Von Martin Hesse und Moritz Koch

Die Insolvenz der Bank United ist der bislang größte Zusammenbruch eines Kreditinstituts seit Jahresbeginn in den USA.

Die Pleite der amerikanischen Regionalbank United erinnert an die anhaltende Instabilität der Finanzmärkte. Nach Großbritannien fürchten jetzt auch die USA eine Herabstufung durch Ratingagenturen, was den Dollar am Freitag spürbar nach unten zog.

Bank United in Florida, Reuters

Größte Pleite dieses Jahres: eine Filiale der Bank United im US-Staat Florida. (© Foto: Reuters)

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Die Aufsichtsbehörden schloss die größte Bank im Bundesstaat Florida. Die Bank United verfügte über Vermögenswerten von 13 Milliarden Dollar. Schwere Verluste hatten ihre Kapitalreserven aufgezehrt. Die Einlagensicherung FDIC fädelte den raschen Verkauf des Instituts an ein Konsortium von Finanzinvestoren ein, der jedoch weniger als eine Milliarden Dollar einbringt.

Die größte Bankenpleite des Jahres wird die FDIC somit fast fünf Milliarden Dollar kosten. Nur im vergangenen Jahr, als die Sparkasse Indymac zusammenbrach, musste die FDIC mehr Geld ausgeben. Seit Beginn der Finanzmarktkrise 2007 haben die Aufsichtsbehörden bereits 62 beim FDIC abgesicherte Geldinstitute geschlossen. Die meisten Kunden haben dabei kein Geld verloren.

Der bei weitem größte Bankzusammenbruch in den USA war im September 2008 die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die Vermögenswerte von 640 Milliarden Dollar in den Büchern hatte.

Mit ihrem Kollaps wuchs sich die amerikanische Finanzkrise über Nacht zu einer Weltwirtschaftskrise aus. In den vergangenen Monaten war die Einschätzung der Banken dann besser geworden. An der Börse waren Bankaktien zuletzt rasant gestiegen. Mehrere Großbanken hatten für das erste Quartal Gewinne gemeldet und wollen Staatshilfen zurückzahlen. Zumindest bei Sparkassen und Regionalinstituten ist die Krise jedoch offenbar noch lange nicht ausgestanden.

Die Zahlungsschwierigkeiten vieler Bürger treffen Sparkassen besonders hart. Weil auch Kredite für Gewerbeimmobilien faul werden, könnten sich die Verluste bei kleinen und mittleren Kreditinstituten auf 200 Milliarden Dollar belaufen. Die US-Regierung ist beunruhigt, zumal langsam die Reserven der FDIC zur Neige gehen. Schon Ende 2008 war ihr Vermögen auf weniger als 19 Milliarden Dollar geschrumpft, verglichen mit mehr als 52 Milliarden Dollar Ende 2007.

Geld für Rettung wird knapp

Die FDIC will nun eine neue Notumlage bei den Banken erheben. Zudem hat der Kongress in dieser Woche ein Gesetz verabschiedet, das dem Fonds erlaubt, sich deutlich mehr Geld beim Finanzministerium zu leihen als bisher. Die knappen Mittel der FDIC sind auch ein Grund, weshalb die Behörde erwägt, Finanzinvestoren den Einstieg bei Banken zu erleichtern.

Bisher dürfen sie maximal 25 Prozent an einer Bank besitzen, es sei denn, sie schließen sich zu Konsortien zusammen. Schon die Sparkasse Indymac war an Finanzinvestoren verkauft worden, unter ihnen J.C. Flowers, der an der deutschen Hypo Real Estate und der HSH Nordbank beteiligt ist. Gemanagt wird Bank United ab sofort von John Kanas. Er führt die Investorengruppe an, zu der außerdem Carlyle und Blackstone - zwei der weltweit größten Finanzinvestoren - sowie WL Ross & Co. und Centerbridge Partners gehören. Nur wenige Beteiligungsfirmen haben bisher Kreditinstitute übernommen und selten hatten sie damit bisher Erfolg.

Zweifel an einer schnellen wirtschaftlichen Erholung haben die US-Aktienmärkte am Freitag belastet. Beruhigende Äußerungen der Rating-Agentur Moody's zur US-Kreditwürdigkeit stimmten die Anleger an der Wall Street nur kurzzeitig optimistisch. In Amerika gibt es Sorgen, dass den USA ein Verlust der Bonitäts-Bestnote für staatliche Anleihen droht. Dann müßte die Regierung deutlich mehr bezahlen, um die wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise stark steigenden Staatsschulden zu finanzieren.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte am Donnerstag angekündigt, die britische Kreditwürdigkeit zu überprüfen. S&P hatte ihren Ausblick für britische Staatsanleihen von "stabil" auf "negativ" korrigiert, zum ersten Mal überhaupt seit mehr als 20 Jahren.

Die Staatsverschuldung könne bald 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung erreichen und mittelfristig auf diesem Niveau verharren, hieß es zur Begründung. Das drückte den Kurs des Pfundes nach unten. Am Freitag belasteten die Sorgen um die Bonität der USA den Dollar stark. Am Freitagmittag legte die Europäische Zentralbank den Kurs mit 1,3972 Dollar fest. Am Vortag lag der Wert bei 1,3771 Dollar. Selbst ein Erreichen des Jahreshochs jenseits von 1,40 erscheint möglich, sagten Analysten.

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(SZ vom 23.05.2009/hgn)