Suche nach Sicherheit: Die deutschen Sparkassen verzeichnen ein Einlagen-Plus von mehr als einer Milliarde Euro.
Die internationale Finanzkrise beschert den Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland einen Kundenansturm. Seit Ende September dürften die Spareinlagen der Institute um mehrere Milliarden Euro gestiegen sein. Das ergab eine Umfrage der Süddeutschen Zeitung.
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Die deutschen Sparkassen profitieren von der weltweiten Finanzmarktkrise. (© Foto: ddp)
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Das Geschäftsmodell von Sparkassen und Genossenschaftsbanken, Einlagen von Kunden in der Region anzunehmen und dann dort wieder an private Häuserbauer und mittelständische Unternehmen auszureichen, scheint bei den deutschen Sparern wieder an Ansehen zu gewinnen. Bundesweit melden diese Institute, dass Kunden Erspartes von Privatbanken, Autobanken oder Direktbanken abziehen und zu ihnen umschichten. Eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sagte, "vor einiger Zeit konnte man ja als Kreditinstitut nicht international genug sein, und modern war nur derjenige, der wirklich an internationalen Finanzplätzen aktiv war". Nun finde "offensichtlich ein Bewusstseinswandel" statt.
Allein die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken verzeichneten seit 1. Oktober einen Geldzufluss von 1,8 Milliarden Euro netto, also nach Abzug der Abflüsse. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage bei etwa einem Drittel der 318 Genossenschaftsbanken in Bayern hervor, die der SZ vorliegt. Unter den Anlegern, die Geld umschichten, sind auch viele vermögende Kunden. Manfred Geyer, Chef der Ansbacher Raiffeisen-Volksbank, sagte, die Summen bewegten sich zwischen 50.000 und 300.000 Euro. "Es ist schon eine Tatsache, dass wir in gewisser Weise Krisengewinner sind."
Auch andere genossenschaftliche Institute berichteten von einem Kundenansturm. Eine Sprecherin der Nassauischen Sparkasse in Wiesbaden sprach von "signifikanten Zuwächsen, besonders in den vergangenen zwei Wochen. Und sie steigen von Tag zu Tag." Auch die Frankfurter und die Berliner Volksbank, die zu den größten deutschen Genossenschaftsbanken gehören, meldeten Zuwächse bei den Einlagen. In Bayern transferierten die Kunden am Montag allein 500 Millionen Euro zu den Genossenschaftsbanken, so der Genossenschaftsverband Bayern. Der Montag war der Tag, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Garantie für alle Einlagen der Banken abgegeben hatte.
Anfragen aus dem Ausland
Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Sparkassen ab. Allein die Hamburger Sparkasse, die größte Sparkasse Deutschlands, verzeichnete seit 15. September Zuwächse in Höhe von 500 Millionen Euro. Die Stadtsparkasse Köln-Bonn berichtete von Kundenzugängen aus dem Ausland, auch von außerhalb Europas. Die Kunden erkundigten sich dabei explizit nach den Sicherheiten einer Sparkasse und überwiesen dann höhere Millionenbeträge. Die Münchner Stadtsparkasse verbuchte seit 1. Oktober Zuflüsse an Termingeld in Höhe von 170 Millionen Euro. "Wir können uns vor Verlagerungen von Einlagen zu uns kaum retten", sagte Harald Strötgen, Vorstandschef des Instituts. Insgesamt dürften die Einlagen bei den vier von der SZ befragten Sparkassen um mehr als eine Milliarde Euro gestiegen sein. Auch alternative Banken gewannen Kunden hinzu. Die Nürnberger Umweltbank meldete ein Kundenplus von 15 Prozent in diesem Jahr. Das Institut finanziert vor allem ökologische Projekte.
Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben in Deutschland bei den Spareinlagen einen Marktanteil von etwa 75 Prozent. Sie haben jeweils eigene Einlagensicherungssysteme. Diese sind darauf ausgelegt, dass sich die Institute gegenseitig unterstützen. Anders ist das System bei den Privatbanken, zu denen etwa die Deutsche Bank, Postbank oder Citibank zählt. Hier springt zunächst die gesetzliche Sicherung ein, der alle privaten Banken in Deutschland angehören müssen. Als zweite Stufe gibt es die freiwillige Sicherung. Die Banken zahlen in einen Fonds ein, der für die Einlagen der Sparer im Falle einer Bankenpleite haftet. Anleger, die jetzt Geld von den Privatbanken abziehen, haben offenbar Zweifel, ob der Fonds bei einer Pleitewelle mehrerer Institute genug Mittel hat.
