Ein Kommentar von Guido Bohsem

Die neueste Steuerschätzung belegt: Das Geld wird noch knapper. CSU und FDP müssen sich an diese Realität noch gewöhnen.

135 Steuerschätzungen hat es bislang gegeben. Manche sind miserabel ausgefallen, manche unerwartet gut. Die jüngste brachte keine spektakulären Ergebnisse. Die Zahlen liegen im Rahmen. Die Expertenrunde hat nach drei Tagen Rechnerei bestätigt, was ohnehin schon jedes Mitglied der Regierung wusste, wenn auch vielleicht nicht wahrhaben wollte.

Euro, iStock

Drei Milliarden Euro werden Bund, Ländern und Gemeinden zusätzlich fehlen - sagen die Steuerschätzer. (© Foto: iStock)

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Erstens, es ist kein Geld im Haushalt, und es kommt auch so schnell keins rein. Zweitens, die Steuern kann man deshalb nur auf Pump senken. Drittens, wird die Neuverschuldung dadurch aufgeblasen, führt das zu einer Missachtung des Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts und womöglich zu einem Bruch der erst vor kurzem genau in diesem Punkt verschärften Verfassung.

CSU und FDP müssen sich an diese Realität noch gewöhnen. Insbesondere für die Liberalen wird das nicht einfach. Denn ihr überaus erfolgreicher Wahlkampf hatte eigentlich nur ein einziges Thema, das Versprechen niedrigerer Steuern und ein einfacheres System. Dass das so einfach nicht umzusetzen sein wird, haben die Steuerschätzer jetzt noch einmal festgestellt.

Guido Westerwelle hat jetzt genau zwei Möglichkeiten - er kann als Parteichef agieren oder als Vizekanzler. Das ist beileibe keine triviale Entscheidung und wahrscheinlich die schwerste, die er in seiner bisherigen Politikerkarriere treffen musste. Im ersten Fall nimmt er die Verantwortung für seine Partei wahr und hält an den Plänen fest und riskiert den Verfassungsbruch.

Im zweiten Fall fühlt er sich zuerst dem Staat und dem Allgemeinwohl verpflichtet und gibt das ganze Vorhaben auf. Er würde an Statur gewinnen. Mit dem Vorwurf des Wahlbetrugs müsste die FDP aber leben.

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(SZ vom 06.11.2009/hgn)