Alleinerziehend? Oder alleinstehend mit wenig Einkommen? Da langt der Bund voll zu. Auch im internationalen Vergleich steht Deutschland schlecht da.
In kaum einem anderen Land der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) müssen Arbeitnehmer so viele Steuern und Sozialabgaben zahlen wie in Deutschland. Das ist das Ergebnis eines internationalen Vergleichs der Pariser Organisation. Deutschland gehört demnach zur Spitzengruppe der Hochsteuerländer: Im internationalen Vergleich zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber die dritthöchsten Abgaben. Besonders benachteiligt werden ausgerechnet Alleinerziehende mit mehreren Kindern und Geringverdiener.
Die Steuer- und Abgabenlast für Arbeitnehmer in Deutschland ist im vergangenen Jahr zwar gesunken, liegt aber immer noch über OECD-Durchschnitt. (© Grafik: SZ)
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International benachteiligt
Das Gefühl, dass vom Brutto trotz Steuerentlastung netto nach wie vor wenig übrigbleibt, ist weit verbreitet. Seit Dienstag haben deutsche Arbeitnehmer schwarz auf weiß, dass sie im internationalen Vergleich benachteiligt werden. Der Staat greift von Löhnen und Gehältern im Durchschnitt mehr als 50 Prozent ab - über Lohnsteuer und Sozialbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Denn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Pläne für weitere Steuersenkungen gekippt. Bis 2013 werde es nichts mit dem großen Wahlversprechen von Union und FDP, hatte Merkel am Montag angekündigt.
Dabei verlangt die Bundesregierung von den Deutschen insgesamt nicht mehr Steuern als andere Länder. "Deutschland ist im Vergleich zu anderen OECD-Staaten kein Hochsteuerland", erklärt die Organisation. Der Anteil aller Steuern und Abgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung ist mit 36,4 Prozent nur durchschnittlich.
Allerdings wird der Faktor Arbeit mehr als anderswo belastet, nämlich um 51 Prozent statt 36,4 Prozent im OECD-Mittel. Frankreich liegt dabei nur ganz knapp hinter Deutschland. Höher ist die Belastung der Arbeit nur in Belgien und Ungarn. Die Sozialabgaben machen immer noch 13,3 Prozent der Staatseinnahmen aus; im OECD-Mittel sind es nur neun Prozent.
"Das macht Arbeit in Deutschland besonders teuer und macht es vor allem für gering Qualifizierte schwierig, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden", heißt es in dem Bericht.
Die hohen Sozialabgaben bremsen nach Einschätzung der OECD die Beschäftigung in Deutschland. Die Sozialsysteme sollten daher stärker über Steuern etwa auf Konsum und Grundbesitz finanziert werden, erklärte die Organisation in Paris.
Allerdings machen die Steuerexperten im Fall Deutschland beim Umbau des Steuersystems erste Fortschritte aus. Für alle untersuchten Haushaltstypen sei die Abgabenlast nun unter das Niveau im Jahr 2000 gesunken, obwohl die nominalen Durchschnittslöhne seither um fast zwanzig Prozent gestiegen seien, teilte die Organisation mit. Die Gründe dafür sehen die Forscher in den Steuersenkungen der rot-grünen Bundesregierung von 2000 und der Erhöhung des Kindergeldes. Aber auch hier macht die OECD Probleme aus. Denn bislang hätten hauptsächlich alleinstehende Spitzenverdiener von den Steuerentlastungen der vergangenen Jahre profitiert, heißt es in der Studie weiter. Die grundlegenden Probleme würden so nicht gelöst.
Alleinerziehende extrem betroffen
"Besonders weit über dem OECD-Mittel liegt die Belastung bei alleinstehenden Geringverdienern und Alleinerziehenden", schreibt die Organisation. Beispiele der Studie machen die Ungerechtigkeiten des Systems klar: Wer nur zwei Drittel des Durchschnittslohnes kassiert und alleine zwei Kinder durchbringen muss, bei dem summierten sich Steuern und Abgaben im Jahr 2009 auf 31,3 Prozent der Arbeitskosten. Im OECD-Durchschnitt waren es lediglich 16,9 Prozent. Die Entlastung in Deutschland beträgt für Alleinerziehende mit zwei Kindern gerade einmal 0,4 Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2000 - und begünstigt allein die Arbeitgeber.
Gutverdienende Singles profitierten deutlich stärker von den Entlastungen. Wer zwei Drittel mehr verdient, als der Durchschnitt, kommt auf 53 Prozent Abzüge bei den Arbeitskosten. Immerhin: Das sind 3,3 Prozentpunkte weniger als 2000. Im OECD-Durchschnitt werden für diese Einkommensgruppe 41,1 Prozent Steuern und Abgaben kassiert.
