Die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel über heimliche Steuererhöhungen, den schuldenfreien Haushalt und die Mär vom "großen Wurf".
Christine Scheel, 50, war als finanzpolitische Sprecherin der Grünen und als Vorsitzende des Bundestagsfinanzausschusses maßgeblich an der Steuerpolitik der rot-grünen Koalition beteiligt. Ihre Bilanz fällt dennoch ernüchternd aus: Trotz aller Steuersatzsenkungen klagen Bürger und Betriebe über zu hohe Belastungen. Scheel, die seit 1994 im Parlament sitzt, will deshalb jetzt aus der Opposition heraus einen neuen Anlauf nehmen.
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Die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel fordert, den Grundfreibetrag anzuheben. (© Foto: ddp)
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SZ: Frau Scheel, angeblich sind die Deutschen durch die Einkommensteuerreformen der letzten Jahre um 70 Milliarden Euro entlastet worden. Warum haben so viele Menschen das Gefühl, dass davon bei ihnen nichts angekommen ist?
Scheel: Das liegt einerseits daran, dass die Sozialabgaben unverändert hoch sind. Zum anderen sind viele Vergünstigungen wie die Eigenheimzulage weggefallen und andere Steuern wie die Mehrwertsteuer gestiegen. Und schließlich haben von der Senkung des Eingangssteuersatzes von 25,9 auf 15 Prozent und der Anhebung des Grundfreibetrags vor allem Geringverdiener profitiert. Beim Durchschnittsverdiener kam wenig an.
SZ: Für viele Menschen steigt die Steuerlast alljährlich sogar unbemerkt an, obwohl die Steuersätze konstant bleiben. Man spricht von "kalter Progression".
Scheel: Das ist in der Tat ein Riesenproblem. Unser Steuerrecht wirkt so: Jeder zusätzlich verdiente Euro wird mit einem geringfügig höheren Steuersatz belegt als der Euro davor. Oberhalb von 52 151 Euro muss dann der Spitzensatz von 42 Prozent gezahlt werden. Wenn nun das Gehalt etwa in der Größenordnung der Inflationsrate angehoben wird, wird dieses zusätzliche Einkommen mit höheren Sätzen belastet. Damit steigt der Durchschnittssteuersatz des Betroffenen, obwohl sich seine Kaufkraft gar nicht erhöht hat. Das ist ungerecht, gerade weil dieses Problem nur niedrige Einkommen und Durchschnittsverdiener betrifft, Großverdiener aber nicht.
SZ: Was bedeutet das in konkreten Zahlen?
Scheel: Heute ist es so, dass bei einem Bruttomonatseinkommen von 2500 Euro vom letzten Euro 30 Cent an das Finanzamt und 21 Cent an die Sozialversicherung gehen. Dem Steuerzahler bleiben also gerade einmal 49 Cent. Bei einem Gehalt von 2800 Euro sind es nur noch 47, bei einem Monatseinkommen von 3300 Euro nur noch 44,5 Cent.
SZ: Die Steuersatzsenkungen der vergangenen Jahre werden also klammheimlich wieder aufgezehrt.
Scheel: Nimmt man Steuern und Abgaben zusammen, werden die Deutschen stärker zur Kasse gebeten als die Menschen im angeblichen Hochsteuerland Schweden. Und nach Angaben des Instituts für Weltwirtschaft wird die Steuerbelastung von Bürgern und Personenunternehmen in drei oder vier Jahren wieder das Niveau von 1998 erreichen. Dann wären wir wieder bei Helmut Kohl.
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Christopher Lee zum 90.
Leider ist nicht nur die Lobby zu groß. Der Beamte ist im Moment auch noch wesentlich billiger für den Arbeitgeber. Und was schert es den amtierenden Landrat oder Bürgermeister, wenn die nächste Generation (eigentlich nur noch eine Halbe) die Pensionen nur noch mit neuen riesigen Schulden zahlen kann. Rücklagen hierfür sind ja bekanntermaßen Fehlanzeige
Sie dürfen nicht vergessen, dass Beamte außer Steuern keine Abgaben haben und Dank des niedrigen Nominaleinkommens bei gleichem Nettogehalt weniger Steuern als ein Angestellter zahlen. Als Angestellter darf ich zudem 50% meiner Rentenbeiträge aus versteuertem Einkommen bezahlen, was bei 46% Spitzensteuersatz eine Menge Geld ist, der Durchschnittssteuersatz ist bei Beamten halt niedriger.
Bei TVöD Stufe 13 und einem Beamten A13 beträgt der Nettolohnunterschied etwa 600 Euro. Weiterhin hat ein Beamter etwa 50% mehr Pension wie ein Angestellter, beide werden in Zukunft darauf Steuern zahlen müssen. Um die Altersversorgung auf ein vergleichbares Niveau zu stellen müsste der Angestellte etwa 250-350 Euro monatlich beiseite legen. Was Dank Riester und Rürup zwar _steuerfrei_ ist, aber nicht sozialversicherungsfrei.
Den Traum, die Beamten ähnlich dem Alterseinkünftegesetz in die GKV und GRV zu entlassen, werd ich nicht mehr als realisiert erleben können. Deren Lobby ist einfach zu gut.
Warum machen in Nürnberg zwei Personen das selbe, haben aber einen unterschiedliche Status? Läuft eines von beiden Systemen aus?
Die Streuung bei DEN Beamten ist recht groß. Auch wenn es immer wieder angeführt wird, die Besoldung ist nicht immer so hoch.
Wenn es interessiert:
Hier kann man sich die Besoldungstabellen anschauen:
/www.lbv.bwl.de/service/gehaltstabellen/beamte/besoldungstabelleab042004.pdf
Die Besoldungstabelle ist von 2004, müsste aber noch gelten.
Zu den nicht immer üppigen Gehältern kommen noch einige Einschränkungen, die der nicht verbeamtete Arbeitnehmer nicht so hat. Dafür gibts eine Arbeitsplatzgarantie ab 27.
Bei der Stadt Nürnberg, bei der ich als Angestellter tätig bin, sind mittlerweile (laut Stellenplan) über 75 % der Beamten im gehobenen oder höheren Dienst. In den anderen Kommunen ist dies wahrscheinlich ähnlich. Ich bin als Angestellter in E 9 eingruppiert, meine Kollegin, die exakt den gleichen Aufgabenbereich hat, wie ich, ist A 10 besoldet (was auch E 9 entsprich). Den Krankenkassenbeitrag unberücksichtigt, werden ihr alle Monate 720 mehr überwiesen, als mir. Wo liegt hier die Berechtigung? Ein miteinbeziehen in die Sozialversicherung wäre als weitgehend ohne Ausgleich möglich. Warum funktioniert das nicht? Schauen Sie, 1.wieviel Beamte in den Parlamenten sitzen und 2. haben die Beamten mit den Beamtenvertretern eine wirklich gute Interessenvertretung, was man von Verdi nicht gerade behaupten kann
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