(SZ vom 11.10.2008/jkr)
Eurovision Song Contest
Das ist schön, wenn die Sparkassen profitieren. Dann können Sie auch alleine die Verluste ihrer Landesbanken tragen, welche die vormaligen Einlagen der Sparkassen in Ramschhypotheken versenkt haben. Die Bankenstories werden immer wirrer.
Sie haben mit den fehlenden Spareinlagen vollkommen Recht, aber das macht die Sache ja nur noch deutlicher. Es geht nicht um die Spareinlagen. Das Spareinlagensedativum ist nur dazu da den schlafenden Riesen nicht zu wecken. Banken sind "nur" Dienstleister. Was das "Finanzsystem" wirklich gefährlich macht ist ideologisch der vertrauensbasierte Wert von Geld und praktisch die Mechanismen, die zu Fiatgeld führen. (Mindestreserveregelungen und seinen Folgehebelinstrumenten)
Auch hier hat die Rettung der HRE nichts mit den Spareinlagen zu tun. Die HRE hat überhaupt keine Spareinlagen von Kunden.
Nochmal, auf der einen Seite steht die Rettung von Banken, die "systemrelevant" sind, auf der anderen Seite das Auffangen von Spareinlagen von Banken, die "nicht systemrelevant" sind und Pleite gehen!
Und im Übrigen sind wir hier glaube ich auch im völlig falschen Beitrag, weil es um die Sparkassen ging. ;o) Das sei aber nur am Rande erwähnt, denn interessant finde ich den Austausch der Argumente allemal.
" Angela Merkel ringt sich ein Lächeln ab. "Also, guten Tag erst mal." Dann versteinert ihr Gesicht. "Die Bundesregierung sagt am heutigen Tag, dass wir nicht zulassen werden, dass die Schieflage eines Finanzinstituts zu einer Schieflage des gesamten Systems wird." Straff aufgerichtet steht sie da in ihrem grauen Gehrock. "Deshalb wird auch mit Hochdruck daran gearbeitet, die Hypo Real Estate zu sichern.""
www.stern.de/wirtschaft/finanzen-versicherung/finanzen/:Hypo-Real-Estate-Es-System/641280.html
Wer sagt dass die Banken ausgezahlt werden? So konnte ich die Aussagen aller Beteiligen bisher nicht interpretieren. Die Sicherung der Einlagen kommt ja nur dann zum Tragen, wenn die Bank tatsächlich pleite ist. Dann würden die Sparer ihre Einlagen zunächst vom Einlagensicherungsfond gedeckt und wenn dieser es nicht schafft, wäre der Staat dran, den Sparer auszubezahlen. Wenn es da andere Aussagen gibt, dann würde ich darum bitten, diese hier mit Quellenangabe aufzuzeigen.
Und nochmal: In Merkels Garantie für die Sparer ging es nicht darum, dass sie befürchtet, es könne je soweit kommen, sondern darum die Bürger nicht in Panik verfallen zu lassen. Schon die Einlagensicherung der deutschen Banken geht weit über das Maß hinaus, was im Ausland üblich ist. Doch auch hier wurde ja in den Medien immer wieder Unsicherheit verbreitet, ob die Banken das denn überhaupt einhalten könnten. Nein, auch hier gilt ganz klar: Das könnten sie nicht, wenn ALLE pleite gehen. Aber darum geht es auch nicht, es geht um einzelne Ausfälle. Wenn alle Pleite gingen, ich wiederhole mich da gerne, hätten wir ein anderes Problem in Deutschland! Und weil eben diese Panik verbreitet wurde, wollte Merkel ein Zeichen setzen und eine staatliche Garantie für die Spareinlagen geben!
Dass die Lage derzeit akut gefährlich ist, ist keine Frage! Aber wenn ein Schiff in Seenot gerät, sollte der Kapitän zwar auch Vorkehrungen für den Untergang treffen, aber die Leute auch in soweit beruhigen, als das Schiff noch nicht am untergehen ist. Und selbst WENN absehbar ist, dass es untergeht, muss doch immerhin die Rettung geordnet und nicht panisch verlaufen. Insofern finde ich das was bisher akut beschlossen wurde ok! Es müssen jetzt nur Konsequenzen zur Regulierung getroffen werden und Marktteilnehmer die sich nicht ensprechend verhalten, sollten dann die Konsequenzen auch deutlich zu spüren bekommen!
Paging