Die OECD ist ein Zusammenschluss von 30 Staaten, die sich über ihre Wirtschaftspolitik austauschen. Neben Deutschland gehören unter anderem die USA, Großbritannien, Japan und Frankreich zu den Mitgliedern. Die Organisation ermittelt die Steuerbelastung in ihren Mitgliedsländern in einer jährlichen Studie, erstellt Berichte über die Entwicklung der Länder und spricht Empfehlungen aus.
(SZ vom 12.05.2010/hgn)
Kaum ist die Wahlschlacht in NRW mit u.a. dem Hauptthema Mittelstands-Steuersenkungspläne der FDP, von der SZ bis zum Flensburger Tagblatt noch am Wahlabend kampagnenartig bekämpft, vorbei, schon holt Herr Balser für die SZ wieder die andere Melodie heraus und singt das hohe Lied von der Steuerungerechtigkeit derzeitigen Systems. Um die verstörten liberalen Leser der SZ zu besänftigen? Oder aus Überzeugung? Wer weiss das heute noch!? Es gibt, so scheint es, nicht nur eine Vertrauenskrise die Klasse der Politiker betreffend, es gibt sie offensichtlich auch in Bezug auf die Vertreter der dritten Säule unserer Demokratie, der Presse.
Was tun, Herr Balser?
wie uns hier mal wieder die unsinnigsten Prozentangaben um die Ohren gehauen werden...
Ich sag nur:
Glaube nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!
Die 25 % werden aber nur auf einen relativ geringen Anteil des Einkommens gezahlt. Unter anderem bleibt der Grundfreibetrag (bei einer Familie mindestens 16000 EUR + ggf. Kinderfreibeträge) außen vor. Mit weiteren Freibeträgen bleiben von den 30.000 EUR im Jahr nicht mehr so viel übrig. die überhaupt besteuert werden und nur in diesem Teil der Einkünfte macht sich eine Steuersenkung bemerkbar.
Grüße vom Kauz01
"Dafür darf die Lohnsteuer gerne kräftig erhöht werden - was wiederum die niedrigen Einkommen wenig bis gar nicht trifft. "
Geht so. Wenn Sie ein Familieneinkommen von 30.000 im Jahr haben, dann zahlen Sie bereits 25% Spitzensteuersatz. Damit sind die Steuerabgaben auf Urlaubsgeld höher wie die Sozialabgaben. Die einzigen, die von der Steuer nicht nennenswert behelligt werden sind Arbeitnehmer, die in diesem Fall wahrscheinlich durch Aufstockung sogar besser fahren.
Nur als Rechenbeispiel: Familie, 2 Kinder, Rhein/Maingebiet mit 620 angemessener(!) Warmmiete. Stütze: 1768. Anspruch auf Aufstockung endet bei etwa 2160 Netto (1500 Bruttoverdienst minus Abgaben plus Aufstockungsanteil). Bis zu dieser Summe interessiert Sie das Finanzamt nicht, da die Arge jegliche Differenz ausgleicht. Bis hierhin könnte das Finanzamt 90% Steuer kassieren, Sie haben in diesem Rechenbeispiel gemäß SGB-III Anspruch auf Ihre 2160.
Ab 2160 Netto muss ein Arbeitnehmer in Klasse III bereits 3097 und drüber Brutto verdienen, auf den nächsten Euro zahlt er bereits 21% Steuer. Ungedeckte Werbungskosten wie der Privat-PKW für den Weg zur Arbeit sind noch NICHT berücksichtigt, für 15 Cent/km fährt kein Auto rentabel.
Reich? Nein. Aber sobald der AN nicht mehr zur Arge kann ist die Steuer auf jeden Euro obendrauf bereits so teuer wie die Sozialversicherung.
am Beispiel Neuseeland ist zu sehen was von dieser Statistik zu halten ist wenn man sie nicht richtig kommentiert (http://www.ird.govt.nz/how-to/taxrates-codes/itaxsalaryandwage-incometaxrates.html). Also bis 14000 NZD sind es tatsaechlich 14.5%, leider sind das nur 7000 Euro, dafuer muss man in D keine 46% Abgaben bezahlen, oder? Ausserdem sind das hier tatsaechlich nur Steuern, den Arzt bezahlt man selbst (o.k. man bekommt einen Kreuzbandriss operiert, in 6 Monaten dann, wenn was frei geworden ist), Schulgeld (wisst Ihr was das ist ?:-)) und das Studium kostet auch nur schlappe 25000Euro. Hab ich vergessen zu erwaehnen, dass man Zahnarztbesuche IMMER selbst bezahlen muss, ausser man legt die 300Euro monatlich fuer die teuerste Krankenversicherung hin die hier angeboten wird (Also fuer einen 38-jaehrigen). Wie Arbeitslosengeld, macht ihr Witze? Wassn das ? Kurzum, man muss schon echte Leistungen vergleichen, insofern erscheint mir die ganze Diskussion unsinnig. FDP Waehler der unteren Einkommenschichten sollten uebrigens mit Ihrer Familie hierherziehen, voll liberal hier...kann heilsam sein.
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