Union und FDP überbieten sich darin, wie viel Geld sie den Bürgern geben. Finanzwissenschaftler Benkert kann damit nichts anfangen.
Wolfgang Benkert, 56, ist Professor für Wirtschaftspolitik und öffentliche Finanzen an der privaten Universität Witten/Herdecke.
In Berlin ringen die Koalitionäre um ihr Regierungsprogramm für die kommenden vier Jahre. (© Foto: ddp)
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sueddeutsche.de: Herr Benkert, die Koalitionsverhandlungen kommen vor allem bei den Finanzen nicht so recht voran. Die FDP beharrt auf massiven Steuerentlastungen. Nur so seien Wachstum und höhere Steuereinnahmen möglich. Was halten Sie davon?
Wolfgang Benkert: Ich kann mit dem Denkmodell nicht viel anfangen, dass durch Steuersenkungen ein Wachstum generiert wird, dass es sonst nicht gäbe. Es sollte jetzt vielmehr darum gehen, die Kosten der Krise zügig über den Bundeshaushalt abzubauen. Gott sei Dank ist die Schuldenbremse noch vor Ausbruch der Krise im Grundgesetz verankert worden. Wenn man die ernst nimmt, dann müssen alle verfügbaren Mittel darauf verwandt werden, weniger Schulden zu machen.
sueddeutsche.de: Die FDP ist sich sehr sicher, dass das mit der Selbstfinanzierung funktioniert. Wie kommt sie darauf?
Benkert: Das weiß ich nicht. Es gibt nur sehr wenige Bedingungen unter denen das funktionieren könnte. Im Augenblick aber sind sich die Kolleginnen und Kollegen aus unserer Zunft relativ einig, dass die Bedingungen im Moment nicht gegeben sind.
sueddeutsche.de: Es wird zum Jahreswechsel Entlastungen in Höhe von gut zehn Milliarden Euro geben, weil ab dann die Kosten für Sozialversicherungen steuerlich absetzbar sein werden. Die Union will zusätzlich auf 20 Milliarden Euro Einnahmen verzichten, die FDP auf 35 Milliarden und mehr. Ist das überhaupt noch drin?
Benkert: Das ist eine politische Frage. Haushaltspolitik kann sich nicht mit naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten messen. Die Frage ist: Wofür werden Schulden gemacht?
sueddeutsche.de: Dann also die Frage: Ist es sinnvoll Schulden zu machen, um Familien und den Beziehern mittlerer Einkommen mehr Geld zu geben?
Benkert: Ich habe nichts dagegen, wenn Familien mit Kindern entlastet werden. Aber rein finanzwissenschaftlich gesehen rentiert sich das nicht. Streng genommen wird damit nur der Konsum angekurbelt. Hier gilt für den Privathaushalt wie für den Staat: Dafür sollte man keine Schulden machen.
sueddeutsche.de: Wofür dann?
Benkert: Wenn das Geld produktiv angelegt wird, etwa in Infrastruktur investiert wird, von der auch nachfolgende Generationen etwas haben.
sueddeutsche.de: Wie steht es mit dem Keynes'schen Lehrsatz, gerade in schlechten Zeiten müsse der Staat Geld ausgeben, um die Wirtschaft zu stabilisieren?
Benkert: Wenn Keynes heute erleben würde, wie mit diesem Satz umgegangen wird, er wäre der erste, der sagen würde: So war das nicht gemeint. Dazu gehört ja auch, in guten Zeiten, massiv Geld in den Schuldenabbau zu stecken. Das wird aber nicht getan, weil es unpopulär ist. Für das Zurückzahlen von Schulden dankt einem niemand.
sueddeutsche.de: Was könnte den spendierfreudigen Politikern da auf die Sprünge helfen?
Benkert: Nur feste Regelwerke, die ihnen dann kaum noch Spielraum lassen.
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Christopher Lee zum 90.
Wenn ein VWLer einer privaten Pleite-Uni mit zweifelhaftem Ruf
(siehe: www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,607985,00.html)
sich anmaßt Steuerspolitische Vorschläge zum Besten zu geben, wird es grotesk.
