Von Marco Völklein

Die EU-Kommission stört sich an den hohen Gebühren für SMS aus dem Ausland. Jetzt sollen Preisobergrenzen eingeführt werden.

Viviane Reding hat ein Herz für Urlauber. Bereits im vergangenen Jahr kämpfte die Telekommunikationskommissarin der Europäischen Union für niedrigere Mobilfunktarife und setzte Preisobergrenzen für grenzüberschreitende Handy-Telefonate durch.

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Nun legt sich die Kommissarin erneut mit den Anbietern an. Sie macht sich dafür stark, dass die Firmen auch die Preise für die beliebten Text-Kurznachrichten, sogenannte SMS, senken, wenn diese grenzüberschreitend verschickt werden.

Bereits im Februar hatte Reding den Mobilfunkkonzernen ein Ultimatium gesetzt: Senken sie bis 1. Juli 2008 ihre Preise für SMS nicht deutlich, werde die EU-Kommission regulierend einschreiten - und wie beim Handy-Telefonieren Preisobergrenzen vorschreiben.

Diese gelten seit Herbst 2007 und besagen, dass ein deutscher Handynutzer, wenn er etwa vom Strand in Italien oder vom Seine-Ufer in Paris aus per Handy seine Verwandten in Deutschland anruft, nicht mehr als 58,31 Cent pro Minute bezahlen muss.

Höhere Tarife für Afrika

Da Handynutzer im Ausland auch bei eingehenden Anrufen Gebühren zahlen müssen, hat die Kommission für eingehende Anrufe eine Obergrenze von 28,56 Cent je Minute vorgeschrieben. Diese Tarife werden sich in diesem und im nächsten Sommer weiter verringern (Tabelle oben). Einige Anbieter wie Blau und Simyo haben nach Angaben des Verbraucherportals Teltarif.de ihre Tarife bereits gesenkt.

Das allerdings ist Reding nicht genug. Denn auch bei den anderen Diensten kassieren die Anbieter nach Ansicht der EU-Kommissarin über Gebühr ab. Während eine SMS innerhalb eines EU-Landes im Schnitt nur fünf und zehn Cent kostet, müssen Verbraucher bis zu 50 Cent bezahlen, wenn die Nachricht von einem in ein anderes EU-Land geht, so die EU.

Für deutsche Handy-Kunden ist es besonders teuer: Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest, die in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift test erscheint, verlangen deutsche Mobilfunkanbieter im Schnitt zwischen 29 und 49 Cent für eine SMS, die aus einem EU-Land nach Deutschland gesendet wird.

Nun haben die Anbieter noch knapp zwei Wochen Zeit, um die Tarife zu senken. "Auf Basis dieser Preise werde ich dann entscheiden, ob neue Vorschriften nötig sind oder nicht", droht Reding aus Brüssel.

Unterstützt wird sie von Belgien, den Niederlanden und Dänemark. Tatsächlich ist der durchschnittliche Preis für grenzüberschreitende SMS laut EU-Kommission in den vergangenen Monaten lediglich von 29 auf 28 Cent gefallen. Das dürfte zu wenig sein, um die Kommissarin zu überzeugen. Klar ist aber auch, dass Redings Initiative für die Urlaubssaison 2008 zu spät kommt.

"Deutlicher Abwärtstrend"

Denn noch tobt der Streit zwischen der EU und den Anbietern. Der Weltverband der Mobilfunkbetreiber argumentiert, die durchschnittlichen Preise für grenzüberschreitende SMS seien von April 2007 bis April 2008 um etwa 18 Prozent gefallen.

"Dies ist ein deutlicher Abwärtstrend", sagt Verbandssprecher David Pringle. "Es gibt wenige Dienstleistungen, bei denen die Preise um einen solch hohen Prozentsatz fallen." Der deutsche Branchenverband Bitkom weist darauf hin, dass der Empfang von SMS im Ausland für den Verbraucher kostenlos ist - "und das, obwohl dieser Dienst für die Betreiber mit zusätzlichen Kosten verbunden ist".

Preissenkungen peilt Reding aber nicht nur für SMS an. Auch wer im Ausland per Handy im Internet surft, soll sich bald über niedrigere Gebühren freuen. Als nächstes könnte die Kommissarin auch die Tarife für Multimedia-Nachrichten (abgekürzt: MMS) drücken. Diese Bild- und Audio-Dateien werden von immer mehr Urlaubern als Ersatz für die klassische Postkarte genutzt.

Die von der EU gesenkten Tarife für Handy-Telefonate aus dem Ausland gelten nur in EU-Staaten - also nur für Länder, auf die sich der Machtbereich von Viviane Reding beschränkt. Wer zum Beispiel in der Schweiz oder der Türkei Urlaub macht, zahlt höhere Gebühren.

Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Informa Telecoms zeigt, dass die Mobilfunker versuchen, die durch die EU-Regelung weggebrochenen Umsätze anders auszugleichen: So müssen deutsche Handy-Nutzer mittlerweile mehr zahlen als vor ein paar Jahren, wenn sie von außerhalb der EU nach Deutschland telefonieren.

Seit 2006 wurden Handy-Anrufe aus Indien der Studie zufolge 10,2 Prozent teurer, aus Japan sogar 23,9 Prozent. Spitzenreiter war Afrika: Wer von einer Wüstensafari seine Lieben grüßt, zahlt 164 Prozent mehr als vor zwei Jahren.

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(SZ vom 17.6.2008/hgn)