Eigentlich waren Hedgefonds dazu gedacht, Anleger vor Risiken abzusichern. Jetzt sind sie selbst in der Krise - und die Banken suchen händeringend nach guten Managern, die ihre Fonds betreuen.
Die Liste der Banken, die sich mit eigenen Hedgefonds die Finger verbrannt haben, ist mit der Deutschen Bank um einen prominenten Namen länger geworden. Ihre Fondstochter DWS betreibt sechs Einzel-Hedgefonds, und die meisten haben seit Beginn der Finanzkrise nicht gut abgeschnitten. Der schlechteste unter ihnen, der DWS Hedge L/S Equity Opportunistic, weist seit August 2007 ein Minus von 10,5 Prozent aus. Kosten wie Ausgabeaufschlag oder Abschlag bei der Anteilsrücknahme sind nicht mitgerechnet.
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Schlechte Stimmung: Die Hedgefonds taumeln in die Krise. (© Foto: ddp)
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Die Renditen der DWS-Hedgefonds waren schon vor der Finanzkrise schlecht, obwohl es an den Märkten gut lief. So bringt es der DWS Hedge L/S Currency, der größte DWS-Hedgefonds, seit dem Start vor vier Jahren, auf jährlich rund 2,4 Prozent Rendite. Der beste, der DWS-Hedgefonds L/S Equity Market Neutral, hat seit seinem Start im Herbst 2004 pro Jahr gerade mal 5,1 Prozent verdient. Wer erst Anfang 2006 investierte, hat sogar Geld verloren. Diese Ergebnisse passen nicht zu dem Ziel, generell positive Renditen zu erzielen, und zwar unabhängig von den Entwicklungen an den Finanzmärkten. Genau dafür zahlen Anleger die im Hedgefonds-Geschäft übliche Gewinnbeteiligung von 20 Prozent.
Magere Renditen
Die mageren Renditen sind nicht ohne Folgen geblieben: Die Summe verwalteter Kundengelder ist eingebrochen; die Kunden haben Kapital abgezogen. