Die Wut wächst: Die Koalition drängt die Spitzenverdiener der Finanzindustrie angesichts der Wirtschaftskrise zum Gehaltsverzicht.
Regierungssprecher Ulrich Wilhelm verwies am Montag darauf, dass der Staat jenseits moralischer Appelle auch gesetzliche Sanktionsmöglichkeiten habe.
In vielen Ländern sind Diskussionen über Managergehälter und Bankerboni entbrannt (© Foto: AP)
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Zudem sollen die Aufsichtsbehörden strenger gegen allzu risikofreudige Institute vorgehen. Eine ähnliche Gehaltsdebatte entbrannte auch in Großbritannien.
Staat will tätig werden
Die Regierungen in Deutschland wie in vielen anderen Ländern sind zunehmend verärgert darüber, dass selbst Institute, die Hilfen des Staats erhalten haben, weiterhin Bonuszahlungen in Millionenhöhe an ihre Mitarbeiter ausschütten.
Kanzlerin Angela Merkel hatte dies am Wochenende als "unverständlich" bezeichnet, Außenminister Frank-Walter Steinmeier warf den verantwortlichen Managern "Realitätsverlust" und "Zynismus" vor.
So will etwa das zur Commerzbank zählende Investmenthaus Dresdner Kleinwort seinen Beschäftigten für 2008 insgesamt 400 Millionen Euro überweisen. Trotz ihrer 25-prozentigen Beteiligung an der Commerzbank hat die Bundesregierung dagegen keine rechtliche Handhabe, weil die Bonuszahlungen bereits vor der Teilverstaatlichung des Mutterkonzerns vereinbart worden waren.
Wilhelm machte allerdings deutlich, dass der Staat dennoch nicht untätig bleiben werde. So werde sich die Koalitionsführung bei ihrem nächsten Treffen Anfang März eingehend mit dem Thema Managerbezüge befassen.
Er stellte zudem klar, dass Institute, die Eigenkapitalhilfen vom Staat beantragen, nicht nur die Gehälter ihrer Vorstände, sondern auch die anderer Spitzenverdiener kürzen müssten. Das würde vor allem Investmentbanker treffen, die zum Teil deutlich mehr verdienen als die Top-Manager.
"Grobe Webfehler"
Darüber hinaus verwies Wilhelm darauf, dass auch die Aufsichtsbehörde Bafin zumindest mittelbar Einfluss auf die Gehälter nehmen könne. Schließlich seien Banken, deren Vergütungssystem allein kurzfristige Spekulationserfolge honorierten, deutlich krisenanfälliger als langfristig orientierte Institute.
Grüne und FDP warfen der Regierung dagegen schwere Versäumnisse vor. Der stellvertretende Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nannte die Boni-Zahlungen bei der Commerzbank unerträglich, der FDP-Finanzexperte Carl-Ludwig Thiele sprach von einem "groben Webfehler" im Bankenrettungsschirm. Linksparteichef Oskar Lafontaine sagte: "Anstatt die Banken zu enteignen, enteignet die Bundesregierung die Steuerzahler."
In Großbritannien warf der konservative Oppositionsführer David Cameron der Regierung von Premierminister Gordon Brown vor, dem Treiben der Banken tatenlos zuzusehen. Er forderte, dass Institute, die Hilfen des Staats in Anspruch genommen hätten, ihre Bonuszahlungen auf 2000 Pfund pro Mitarbeiter beschränken müssten.
Brown hatte sich dazu bisher nicht durchringen können, weil er fürchtet, dass die Banken Europas bedeutendsten Finanzplatz London verlassen könnten. Angesichts der aufgeheizten öffentlichen Stimmung gegen die "Bonus-Banditen" wird jedoch erwartet, dass nun auch Labour die Zügel anzieht.
Die Kritik hatte sich vor allem an den teilverstaatlichten Finanzkonzernen Lloyds Banking Group und Royal Bank of Scotland (RBS) entzündet. Medienberichten zufolge will Lloyds seinen Mitarbeitern Boni von 120 Millionen Pfund (134 Millionen Euro) zahlen, obwohl die zum Konzern gehörende Bank HBOS vergangene Woche einen Jahresverlust von über zehn Milliarden Pfund mitgeteilt hatte. Lloyds verteidigte sich, dass Mitarbeiter für gute Leistungen entlohnt werden müssten. Die kriselnde Royal Bank of Scotland will angeblich eine Milliarde Pfund an die Belegschaft ausschütten.
Nach Schätzung der Beratungsgesellschaft Centre for Economics and Business Research wird sich die Gesamtsumme aller Prämienzahlungen im Londoner Finanzdistrikt, der sogenannten "City", für das vergangene Jahr auf 3,6 Milliarden Pfund belaufen. Für 2007 hatten die Banken noch 8,5 Milliarden Pfund an Prämien ausgezahlt.
