Die Preise steigen, zugleich schwächelt die Wirtschaft: Erstmals seit 35 Jahren wird wieder über eine Stagflation diskutiert.
Das Wort verbreitet Angst und Schrecken unter Anlegern und Wirtschaftsexperten: Stagflation. Der Begriff ist eine Mischung aus den Worten Stagnation - also wirtschaftlicher Stillstand - und Inflation, sprich: hohen Preissteigerungsraten. Weil die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten, aber auch in einigen Ländern Europas, an Schwung verloren hat, zugleich jedoch die Preise wegen des teuren Öls weiter zulegen, befürchten einige Pessimisten schon eine Rückkehr dieses Phänomens.
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Die Preise steigen, zugleich schwächelt die Wirtschaft: Erstmals seit 35 Jahren wird wieder über eine Stagflation diskutiert. (© Foto: AP)
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Wieso ist Stagflation gefährlich?
Das Heimtückische an dieser Kombination ist, dass sie das schlechteste aus zwei Wirtschaftswelten vereint. Läuft die Konjunktur schlecht, sind die Preise normalerweise recht stabil. Das liegt daran, dass in einer Abschwungphase die Unternehmen ihre Kapazitäten nicht ausgelastet haben, da die Nachfrage nicht mehr so groß ist: ein ungünstiges Umfeld für Preiserhöhungen.
Die Notenbank wird dann meist die Zinsen senken, also Kredite billiger machen. Das soll die Nachfrage ankurbeln. Ist aber gleichzeitig die Inflation hoch, bleibt den Währungshütern dieser Weg versperrt. Steigen die Preise, müssen die Zentralbanken Geld eigentlich verteuern und die Nachfrage dämpfen: Weniger Nachfrage bedeutet niedrigere Preise.
Welche Folgen hat das Dilemma?
Das grundlegende Problem, dass das Wachstum niedrig, zugleich aber die Inflation zu hoch ist, ist schon vorhanden. Das merkte man vergangene Woche: Da kündigte Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), an, die Zinsen wahrscheinlich im Juli zu erhöhen, räumte aber ein, dass der EZB-Rat, in dem die Chefs der nationalen Notenbanken sitzen, bei dieser Frage zerstritten war. Kein Wunder: Zwar liegt die Inflation im Euroraum, also bei den Staaten, die die Gemeinschaftswährung eingeführt haben, klar über der Zielmarke der Währungshüter - statt unter 2,0 Prozent bei 3,6 Prozent im Mai.
Zur selben Zeit verliert die Wirtschaft allerdings deutlich an Schwung. Die Zinserhöhung belastet nun die Konjunktur weiter, denn sie verteuert Kredite. Außerdem werden dadurch Anlagen in Euro attraktiver im Vergleich zu Investments in Dollar - darum steigt als eine Nebenwirkung dieser Medizin der Eurokurs. Das hemmt die Exportindustrie in Europa, weil ein starker Euro hiesige Produkte in vielen Auslandsmärkten verteuert. Ein zusätzliches Problem ist, dass ein starker Euro - und damit ein spiegelbildlich schwacher Dollar - den Ölpreis nach oben treibt. Der Rohstoff wird in Dollar abgerechnet; verfällt der Wert der Währung, setzen die Förderländer den Preis hoch.
Lesen Sie im zweiten Teil, wie hoch das Risiko einer Stagflation tatsächlich ist und wie die Notenbanken die Situation beruhigen können.
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