Wende im Fall des ehemaligen Société-Générale-Händlers Kerviel: Ein Mittäter soll Computerdaten gefälscht haben.
Mit der Einleitung eines zweiten Ermittlungsverfahrens in der Affäre um den ehemaligen Société-Générale-Händler Jérôme Kerviel deutet sich eine Wende in dem Fall an.
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Kerviel hat Anfang Juli die Anwälte gewechselt und will nun offensiver gegen die Bank vorgehen. (© Foto: AP)
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Wie in einem Teil der Auflage gestern berichtet, verdächtigt die französische Staatsanwaltschaft Thomas Mougard, den 24-jährigen Assistenten Kerviels, der Mittäterschaft beim Fälschen von Computerdaten.
Sie hat ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen Mougard eingeleitet. Sollte sich der Verdacht gegen den inzwischen gekündigten ehemaligen Bankmitarbeiter erhärten, fällt nicht nur die These vom Einzeltäter Kerviel. Die Ermittlungen könnten sich darüber hinaus hinziehen und weitere Monate, wenn nicht Jahre dauern.
"Indizien für Komplizen"
Ursprünglich sollten sie bis Mitte Juli abgeschlossen sein. Dieser Zeitplan ist bereits hinfällig, was einem ersten Etappensieg des neuen Anwaltsteams von Kerviel gleichkommt. Entsprechend gutgelaunt zeigte sich der Mann, der der Société Générale einen Verlust von fast fünf Milliarden Euro zufügte, am Montagnachmittag vor einer weiteren Vernehmung durch die Pariser Wirtschaftsstrafkammer. Kerviel hatte Anfang Juli die Anwälte gewechselt und von ihnen gewünscht, stärker gegen die Bank in die Offensive zu gehen.
Strafverteidiger Eric Dupond-Moretti, der sich in Prozessen um einen Präfektenmord und einen mutmaßlichen Kinderschänderring einen Namen gemacht hat, sprach also erstmals öffentlich Klartext. "Es muss endlich damit Schluss sein, von einer Kerviel-Affäre zu sprechen.
Es handelt sich um eine Société-Générale-Affäre", sagte der bullige Mann mit lichtem Haar und Dreitagebart. "Solange die Bank Kohle macht, ist alles in Ordnung. Aber wenn sie glaubt, welche zu verlieren, soll Kerviel der einzige Verantwortliche sein."
Der Verteidiger fragte, wieso die Bank denn zwei von Kerviels Vorgesetzten entlassen habe, wenn diese angeblich an der Nase herumgeführt worden seien. Sein Kollege Bernard Benaïem fügte hinzu, es gelte herauszufinden, ob es nicht eine Mittäterschaft seitens der Bank durch die Überlassung von Arbeitsmitteln oder Anweisungen gegeben habe. Kerviel hatte stets erklärt, er habe allein gehandelt, seine Vorgesetzten hätten aber von seinen Geschäften gewusst und weggeschaut, solange er Gewinn machte.
Sein Assistent Mougard war im Mai von der Bank selbst in den Verdacht der Mittäterschaft gerückt worden. In einem am 23. Mai veröffentlichten Bericht spricht sie von "Indizien für eine Komplizenschaft".
Mougard führte etwa jedes achte Termingeschäft Kerviels aus, an manchen Tagen schloss er mehrere hundert Kontrakte ab. Am 31. Dezember 2007 beglückwünschte er Kerviel per E-Mail zu einem Gewinn von 1,46 Milliarden Euro. "Um eine solche Summe zu erzielen, muss man von der Existenz von Scheingeschäften wissen. Und diese Mitwisserschaft des Assistenten hat, wenn sie sich bestätigt, den Betrug von K. vereinfacht", schlussfolgert die Bank.
Die Pariser Staatsanwaltschaft eröffnete damals dennoch kein Ermittlungsverfahren. Mougard hatte in zwei Vernehmungen stets darauf gepocht, ausschließlich im Auftrag Kerviels gehandelt zu haben.
Von Scheingeschäften habe er nichts gewusst. Inzwischen müssen die Ermittler Indizien haben, die belegen, dass er wissentlich gehandelt haben könnte. In Untersuchungshaft nahmen sie Mougard dennoch nicht.
Seine Anwältin, Frédérique Baulieu, bezeichnete die Eröffnung des Ermittlungsverfahrens als unbegründet. Auch wenn Mougard im Middle Office und Kerviel im Front Office gearbeitet hätten, habe ihr Mandant Kerviels Aufträge ausführen müssen.
(SZ vom 06.08.2008/hgn)
Christopher Lee zum 90.
Die Frage ist ziemlich eindeutig zu beantworten: Wenn man an den Finanzmärkten etwas kauft, dann *muß* immer jemand auf der anderen Seite des Deals stehen, der einem die Papiere verkauft. Und das komplette Geld ist in genau dem Moment 'weg', wo man den Kauf getätigt hat. Und das Geld hat dann derjenige auf der anderen Seite des Deals. Die einzige Möglichkeit, sein Geld wiederzubekommen, ist später die Papiere an jemand anderes teurer weiterzuverkaufen.
Beispiel: Ich besitze 10000 Euros, und beschließe 100 Daimler-Aktien zu kaufen. 1 Aktie kostet 50 Euros, ich gebe also 5000 Euros aus. Nach dem Kauf besitze ich *nicht* 10000 Euros! Mein Vermögen beträgt danach: 5000 Euros und 100 Daimler-Aktien (die zufälligerweise gerade von der Börse zu 50 Euro das Stück bewertet werden). Falls Daimler auf 40 fällt, sind keine 1000 Euros hier 'vernichtet' worden. Über die 1000 Euros, die ich verloren habe, freut sich derjenige, von dem ich die Aktien zu 50 Euro/Stück abgekauft habe!
Im Falle des Monsieurs Kerviel heisst das: Er hat im Januar massiv DAX-Futures-Kontrakte gekauft. Verkauft haben diese ihm diejenigen Leute, die aufgrund ihrer besseren Markteinschätzung DAX-Kontrakte verkauft haben bzw. sogar den DAX leerverkauft haben. Natürlich läuft der Handel komplett anonym ab, niemand kann also genau sagen, wer das nun genau war. Aber meine Vermutung: Hedge-Fonds, Privat-Spekulanten, Banken. Und ja, es gibt einige Hedge-Fonds und andere, die durch den Crash enorm abgesahnt haben. Ich selbst kenne einen Privatier, der sehr erfolgreich mit Futures spekuliert. Er hat Anfang Januar den DAX leerverkauft. Nach dem Crash meinte er: 'Das gibts nicht! Ich fühle mich wie Krösus!'. Es könnte durchaus sein, daß von den 4 Milliarden der Societe Generale ein kleiner Teil in den Taschen meines Bekannten gelandet ist.
Es ist nicht verschwunden- es hat jemand anderer! Wer ist der Andere?