Steuerliche Gleichstellung von Fahrrädern und Dienstwagen Umsatteln, bitte!

Bekommt ein Mitarbeiter von seinem Arbeitgeber ein E-Bike oder Fahrrad gestellt, dann muss er es nur noch mit einem Prozent des Preises versteuern, um die Privatnutzung abzudecken.

(Foto: dpa-tmn)

Mit dem Fahrrad ins Büro? Was sich toll anhört, hatte bislang einen Haken: Das Fahrrad musste der Nutzer voll versteuern. Doch nun stellen die Finanzbehörden Fahrräder den Dienstwagen gleich - Arbeitnehmer können davon finanziell profitieren.

Von Dieter Sürig

Die Firma Eos hat einen traumhaften Standort: südlich von München, mitten im Wald. Der Nachteil: Die nächste S-Bahnstation ist fünf Kilometer entfernt - in der Gemeinde Gauting. Etwa 80 Prozent der 300 Mitarbeiter kommen mit dem Auto an ihren Arbeitsplatz. Ein Umstand, den Eos ändern will, weil das Unternehmen nachhaltiger wirtschaften möchte.

Mobilitätsberaterin Nicola Knoch arbeitete deshalb mit Eos ein Konzeptpaket aus, zu dem auch das Angebot für die Mitarbeiter gehört, ein Fahrrad gegen einen monatlichen Beitrag leasen zu können. Ein Dienstfahrrad also, das auch für private Zwecke genutzt wird. Der Arbeitgeber legt eine monatliche Prämie von 45 Euro dafür drauf, dass der Mitarbeiter auf seinen Tiefgaragenplatz verzichtet.

Steuerliche Gleichstellung wirkt rückwirkend

Was sich toll anhört, hatte bislang einen Haken: Das Fahrrad musste wegen des geldwerten Vorteils vom Nutzer voll versteuert werden. "Das Projekt war seit Sommer geplant und hat sich verzögert, weil es immer wieder vertragliche und steuerliche Fragen zu klären gab", sagt Knoch. Umso mehr freut sie sich nun über einen Erlass der deutschen Finanzbehörden. Er stellt Dienstfahrräder rückwirkend zum Jahresbeginn 2012 mit Dienstwagen steuerlich gleich, also unter das Dienstwagenprivileg nach § 8 Absatz 2 Satz 8 EStG.

Bekommt ein Mitarbeiter von seinem Arbeitgeber ein E-Bike oder Fahrrad gestellt, dann muss er es nur noch mit einem Prozent des Preises versteuern, um die Privatnutzung abzudecken. Die Ein-Prozent-Regelung galt bislang nur für Dienstwagen. Der Mitarbeiter muss zudem beim Dienstrad die Anfahrt ins Büro nicht versteuern.

Tiefgaragen platzen aus allen Nähten

Knoch rechnet damit, dass die Nachfrage nach Diensträdern anziehen wird: "Das Interesse ist da." 50 Mitarbeiter nutzen bereits Leihfahrräder zur S-Bahn, die Eos gemeinsam mit einem Fahrradverleih anbietet. Auch das Unternehmen profitiert.

Eos arbeitet im E-Manufacturing und stellt aus elektronischen Daten per Lasertechnik Komponenten etwa für Medizintechnik und Luft- und Raumfahrt her. Eos will bald erweitern. Die Tiefgarage mit 150 Stellplätzen platzt bereits jetzt aus allen Nähten. "Wenn ich so viele Parkplätze schaffen muss, ist es für ein Unternehmen sinnvoll und günstiger, Mitarbeitern ein Leasing-Rad-Modell und weitere alternative Anreise-Modelle zu bieten", sagt Knoch.

Und Eos-Mitarbeiter Bobby Conrad freut sich schon aufs Frühjahr. Dann kommt sein E-Bike, das er gerade bestellt hat. "Ich wohne nicht weit weg, das ist eine gute Alternative zum Auto. Ich hatte eh vor, mir ein Rad zu kaufen", sagt er. Und der 31-Jährige weiß von Kollegen, die das Leasingmodell auch nutzen wollen.