlängern kann. "Besonders bei Teppichboden macht das viel aus", sagt Silke Schön, Mitglied im Zentralverband Raum und Ausstattung in Köln. Denn wenn der Oberbelag nicht direkt auf dem harten Estrich aufliege, sondern noch eine Schicht dazwischen ist, werde er geschont. "Die Trittschallmatte kann auch liegen bleiben, wenn ein neuer Bodenbelag fällig ist." Außerdem ist sie rückenfreundlich. "Es federt ein bisschen und stuckert nicht so wie beim Laufen auf hartem Boden." Während in Neubauten die Mindestanforderungen im Sinne des Gesundheitsschutzes in der DIN-Norm 4109 "Schallschutz im Hochbau" geregelt sind, gelten für Altbauten keine festen Bestimmungen. Mieter haben zum Beispiel keinen Anspruch darauf, dass der Vermieter das Haus nachrüstet. Es muss nur in dem Standard erstellt sein, der beim Zeitpunkt des Bauens üblich war.

Die Dämmschicht muss auf den Bodenbelag abgestimmt werden

Wer nachrüsten will, muss den alten Boden entfernen und einen neuen Estrich verlegen. Wichtig ist, dass der Estrich schwimmend verlegt wird, also durch eine Dämmschicht von der Rohdecke getrennt ist. Auch darf der Estrich keinen Kontakt zu vertikalen Bauteilen haben, also den Wänden. Am Schluss wird auf dem Estrich der obere Bodenbelag verlegt. "Dessen Eigenschaften beeinflussen den Trittschall ganz entscheidend", sagt Wollenberg. "Weiche Teppiche schlucken viel mehr Lärm als harte Beläge wie beispielsweise Parkett, Laminat oder Bodenfliesen."

Echtholz sollte auf ganzer Fläche auf den Bodenbelag geklebt werden, um einen guten Trittschallschutz zu erreichen. "Im Gegensatz zum schwimmend verlegten Parkett werden dann die Schwingungen, die beim Auftreten auf die Oberfläche entstehen, nicht mehr nach unten weitergeleitet", erläutert Bastian Herzig vom Verband der deutschen Parkettindustrie in Bad Honnef bei Bonn. "Hierdurch kann der Geh- und Raumschall spürbar reduziert werden." Oft muss der Hausbesitzer aber gar nicht den gesamten alten Fußboden erneuern. So lässt sich eine zusätzliche Dämmung zwischen Estrich und dem Bodenbelag verlegen. "Diese Matten sind zwei bis sechs Millimeter stark und bieten einen guten Trittschallschutz", erklärt Herzig.

Wichtig ist, die Dämmung auf den Oberbelag abzustimmen. "Als Faustregel gilt: Weicher Belag - weiche Dämmung, harter Belag - harte Dämmung", sagt Wollenberg. Wird die falsche Dämmung gewählt, kann der Bodenbelag außerdem Schaden nehmen."Ist die Dämmung zum Beispiel zu weich, gibt es unschöne Eindrücke von Möbeln oder Stuhlbeinen."

Auf dem Markt gibt es aber auch immer mehr Bodenbeläge, die bereits über eine gute Trittschalldämmung verfügen. "Dafür wurden textile Bodenbeläge, die schon von Hause aus gute Werte mitbringen, so verbessert, dass auch bei einer schlechten Ausgangssituation ein guter Trittschallschutz hergestellt werden kann", erklärt Siebel vom Institut für Bodensysteme. Die Forschung arbeite an weiteren Innovationen in diesem Bereich. "Wir sind zum Beispiel mit unseren Partnern gerade dabei, eine Bodenbelagsunterlage mit sehr guten akustischen Eigenschaften wie Trittschallschutz und Schallabsorption so herzustellen, dass diese von der Verschleißschicht konstruktiv zu trennen ist", erklärt der Experte. So könne eine isolierende Unterlage des Bodenbelags mehrere Lebenszyklen überstehen - also muss nur der Teppich oder das Laminat immer wieder ausgetauscht werden.