Staatsschulden Die Uhr schlägt 2.080.000.000.000

Der Staat steht tief im Minus: Die Verschuldung durchbricht erstmals die Schwelle von zwei Billionen Euro. Schuld sei vor allem die teure Rettung der Finanzbranche, sagt die Bundesbank. Die Regierung verabschiedet einen Sparpakt.

Das hilft alles Sparen nichts: Der deutsche Schuldenberg wächst kräftig. Die Staatsschulden kletterten im vergangenen Jahr auf 2,080 Billionen Euro, wie die Deutsche Bundesbank berechnete. Das Minus ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 319 Milliarden Euro gewachsen.

Unschöner Nebeneffekt: Damit stieg die deutsche Staatsverschuldung von 73,5 auf 83,2 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Der Vertrag von Maastricht für die Euroländer schreibt eigentlich einen Wert von unter 60 Prozent vor.

Damit ist die Staatsverschuldung seit dem Jahr 2005 um mehr als eine halbe Billion Euro gewachsen, was einem Anstieg von circa einem Drittel entspricht. Noch viel dramatischer fällt der Vergleich mit dem Jahr 1990 aus. Damals - kurz nach der Wiedervereinigung - hatte Deutschland eine Bundesschuld in Höhe von nahezu 540 Milliarden Euro. Gemessen am heutigen Stand stellt dies eine Vervierfachung der Schulden dar. Eine Zeitreihenübersicht gibt es auf der Website der Bundesbank.

Als Ursache für den starken Anstieg im Vergleich zum Vorjahr sehen die Währungshüter die Rettungsmaßnahmen für die Banken. Den Finanzmarkt zu stabilisieren, kostete mehr als 241 Milliarden Euro, wovon ein stattlicher Teil für die sogenannten Bad Banks von Hypo Real Estate und WestLB anfiel. In ihnen werden wertlose Finanzprodukte abgewickelt.

Die Bundesregierung verabschiedete unterdessen im Kabinett ein Stabilitätsprogramm, das das Staatsdefizit drücken soll. Demnach wird die Neuverschuldung für 2011 lediglich 2,5 Prozent betragen und damit unter der Marke von drei Prozent der europäischen Defizitgrenze liegen. Der Haushaltsplan der Regierung sieht vor, dass das Staatsdefizit 2012 auf eineinhalb Prozent, 2013 auf ein Prozent und 2014 auf ein halbes Prozent der Wirtschaftsleistung sinken soll.

EU leitete Defizitverfahren ein

Mit dem Stabilitätsprogramm will die Regierung den Vorgaben der EU gerecht werden: Wegen Überschreitung des Maastricht-Kriteriums von 3,0 Prozent in der Wirtschaftskrise hatte die EU-Kommission 2010 ein formales Verfahren gegen Deutschland eingeleitet. 2010 war die Neuverschuldung des Staates auf 3,3 Prozent gestiegen. Die erfreuliche Entwicklung 2011 sei nicht zuletzt Ergebnis einer "wachstumsorientierten Konsolidierung des Haushalts". 2012 werde Deutschland voraussichtlich aus dem Defizitverfahren entlassen.