Der Präsident der Steuerberaterkammer, Horst Vinken, ist überzeugt: Alle Bürger und Unternehmen könnten entlastet werden - trotz leerer Kassen.
Seit 100 Tagen regiert nun bereits das schwarz-gelbe Bündnis die Republik. Aus Sicht von Steuerfachleuten fällt eine Bilanz der bisherigen Politik nicht gerade positiv aus. Zwar stünden im Koalitionsvertrag viele vernünftige Maßnahmen, sagt Horst Vinken, Präsident der Bundessteuerberaterkammer. Doch "die Mehrwertsteuersenkung für Hotelübernachtungen war leider ein ganz schlechter Anfang". Stattdessen müsse die Regierung Bürokratie abbauen und das Steuerrecht vereinfachen.
Horst Vinken, Präsident der Bundessteuerberaterkammer, tadelt die Mehrwertsteuersenkung für Hotelübernachtungen. (© Foto: Horst Vinken)
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SZ: Herr Vinken, die neue Bundesregierung ist mittlerweile seit 100 Tagen im Amt. Wie bewerten Sie als Präsident der Bundessteuerberaterkammer die Arbeit der Koalition bislang?
Horst Vinken: Im Koalitionsvertrag sind viele vernünftige Maßnahmen angekündigt, etwa eine Reform der Mehrwertsteuer und die Reform der Gewerbesteuer. Das muss jetzt dann aber auch umgesetzt werden. Die Mehrwertsteuersenkung für Hotelübernachtungen war leider ein ganz schlechter Anfang. Wenn da nicht nachgebessert wird, ist der Ärger auf Jahre programmiert.
SZ: Lief denn auch irgendetwas gut?
Vinken: Bei den Reformen der Erbschaftsteuer und der Unternehmensteuer hat die neue Bundesregierung zügig nachgebessert. Das war dringend notwendig, aber leider nicht ausreichend. Bei der Gewerbesteuer beispielsweise gibt es Hinzurechnungsvorschriften, die dazu führen, dass immer noch viele Unternehmen, obwohl sie gar keinen Gewinn machen, trotzdem Steuern zahlen müssen - und das geht an die Substanz.
SZ: Und was hätten Sie sich bei der Erbschaftsteuer gewünscht?
Vinken: Das neue Erbschaftsteuergesetz ist trotz der Nachbesserungen noch zu kompliziert und sehr streitanfällig. Zwar gelten für Nichten, Neffen und Geschwister jetzt niedrigere Steuersätze - das ist positiv. Aber die neuen Tarife gelten erst ab 2010 und nicht für Erbfälle im Jahr 2009. Hier wäre eine rückwirkende Änderung besser gewesen.
SZ: Ist das nicht ein bisschen unfair? Schließlich hat die Regierung bei der desolaten Haushaltslage so gut wie keine Spielräume.
Vinken: Haushaltskonsolidierung ist ein absolutes Muss. Wir sind die Letzten, die das nicht anerkennen. Deswegen sagen wir: Jetzt ist die Zeit, das Steuerrecht zu vereinfachen und Bürokratie abzubauen. Hier kann viel passieren, was Bürger und Unternehmen entlasten würde - und zwar aufkommensneutral.
SZ: Aufkommensneutral? Wie soll das aussehen?
Vinken: Zum Beispiel durch Bürokratieabbau im Lohnabrechnungswesen. Millionen Arbeitgeber, gerade auch die kleineren Betriebe, stöhnen, weil überflüssige Unterschiede im Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeitragsrecht die monatliche Lohnabrechnung enorm kompliziert machen. Die Bundessteuerberaterkammer hat deswegen einen konkreten Maßnahmenkatalog zum Bürokratieabbau in diesem Bereich vorgelegt. Viele der Vorschläge könnten einfach und schnell umgesetzt werden.
SZ: Zum Beispiel?
Vinken: Drei einfache Grundregeln sollte der Gesetzgeber beachten: Erstens müssen die Bemessungsgrundlagen, also die Definition des Arbeitsentgelts, im Lohnsteuer- und im Sozialversicherungsbeitragsrecht vereinheitlicht werden. Zweitens darf es keine rückwirkenden Änderungen mehr geben, um aufwendige Nachberechnungen zu vermeiden. Drittens müssen neue Regeln im Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeitragsrecht zum selben Zeitpunkt in Kraft treten. Das wurde in der Vergangenheit immer wieder versäumt, dabei verursacht es in den Unternehmen völlig unnötig Aufwand und Kosten.
SZ: Ist der Gesetzgeber aus Ihrer Sicht also zu praxisfern?
Vinken: Häufig bestehen die Steuergesetze den Praxistest nicht und müssen dann aufwendig nachgebessert werden. Das wäre vielfach zu vermeiden, wenn der Gesetzgeber uns Steuerpraktikern schon vorher besser zuhören würde. Das gilt gerade auch für verfassungsrechtliche Bedenken. Bei der Pendlerpauschale zum Beispiel haben wir, lange bevor das Gesetz in Kraft trat, auf die Probleme aufmerksam gemacht. Der Gesetzgeber hätte sich viel Ärger erspart, hätte er auf uns gehört.
