Staatlich geförderte Altersvorsorge Riester-Sparer verschenken viele Milliarden

Nur wer richtig riestert, bekommt Geld vom Staat.

(Foto: Jens Schierenbeck/dpa)
  • Millionen Sparer lassen sich die staatliche Zulage bei der Riester-Rente entgehen oder schöpfen diese nicht aus. Das ergibt eine Auswertung der Deutschen Rentenversicherung für das Jahr 2011.
  • Die volle Förderung erhält, wer vier Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Vorjahres-Einkommens investiert.
Von Thomas Öchsner, Berlin

Es geht um viele Milliarden Euro: Millionen Sparer lassen sich bei der Riester-Rente Geld vom Staat entgehen. Sie zahlen entweder nichts mehr in ihren Vertrag ein oder sparen bei der geförderten Altersvorsorge nicht genug und können die staatlichen Zulagen deshalb gar nicht oder nicht vollständig ausschöpfen. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervor, die die Behörde bisher weitgehend unbemerkt auf ihrer Homepage veröffentlicht hat. Freuen kann sich darüber nur einer: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Beim Sparen in einen Riester-Vertrag gibt es eine goldene Regel: Die volle Förderung, also jährlich 154 Euro Grundzulage plus bis zu 300 Euro je Kind, erhält nur, wer vier Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Vorjahres-Einkommens investiert - abzüglich der vom Staat gezahlten Zulagen. Wer weniger einzahlt, erhält entsprechend weniger Zuschüsse vom Staat. Die Sparer können sich dabei zwei Jahre Zeit lassen, die Zulagen zu beantragen. Erst jetzt sind deshalb die Daten für 2011 vollständig analysiert. Das Ergebnis zeigt, dass viele Bürger die Grundregel der Riester-Rente nicht beachten wollen, können oder sie schlichtweg nicht verstehen.

Fast vier Millionen Riester-Sparer nicht gefördert

So belief sich Ende 2011 der Bestand an Riester-Verträgen auf 15,3 Millionen. Gefördert durch die Zulage und/oder einen zusätzlichen Sonderausgabenabzug wurden nach Angaben der DRV aber nur knapp 10,9 Millionen Personen mit gut 11,4 Millionen Verträgen. Fast vier Millionen Riester-Sparer wurden also gar nicht gefördert.

Wenn riestern, dann richtig!

Eine Altersvorsorge die sich lohnt , wenn man als Riester-Sparer alles richtig macht: Finanztest zieht Bilanz und zeigt, was man als Förderberechtigter beachten müssen, um die staatlichen Zulagen zu erhalten. mehr ...

Das dürfte vor allem daran liegen, dass nach Angaben des Arbeitsministeriums knapp ein Fünftel der Verträge ruhend gestellt ist. Die Sparer zahlen also nichts mehr ein, weil sie sich dies nicht mehr leisten können, es wegen der Kritik an der Riester-Rente nicht mehr für sinnvoll erachten oder sie einen anderen Vertrag abgeschlossen haben, den sie für besser halten. Außerdem wird ein kleiner Teil der Verträge bereits ausbezahlt. Diese werden nicht mehr gefördert. Das gilt auch für Menschen, die sich selbständig gemacht haben.

"Es gibt leider nach wie vor zu viele Sparer, die dem Fiskus Geld schenken"

Hinzu kommt: Von denjenigen, die Zulagen beantragten, erhielten nur gut die Hälfte (56,4 Prozent) die volle Grundzulage. Im Durchschnitt wurden 2011 etwa 125 Euro ausbezahlt - und nicht 154 Euro. Etwas besser sieht es bei der Kinderzulage aus: Immerhin knapp 70 Prozent bekamen den Zuschuss vom Staat in voller Höhe.

Bundesregierung fehlt Durchblick bei Riester-Rente

Gut drei Milliarden Euro gibt der Staat pro Jahr für die Riester-Rente aus. Dabei weiß das Finanzministerium nicht genau, was die Produkte bringen. Die Grünen werfen der Regierung "komplette Realitätsverweigerung" vor. Von Thomas Öchsner mehr ...

Die ersten vorläufigen Statistiken für 2012 und 2013 deuten darauf hin, dass sich an dieser Misere praktisch nichts geändert hat. "Es gibt leider nach wie vor zu viele Sparer, die dem Fiskus quasi Geld schenken", sagt Peter Schwark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Viele Anbieter würden ihre Kunden regelmäßig darauf hinweisen, dass sie für den Erhalt der vollen Zulage ihren Beitrag aufstocken müssen, wenn sich ihr Einkommen erhöht hat. "Leider verschwinden aber solche Schreiben manchmal im Papierkorb."

Auch Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, hält die Regeln für zu komplex: "Ich stelle bei Beratungen immer wieder fest, dass Verbraucher damit überfordert sind, den richtigen Beitrag für sich zu ermitteln, erst recht, wenn es sich um Eheleute handelt."