Staatssekretär Jörg Asmussen Attacke auf den Banken-Retter

Enttäuschte Aktionäre der Krisenbank IKB nehmen Staatssekretär Asmussen ins Visier: Erstmals soll ein Staatsvertreter Anlegern Schadenersatz zahlen - es geht um Millionen.

Von Klaus Ott

Jörg Asmussen ist es gewohnt, mit Milliardenbeträgen zu agieren. Der Diplom-Volkswirt, der mit 42 Jahren bereits zu den erfahrensten Strippenziehern im politischen Berlin zählt, kümmert sich als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium um die Rettung angeschlagener Banken wie die Hypo Real Estate (HRE). Für die HRE bürgt der Staat mit fast 100 Milliarden Euro, um eine Pleite abzuwehren. Bei einer anderen Krisenbank, der IKB in Düsseldorf, saß Asmussen im Aufsichtsrat.

Auch dort waren Milliarden nötig, um den Zusammenbruch zu verhindern. Bei der IKB liegt nun eine neue Rechnung vor, dieses Mal über gut 5,5 Millionen Euro. Im Vergleich zu den anderen Fällen, mit denen Asmussen zu tun hat, ist das ein kleiner Betrag. Doch es gibt einen großen Unterschied. Nicht der Staat soll zahlen, sondern der Staatssekretär. Das verlangt der Münchner Anwalt Klaus Rotter. Dessen Kanzlei hat sich auf die Vertretung von Kapitalanlegern spezialisiert, zu denen seit einiger Zeit auch IKB-Aktionäre zählen.

In deren Namen verlangt Rotter nun Schadenersatz. Über eine Klage gegen die Bank wird im Herbst verhandelt. An Asmussen und einen von dessen ehemaligen Kollegen im Aufsichtsrat der IKB hat der Anwalt dieser Tage dagegen bereits Zahlungsaufforderungen geschickt. Darin steht, als frühere Kontrolleure seien sie mitverantwortlich für eine "Verschleierungsstrategie", mit der die Bank die Aktionäre bis zur drohenden Pleite Ende Juli 2007 getäuscht habe. Wäre vorher bekannt geworden, wie böse es um die IKB stehe, dann hätten seine Mandanten keine Papiere mehr gekauft und keine Kursverluste erlitten, behauptet Rotter. Asmussen und dessen Ex-Kollege sollen für die verlangten 5,5 Millionen Euro gemeinsam aufkommen.

"Grotesk und abwegig"

Bislang gehen enttäuschte Anleger vor allem gegen Banken vor. Nun wird mit Asmussen erstmals ein Staatsvertreter attackiert. Andere prominente Ex-Aufsichtsräte der IKB haben noch keine Post bekommen. Der Staatssekretär denkt jedoch nicht daran zu zahlen. Als "grotesk und abwegig" bezeichnet ein Sprecher des Finanzministeriums die Forderung. Die Kanzlei Rotter betreibe auf Kosten ihrer Mandanten eine "PR-Aktion". Das Ministerium werde sich zu Wehr setzen.

Bei der IKB saß Asmussen im Kontrollgremium, weil die Staatsbank KfW der Hauptaktionär des Düsseldorfer Kreditinstituts war. Nach der Beinahe-Pleite kamen Wirtschaftsprüfer in einem Gutachten für die IKB zu dem Ergebnis, der frühere Vorstand habe den Aufsichtsrat unzureichend über Risiken informiert.

Einen Monat vor der Fast-Pleite hatte Asmussen bei einer Aufsichtsratssitzung sogar ausdrücklich gefragt, ob das damals absehbare Desaster im US-Immobilienmarkt Folgen für die IKB haben könne, die dort Kreditengagements eingegangen war. Der seinerzeitige Vorstand soll abgewiegelt haben. Rotter sagt, Asmussen und die anderen Aufsichtsräte hätten früher und ganz konkret fragen müssen und sich nicht mit Ausflüchten abspeisen lassen dürfen. Der Anwalt droht mit einer Klage bei Gericht. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten.

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