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(SZ vom 04.02.2010/jcb/tob)
Trotz Kälte genug Strom
bevor es in Deutschland
- ein einfaches Steuerecht
- Bürokratieabbau
- echten Zorn gegen die Obrigkeit
- zivilen Ungehorsam
gibt, fliesst das Wasser aufwärts.
DW
seit Jahrzehnten wird vom vereinfachten Steuerrecht gesprochen, passiert ist nix - im Gegenteil.
Der Beamten-Bürokratie-Wahnsinn wird immer größer. Das Steuerrecht im Monat min. 1x geändert und natürlich wie soll es anders sein verschärft. Kürzere Abgabefristen, mehr Formulare, neuerdings am besten gleich mittels Software ans Finanzamt übertragen - um sich die Tipparbeit zu sparen.
Auskünfte vom Finanzamt - Fehlanzeige, oder nur gegen Bares.
Politiker quatschen seit Jahren immer den gleichen Mist vor sich hin. Nix wird einfacher und gerechter. Es soll auch nicht und wird auch nicht.
Sonst hätten Politiker kein Thema mehr und Beamte könnten nicht dauernd über die Unterbesetzung jammern (mehr Personal in allen Verwaltungsbereichen - jawohl).
:)
"Warum wird die Pendlerpauschale wieder eingeführt? Dieser Abbau von Subvention war der richtige Weg"
Weil der Staat bescheuert ist. Jeder Arbeitnehmer hat als Single Bundesweit eine Warmmiete von 250 im Grundfreibetrag. Wir wissen beide, dass man als Sozialfall in München etwa 450 geltend machen kann und auch dafür kaum gescheiten Wohnraum bekommt. Ein logischer Ansatz wäre, wie in Frankreich 10% oder eben 3000 des Einkommens (was immer höher ist) als "Werbungskosten" steuerfrei zu stellen und alle pauschal abzugelten. Die Franzmänner haben die Wahl eine teure Pariser Wohnung zu nehmen oder eben weit zu pendeln. Damit wären sowohl die unvermeidbaren Pendlerkosten auf dem Land abgegolten als auch die Aufpreise für höhere Mieten in jobreichen Ballungsräumen als auch das Arbeitszimmer eines Lehrers. Kein Streit, alle glücklich.
Es ist ja nicht alleine dieser Gerechtigkeits-wahsinn bei den Steuer-zahlern die eine Vereinfachung (reformierung) der deutschen Steuerverwaltung hindern. Es gibt ja auch eine grosse Gruppe von Steuerberatern, die Arbeitlos werden würde falls dass system vereinfacht wird. Darum glaube ich kein word von herrn Vinke bzgl. seine Haltung zur vereinfachung des Steuer-recht.
In Dänemark har weniger als 3% von den privaten Steuer-zahlern bedarf an einen Steuerberater. Darum gibt es den Beruf nur für wirklich vermögende private oder private Unternehmer im Mittelstand.
Es gibt fast 80.000 Steuerberater in Deutschland, was wäre wenn 50% bei einer Vereinfachung/reformierung des Steuerrecht und -verwaltung arbeitslos würden ??
Schön zu lesen, dass die Dänen das alles etwas einfacher hinkriegen. Aber die Komplexität der Steuererklärung ist nur ein Teil der Medaille. Der letzte Mensch mit ausgewiesener Fachkompetenz wäre Prof. Kirchhoff gewesen, der von Schröder als "der Herr Prof. aus Heidelberg" diekredidiert und dann von Merkel fallengelassen wurde. Schade - der wußte wovon er redet.
Ich behaupte, es fehlt der Wille (den hatte der Kirchhoff)), das Steuersystem grundlegend zu vereinfachen, die Steuern zumindest nicht anheben zu müssen und dabei noch bares Geld zu sparen. Jede geplante Änderung führt zunächst zu einem refelxartigen Aufschrei irgendeiner Gruppe von Steurerzahlern, die gefühlt benachteiligt werden - und dann schlägt die in tatsächlich sehr starke Lobbyarbeit diverser Interessensverbände zu. Ergebnis: Stillstand.
Warum wird die Pendlerpauschale wieder eingeführt? Dieser Abbau von Subvention war der richtige Weg.
Warum muss ich meine Kinderbetreuungskosten bei der Steuererklärung mindern gelten machen? Einfacher wäre eine Senkung der Kinderbetreuungskosten für alle (das spart nebenbei jede Menge Personal in der Verwaltung) und setzt einen zusätzlichen Anreiz, früher wieder arbeiten zu gegen (und Steuern zu zahlen).
Es gibt jede Menge Anstze - bis hin zur TaxFlat...
Theoretisch....
Paging