SZ: Fördert es eigentlich die Kompromissbereitschaft der Schweiz, wenn man ihr mit Peitsche und Kavallerie droht?

"Ich weiß es nicht": Finanzminister Steinbrück (hier im Bundestag) kann nicht vorhersagen, wie weit die Rezession Deutschland nach unten ziehen wird. (© Foto: dpa)

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Steinbrück: Niemand droht. Das ist doch abwegig. Wir weisen auf Verletzungen von OECD-Regeln hin. Die Schweiz lädt Ausländer dazu ein, gegen Gesetze in ihren Heimatländern zu verstoßen. Soll ich das einfach hinnehmen? Im übrigen gibt uns der Erfolg recht: Ohne weltweiten Druck hätten die Schweiz und andere Steueroasen jedenfalls nicht angekündigt, das Bankgeheimnis zu lockern.

SZ: Resultat ist aber auch, dass einzelne Schweizer Medien Sie zu den "meistgehassten Menschen" des Landes zählen.

Steinbrück: Ich bekomme Drohbriefe aus der Schweiz und werde als Nazi-Scherge beschimpft. Das ist absolut unverhältnismäßig und inakzeptabel. Die Aufregung resultiert wohl eher aus dem Bewusstsein, dass man jenseits der internationalen Vereinbarungen steht.

SZ: Auch beim EU-Gipfel spielt das Thema Steueroasen eine wichtige Rolle. Haben Sie den Eindruck, dass die USA und Europa generell bereit sind, die Ursachen der Finanzkrise anzugehen?

Steinbrück: Absolut. Es gibt Beschlüsse, die wären vor einem Jahr undenkbar gewesen. Der IWF erhält mehr Mittel, Hedge-Fonds und Ratingagenturen sollen staatlich reguliert, Banken grenzüberschreitend beaufsichtigt werden. Allein dass die Angloamerikaner dem Prinzip "Kein Markt, kein Akteur, kein Produkt ohne Aufsicht" zugestimmt haben, ist ein riesiger Fortschritt.

SZ: Die Kompromisse der Koalition in Sachen Managergehälter sprechen aber nicht gerade dafür, dass Sie die Verursacher der Krise besonders hart anpacken.

Steinbrück: Der Koalitionsausschuss hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die weitergehende steuerliche Begrenzungen von Managergehältern verhandelt. Auch beim G-20-Gipfel in London Anfang April wird das Thema besprochen.

SZ: Durch die Finanzkrise ist die Bundesrepublik in die schwerste Rezession ihrer Geschichte gestürzt worden. Geht es noch weiter nach unten?

Steinbrück: Die ehrliche Antwort ist: Ich weiß es nicht. Und wenn es jemand weiß, würde ich ihn gerne kennenlernen.

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  1. "Wie tief es runter geht, kann ich nicht sagen"
  2. Sie lesen jetzt Streitthema Managergehälter
  3. Das Ausmaß der Krise
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