In Zeiten von Vereinsamung und Mobilität sehnen sich manche nach Gemeinschaft: eine Serie stellt alternative Wohnformen vor.
Die einen wollen ein Ökodorf vor den Toren Münchens bauen, die anderen träumen von einem bayerischen Chinatown. In der Messestadt ziehen bald Dutzende Frauen in ihre selbst geplante und gebaute Genossenschaftsanlage, ein paar Meter weiter entwirft eine andere Genossenschaft ihr drittes Projekt für gemeinschaftliches Wohnen. Unter der Rubrik "Anders wohnen" stellt die Süddeutsche Zeitung alternative Wohnformen in loser Folge vor - hier ein Überblick über aktuelle Projekte.
Ob jung, ob alt, ob Single oder Paar: Wohnen in der Gemeinschaft ist in der Zukunf ein großes Thema. (© Foto: Photodisc)
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Es kommt Farbe in Münchens Wohnlandschaft, langsam zwar, aber sicher. Immer mehr Münchner wollen "anders wohnen", geben sich mit dem Nebeneinander in oftmals anonymen Mietskasernen nicht mehr zufrieden. Miteinander planen und leben lautet das Credo. Mehr und mehr Initiativen entstehen oder vergrößern sich, sie sind privater Natur oder als Wohnprojekt organisiert.
"Vom Experiment zur Normalität." So beschreibt Manfred Drum die Entwicklung dieser Projekte in den vergangenen zehn Jahren. Drum ist einer der Initiatoren in München, wenn es um die Verwirklichung alternativer Wohnkonzepte geht, der Architekt ist im Verein "Urbanes Wohnen" aktiv, der sich Beratung und Vernetzung zur Aufgabe gemacht hat. "Es ist ganz natürlich, dass die Menschen selbst bestimmen wollen, wie sie leben", sagt Drum.
Selbstbestimmung ist es, auch beim Wohnen, was vielen Münchnern offenbar bisher abgeht. Sie wollen bei der Planung einer Wohnanlage mitreden, wollen den Schnitt ihrer Wohnung mitbestimmen, frühzeitig die künftigen Nachbarn kennen lernen, und dieses Miteinander dann auch mitgestalten. "Bayern ist bei solchen Projekten nicht unbedingt Spitzenreiter", sagt Drum und denkt dabei vor allem an Freiburg, wo es mehr solcher Projekte gebe als im ganzen Freistaat. "Aber Bayern ist am Aufholen, auch München."
Zu den Vorreitern an der Isar gehört die Wogeno. Die Genossenschaft gründete sich 1993, schnappte 1995 einem Spekulanten den ersten Altbau weg und besitzt mittlerweile 150 Wohnungen in acht Häusern. Das Konzept der Wogeno, die den jüngsten Boom hin zu Genossenschaften einläutete, war damals so schlicht wie neu in München: Die Mieter entscheiden selbst über ihr Haus, verwalten es, beschließen, was als nächstes repariert wird, sorgen sich um den Gemeinschaftsraum - und wer mal seine Ruhe haben will, der kann auch das haben.
Unabhängig von der Wogeno organisierte "Urbanes Wohnen", das sich vor Jahrzehnten die Begrünung von tristen Hinterhöfen zur Aufgabe gemacht hatte, Mitte der neunziger Jahre die ersten Wohnprojekttage. Dabei fanden sich drei Projekte, aus denen das Wagnis hervorging. Der Name der Genossenschaft ist Programm: Wohnen und arbeiten in Gemeinschaft - natürlich, innovativ, selbstbestimmt.
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