Steuerflucht Zahl der Selbstanzeigen 2013 verdreifacht

Die gute alte Steuererklärung. Das Formular gewinnt bei Steuersündern offenbar an Popularität.

Unter den deutschen Steuersündern grassiert offenbar die Angst, erwischt zu werden. Im ablaufenden Jahr sollen sie sich nach einem Medienbericht in Scharen bei den Finanzämtern gemeldet haben, um entzogene Steuern nachzuzahlen. Die Zahl dieser Selbstanzeigen habe sich im Vergleich zu 2012 verdreifacht.

Es ist wohl weniger das schlechte Gewissen als vielmehr die deutlich gestiegene Gefahr, erwischt zu werden: Die Zahl der Selbstanzeigen wegen Steuerdelikten hat sich seit vergangenem Jahr offenbar verdreifacht. Bundesweit seien in diesem Jahr bereits mehr als 24.000 Selbstanzeigen eingegangen, berichtete die Welt am Sonntag unter Berufung auf die 16 Finanzministerien der Bundesländer. Dies seien dreimal so viele wie noch im Vorjahr.

Insgesamt liegt die Zahl der Selbstanzeigen demnach in diesem Jahr bei 24.083. Im Vorjahr hatten sich noch rund 8100 Steuersünder selbst angezeigt. Allein zwischen Anfang November und Anfang Dezember 2013 gingen dem Bericht zufolge circa 4000 Selbstanzeigen ein.

In elf von 16 Bundesländern erreichte die Zahl der Selbstanzeigen auch ohne den gesamten Dezember neue Rekordstände. Die meisten gab es demnach mit rund 6200 in Baden-Württemberg, in NRW waren es rund 4200 und in Bayern 3600. Die wenigsten Selbstanzeigen gab es mit 21 in Mecklenburg-Vorpommern.

Unterdessen wies Goldman Sachs einen Bericht der Bild am Sonntag (BamS) zurück, wonach auch der Deutschland-Chef der Investmentbank, Alexander Dibelius, beim Finanzamt München Selbstanzeige erstattet habe. "Eine Selbstanzeige, wie BamS berichtet, hat es nicht gegeben", erklärte Rechtsanwalt Peter Neumann am Sonntag. Es handele sich um einen "Umrechnungsfehler". "Wir haben das Finanzamt auf das Versehen hingewiesen, mit der Bitte, den Umrechnungsfehler bei der nächsten erforderlichen Änderung zu berücksichtigen", erklärte Neumann.

Dem Zeitungsbericht zufolge geht es um falsche Angaben zu Dibelius' Einkünften aus dem Russland-Geschäft der Investmentbank, für das er zuständig ist. Seine Anwältin sagte dem Blatt, er werde rund tausend Euro an den deutschen Staat nachzahlen müssen. Die eigentliche Versteuerung sei bereits in Russland erfolgt.

Steuerberater soll Rubel mit Dollar verwechselt haben

Laut dem Bericht hatte Dibelius neben einem zweistelligen Millionengehalt von Goldman Sachs in seiner Steuererklärung für das Jahr 2011 ein zusätzliches Einkommen in Höhe von umgerechnet knapp 19.000 Euro angegeben.

Tatsächlich habe er jedoch aus Moskau umgerechnet mehr als eine halbe Million Euro erhalten. Seine Anwältin sagte der Bild am Sonntag zur Begründung für die falsche Steuererklärung, sein Steuerberater habe russische Rubel mit US-Dollar verwechselt.

Seit der deutsche Fiskus im Jahr 2006 damit begonnen hat, sogenannte Steuersünder-CDs anzukaufen, ist die Gefahr der Entdeckung für Steuersünder deutlich gestiegen. Das deutsche Steuerrecht gewährt Straffreiheit, wenn eine Selbstanzeige als wirksam angesehen wird. Das ist der Fall, wenn der Steuerbürger restlos alle hinterzogenen Steuern der vergangenen zehn Jahre inklusive Strafzinsen nachzahlt, bevor der Betrug bekannt ist.