So bewirkt die von ihm favorisierte Erhöhung der MWSt eine Umverteilung zu gunsten der Reichen auf kosten der Ärmsten, denn für denjenigen der sein Einkommen zu 100% verkonsumieren muß, nur um zu überleben, ist eine MWSt-Erhöhung gleichbedeutend einer Einkommenssteuererhöhung, während die Besserverdienenden einen Teil ihres Einkommens vermögenswirksam anlegen können. Lt. einer Studie des DIW vom Jahr 2007 haben 23% der Bevölkerung Schulden oder kein Vermögen, während die obersten 10% einen Anteil am Gesamtvermögen von 61% besitzen. Eigentlich ein Skandal, aber für den Herrn Benkert scheint die Disparität noch nicht ausreichend, schließlich sollen die oberen 10% die mit ihren Spenden seine marode Uni sanieren. Im Rahmen des Subventionsabbaus wäre eine Streichung der Staatlichen Finanzierung der privaten Uni Witten/Herdecke ein guter Einstieg, denn Kleinvieh macht auch Mist.
"Bei mehr Produktion müssen ggf. mehr Maschinen, Roboter usw. eingesetzt werden. Die Firmen müssen in ihre Produktionslinien investieren! In den USA hat dieses Konzept grundsätzlich gezogen."
Wie meinen? Schon 2008 betrug der Anteil der Industrieproduktion am amerikanischen BIP gerade noch 11,5% (Deutschland 26%). Die amerikanischen Unternehmen haben zwar vielleicht investiert, aber sicherlich nicht in Produktionsanlagen. Und wenn, dann nicht in Amerika.
Schauen Sie nach Holland und Schweden, dort sind Dienstleistungen bei der MWST begünstigt. Wozu Schwarzarbeit wenn Sie für z.B. 7% MWST ne Rechnung nebst (einklagbarer) Garantie bekommen, bei 20% ist der Anreiz es schwarz zu machen viel höher. Davon ab dürften die meisten Schwarzarbeiter parallel Sozialbetrüger sein.
..., denn wenn die Netto-Einkünfte steigen, bleibt auch mehr Geld für nicht-verlagerbare Dienstleistungen (Friseur, Handwerker etc.). Mehrausgaben in diesem Sektor führen zu weniger Arbeitslosigkeit und dadurch zu einer Entlastung der Sozialkassen. Auch der vielgeforderte Mindestlohn wäre zumindest dadurch realistischer, da die Kaufkraft der Verbraucher erhöht wird um bspw. dem Friseur mehr für seine Leistung zu zahlen. Zusätzlicher Effekt wäre der Abbau der Schattenwirtschaft, da sich die Leute endlich wieder einen Handwerker leisten können und dieser von seinen Stundenlohn auch mehr behalten könnte (weniger Anreize für Schwarzarbeit). Da weniger Arbeitslosigkeit, könnten in der Folge auch die Sozialbeiträge sinken. Alles in allem, die bessere Alternative...auch in Haushaltspolitischer Sicht.
Erwartet wurde natürlich auch, dass bei mehr Konsum zugleich die investiven Ausgaben steigen. Bei mehr Produktion müssen ggf. mehr Maschinen, Roboter usw. eingesetzt werden. Die Firmen müssen in ihre Produktionslinien investieren!
In den USA hat dieses Konzept grundsätzlich gezogen. Dass der Haushalt dort völlig schief liegt, hat wieder andere Gründe. Ob man die Verhältnisse in den USA aber auf Europa und insbesondere Deutschland übertragen kann, weiß ich nicht!
Soweit hier in einzelnen Posts über die Fähigkeiten der CDU in Haushaltsangelegenheiten - abfällig - philosophiert wird, sei auf eines hingewiesen: Als die SPD erstmals 1969 allein die Regierungsgewalt übernahm, gab es nicht nur einen ausgeglichenen Haushalt, sondern sogar Rücklagen. Die fröhliche und verantwortungslose Verschulderei ging unter der SPD los (z. B. - panem et circenses - mit Einkommenserhöhungen im öffentl. Dienst von über 14 % - tja, diesen Wahnsinn gab's Mal). Nach Übernahme der Regierungstätigkeit durch Kohl 1982 war bis zum Jahr 1989 der Haushalt annähernd ausgeglichen. Erst die besonderen Kosten der deutschen Einheit führten zu einer erneuten erheblichen Verschuldung. Und wer auf Bundesländerebene CDU- mit SPD-Ländern vergleicht, wird feststellen, dass die klassischen CDU-Länder die geringste Verschuldung aufweisen. Das soll jetzt kein verspäteter Wahlkampf sein - ich habe mit der CDU nichts zu tun - soll aber die Polemik derer, die die besondere Unfähigkeit der CDU/CSU herausheben wollen, aufs Erträgliche zurück stutzen.
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