In Deutschland haben erste Firmen Enthaltsamkeit angekündigt. So werden die Beschäftigten der WestLB einem Sprecher zufolge für 2008 keinerlei Boni erhalten. Ähnlich hatte sich bereits die HSH Nordbank geäußert. Bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin wollen die Spitzenmanager auf die Hälfte der vereinbarten Sonderzahlungen verzichten.
- Leistungsanreize Boni und Mali 17.02.2009
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(SZ vom 17.02.2008/hgn)
Sparpaket
Die Boni sind doch glasklar nicht legitim, - wenn sie legal wären, müssten die Gesetze schleunigst entsprechend geändert werden. Staatshilfe kann es natürlich nur bei einem vollständigen Verzicht auf Boni und einem Gehalt wie sonst im öffentlichen Dienst geben. Lasst sie pliete gehen, die nach freier Marktwirtschaft schreien.
des Hohen Hauses sind nur als Schauspiel gedachr, um den Steuerzahler zu beruhigen, zahlen wird er trotzdem müssen. Da die Verantwortlichen sind hauptsächlich unter den Regierenden. Und die werden sich hüten eine goldene Gänse zu schlachten. Das käme ja einem Schuldgeständnis gleich. Denn obwohl das Bankgeheimnis der (Ab-)Zockerei offen auf dem Parlamentstisch gelegen hat, wurde nichts getan, die Triebe zu unterbinden. Nur "mahnende" Worte. Beim Bankencrash 2001 in der Türkei wurde sofort energisch durchgegeriffen, und die Banken mit dem Hinweis des Eigenkapitals gesetzliche Begrenzungen auferlegt. Aber da gibt es keine "potenzielle" Sozialhilfeempfänger, Arbeitslose, Rentner und Steuerzahler, die in der Reihenfolge geschröpft werden können.
Ist doch klar dass weiterhin Boni an die Raffzähne von Managern ausgezahlt werden,
obwohl Millarden der Steuerzahler trägt. Daruf ist doch das System ausgelgt.
Vielen Dank nur an die Bundesregierung. Als Kopf dieser Mafia - Struktur hatte sie
versprochen diese Machenschaft einzuschränken. Sie hat es aber vorsätzlich, mindestens aber grobfahrlässig - aber gewollt - unterlassen dies zu unterbinden. Der dumme Bürger und Steuerzahler wird - wie alles - schon hinnehmen.
Ich bin am überlegen, ob hier nicht der Fall der Veruntreuung von Steuergeldern gegeben ist. Jedenfalls haben die Regierenden und alle Bundestagsabgeordneten wieder einmal
bewiesen, dass sie allesamt abgewählt werden müssen. Es ist eine Schlamperei und zugleich eine Sauerei.
Wenn diese Leute jetzt Boni fordern und wahrscheinlich auch noch bekommen werden, dann nenn' ich das Chuzpe, die an Hochmut erinnert. Man muss sich mal vorstellen, was hier passiert. Diese Herrschaften arbeiten für Unternehmen, von denen einige einfach insolvent wären, würde der Staat nicht mit Steuermilliarden einspringen. In dem Fall würden sie noch 3 Monate Insolvenzgeld bekommen und ab da Arbeitlosengeld I für weitere 12 Monate. Allerdings wäre beides begrenzt auf die Beitragsbemessungsgrenze. Manche würden in der momentanen Lage der Bankenwelt sogar bis zu ALG II durchgereicht werden, da es bei mittelfristiger Betrachtung nicht mehr genügend Arbeitsplätze in diesem Bereich geben wird.
Wenn sie jetzt auch noch Boni fordern und es in diesen Unternehmen auch noch welche gibt, die sie auszahlen wollen, dann spricht das doch eindeutig für den Realitätsverlust dieser Leute. Das ist doch wieder mal ein eindeutiger Fall von: Verluste werden sozialisiert, Gewinne werden privatisiert. Da wird doch Steuergeld, das von vielen einbezahlt wurde (auch von Beziehern kleiner Einkommen), ein-zu-eins durchgereicht an diese Banker, die offensichtlich jetzt einfach so weitermachen wollen, wie bisher.
Abscheulich ist das!
Der Politiker, der bei diesem Thema die Moralkeule schwingt, einen Ehrenkodex einfordert etc., möchte lediglich eins: Bürger, Steuerzahler und Wähler für dumm verkaufen. Der Politiker, der jede Erhöhung der Vergütung begrüßt, diese aber zugunsten der Allgemeinheit wegsteuern möchte, der handelt im Interesse der Bürger.
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