Von C. Hulverscheidt und G. Bohsem

Finanzminister Peer Steinbrück schlägt nach SZ-Informationen vor, zwecks Bekämpfung der Rezession den Eingangssteuersatz von derzeit 15 auf 12 Prozent zu senken.

Parallel dazu will Steinbrück den Grundfreibetrag von 7664 auf 8000 Euro anheben - um den Konsum anzukurbeln.

Maßnahmen gegen die Rezession: Der Entlastungszug der SPD, Peer Steinbrück

Will den Eingangsteuersatz von derzeit 15 auf zwölf Prozent reduzieren: Finanzminister Peer Steinbrück. (© Foto: dpa)

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Noch vor einer Woche hatten die Sozialdemokraten die Forderung der CSU nach einer umgehenden Steuersenkung brüsk zurückgewiesen. In den vergangenen Tagen jedoch weichte die SPD ihre Position auf und erklärte sich mit einer Anhebung des Grundfreibetrags im Zuge des geplanten zweiten Konjunkturpakets einverstanden.

Um in dieser Frage aus der Defensive zu kommen und die Union an anderer Stelle zu Zugeständnissen zu bewegen, ging Partei-Vize Steinbrück nun noch einen Schritt weiter. Mit der von ihm vorgeschlagenen Kombination könnten "die untersten Einkommen gezielt entlastet werden", hieß es am Freitag nach einem Treffen der zuständigen Koalitionsarbeitsgruppe in Teilnehmerkreisen. Die Kosten für den Staat würden sich dem Vernehmen nach auf etwa 4,7 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.

Vom Konzept des Finanzministers würden alle Steuerzahler, insbesondere aber Geringverdiener profitieren. Für Steinbrück hätte das Modell zudem den Charme, dass es nicht nur eingängiger sondern auch billiger wäre als das der CSU. Letzteres sieht neben einer Anhebung des Grundfreibetrags eine Verschiebung des gesamten Steuertarifs vor. Damit würden die einzelnen Steuersätze, inklusive des Spitzensatzes von 42 Prozent, erst später greifen als bisher. Die jährlichen Kosten für den Gesamtstaat lägen mit 7,7 Milliarden Euro allerdings um etwa drei Milliarden Euro über denen des SPD-Vorschlags.

Die CDU-Führung kündigte an, sie werde am kommenden Montagabend mit einem "Zehn-Punkte-Programm für Deutschland" in das entscheidende Koalitionsgespräch über das zweite Konjunkturprogramm gehen. Das Konzept sieht Steuersenkungen, niedrigere Krankenkassenbeiträge und eine Schuldenbremse im Grundgesetz vor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bestätigte zudem, dass die Regierung für Unternehmen, die wegen der Wirtschaftskrise unverschuldet in Not geraten, einen Rettungsfonds im Volumen von 100 Milliarden Euro schaffen will. Anders als bei der Commerzbank will der Bund bei angeschlagenen Firmen aber nicht als Teilhaber einsteigen. "Beteiligungen sind ausdrücklich nicht vorgesehen", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.

Jenseits allen parteipolitischen Geplänkels sind sich Union und SPD generell einig, dass das Konjunkturpaket eine Mischung aus öffentlichen Investitionen auf der einen sowie Steuer- und Abgabensenkungen auf der anderen Seite umfassen soll. Hinzukommen soll eine Einmalzahlung an alle Familien von 200 Euro pro Kind. Allerdings summieren sich die Vorschläge für die Jahre 2009 und 2010 nach Angaben aus Regierungskreisen derzeit noch auf mehr als 60 Milliarden Euro. Die intern vereinbarte Obergrenze liegt aber bei etwa 50 Milliarden Euro, da Deutschland anderenfalls keine Chance hat, die Defizitgrenze des EU-Stabilitätspakts einzuhalten. In Regierungskreisen hieß es deshalb, einzelne Programmpunkte müssten bis Montag gekürzt oder gänzlich gestrichen werden.

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(SZ vom 10./11.01.2009/mel)