Skandalbank in Kärnten Reich, reicher, Hypo Alpe Adria

Geschäftsmodell Abkassieren: Deutsche und österreichische Industrielle haben mit dem Kauf der Hypo Alpe Adria kräftig verdient - weil sie kurz vor der Übernahme durch die BayernLB in die Skandalbank aus Kärnten investiert hatten. Die Liste der Geldgeber liest sich wie ein Potpourri der Wirtschaft.

Von H. Leyendecker u. K. Ott

Zahlreiche namhafte Industrielle aus Deutschland und Österreich haben vor drei Jahren von der Übernahme der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria durch die Bayerische Landesbank (BayernLB) profitiert. Dazu zählen die Familie Flick, der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bahn, Heinz Dürr, ein Mitglied der Industriellenfamilie Piëch (Porsche, VW) und Helmut Maucher, Ex-Vorstandschef des weltweit führenden Lebensmittelkonzerns Nestlé. Das besagt eine Investorenliste, die das österreichische Nachrichtenmagazin Profil veröffentlicht hat.

Die Industriellen waren vor drei Jahren bei der Hypo Alpe Adria eingestiegen und hatten ihre Anteile dann rasch mit hohem Gewinn an die BayernLB verkauft. Der Freistaat Bayern und die Landesbank haben bei dem österreichischen Kreditinstitut 3,7 Milliarden Euro verloren. Staatsanwälte in Österreich und in München untersuchen, ob in der Hypo Alpe Adria und bei deren Übernahme durch die BayernLB kriminell gewirtschaftet wurde. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt neuerdings auch gegen den in Kärnten ansässigen Vermögensverwalter und früheren Chef der Hypo Alpe Adria, Tilo Berlin.

Hoher Gewinn in kurzer Zeit

An der Seite von Tilo Berlin waren von Ende 2006 bis zum Frühjahr 2007 zahlreiche Industrielle und mehrere Finanzfirmen bei der damals schon klammen Hypo Alpe Adria eingestiegen, auf der Basis eines Vertrages vom Dezember 2006. Bereits im Mai 2007 erwarb die BayernLB die Anteile von Berlins Investorengruppe an der Hypo Alpe Adria, bezahlt wurde im Oktober 2007. Durch das Geschäft mit der Landesbank konnte die Investorengruppe schnell einen hohen Gewinn erzielen. Der Profit soll 130 bis 170 Millionen Euro betragen haben.

Aus dem Kreis der jetzt bekannt gewordenen Investoren wurde der Süddeutschen Zeitung mitgeteilt, man sei damals in die Hypo Alpe Adria eingestiegen, um die Anteile später mit Gewinn an der Börse verkaufen zu können. Von der bevorstehenden Übernahme der Kärntner Bank durch die BayernLB habe man nichts gewusst. Bereits kurz nach dem lukrativen Verkauf der Anteile an die Landesbank war Mitte 2007 in Österreich der Verdacht aufgekommen, bei diesem Geschäft sei Insiderwissen im Spiel gewesen.

Der Vermögensverwalter Berlin hatte das damals in einem Untersuchungsausschuss im Kärntner Landtag zurückgewiesen. Einer der Investoren, Präsident Veit Sorger von der österreichischen Industriellenvereinigung, hat seinen Gewinn aus dem Geschäft mit der BayernLB in Höhe von offenbar mehreren 100.000 Euro auf ein Treuhandkonto eingezahlt. Sorger erklärte, er wolle das Ergebnis der Ermittlungen abwarten und sich "nichts unterstellen lassen". Die Opposition im bayerischen Landtag fordert von den anderen Investoren, Sorgers Beispiel zu folgen und die Erlöse auf Treuhandkonten zu hinterlegen, bis geklärt sei, ob dieses Geld dem Freistaat zustehe. Dazu hat sich bisher niemand öffentlich bereit erklärt. Berlin sagt, sämtliche Vorgänge seien "korrekt und im Einklang mit allen Gesetzen" gewesen.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten gegen den früheren BayernLB-Chef Werner Schmidt. Die Untersuchungen sollen auf weitere damalige Vorstandsmitglieder der Landesbank ausgedehnt werden.

Die betuchten Bekannten des Tilo Berlin

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