Spekulanten-Legende hört auf Bye-bye, George Soros

Der Mann, der einst die Bank of England in die Knie zwang, hat genug: Spekulant George Soros zieht sich nach 55 Jahren von der Wall Street zurück.

Von Nikolaus Piper, New York

Für viele Menschen ist er der Spekulant schlechthin. Seit George Soros mit seinem Quantum Fonds 1992 die britische Regierung zwang, das Pfund abzuwerten und aus dem Europäischen Währungssystem auszusteigen, wissen auch Normalbürger von der Macht der Hedgefonds. Noch heute bewegt der Mann, der die Bank von England knackte, die Märkte, unabhängig davon, ob er überhaupt Geld investiert hat oder nicht. Es reicht, dass er sich pessimistisch über die Zukunft des Euro äußert, um dessen Kurs zu bewegen.

George Soros - Investor, Finanzprofi und Multimilliardär - hat nach fast sechs Jahrzehnten angeblich genug.

(Foto: dpa)

Jetzt hört George Soros, der im August 81 Jahre alt wird, auf, als Hedgefonds-Manager jedenfalls. Seine Firma, die insgesamt 25,5 Milliarden Dollar verwaltet, wird bis Jahresende eine Milliarde Dollar an Investoren zurückzahlen, berichtete Bloomberg. In einem Brief an die Anleger teilen die Söhne des Firmengründers, Jonathan und Robert Soros, mit, dass er die Soros Fund Management LLC künftig nur noch als Vermögensverwalter für Familien ("Family Office") operieren werde. Keith Anderson, Chief Investment Officer bei Soros seit 2008, wird die Firma verlassen.

Ausgelöst wurde die Entscheidung durch das neue Gesetz zur Neuregulierung der Finanzmärkte, das der US-Kongress vor einem Jahr beschlossen hat. Das so genannte Dodd-Frank-Gesetz sieht vor, dass Hedgefonds sich von März an bei der Börsenaufsicht SEC registrieren lassen müssen. Soros und seine Söhne entschieden sich offenbar, dass sich der Aufwand nicht lohnt und machen daher als Familienbüro weiter.

Die Entscheidung ist ein historischer Einschnitt, selbst wenn Soros nicht von den Märkten verschwindet und sein Teilrückzug schon vor elf Jahren begonnen hat. Soros nimmt in der Tat eine Sonderstellung an der Wall Street ein. Er profiliert sich als "guter Spekulant", er macht sein Geld auf den Finanzmärkten, tritt aber gleichzeitig für deren strenge Regulierung ein. In Amerika hat er sich, anders als seine ökonomischen Interessen vielleicht nahelegen würden, auf die Seite der Linken und Liberalen gestellt. Millionen von Dollar setzte er sein, um 2004 die Wiederwahl von George Bush zu verhindern und wetterte gegen das, was er "Marktfundamentalismus" nannte.

Kein Wunder, das er seit langem das Hassobjekt der Konservativen ist. Der rechte Moderator Glenn Beck nannte ihn einmal den "Marionettenspieler der Progressiven". Soros' politisches und gesellschaftliches Engagement lässt sich ohne seine persönliche Geschichte nicht verstehen. Soros wurde 1930 in Ungarn als György Schwartz geboren. Seiner jüdischen Familie gelang es, die Besatzung Ungarns durch deutsche Truppen zu überleben und auch andere Juden zu retten. Er emigrierte 1947 nach London und studierte an der London School of Economics. 1956 zog Soros nach New York und startete seine Karriere an der Wall Street.

Dabei lebte er immer Eigennutz und Gemeinsinn. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 unterstützte er die Demokratisierung des früheren Ostblocks mit seinem "Open Society Institute". 1997 wettete er 750 Millionen Dollar auf den Zusammenbruch der thailändischen Währung Baht, was wesentlich zur Verschärfung der Asienkrise beitrug. Gleichzeitig investierte er aber in Russland, weniger aus ökonomischem Kalkül heraus, denn aus dem Bestreben, die Verhältnisse dort zu stabilisieren.

"Ich habe es zum Prinzip gemacht, in meinem Unternehmen mein Eigeninteresse zu verfolgen, begrenzt durch ethische und gesetzliche Regeln", sagte er einmal. Das öffentliche Interesse leitet mich als Intellektuellen und Philanthropen." Sollten die beiden Ziele in Konflikt geraten, "sollte das Gemeinwohl überwiegen".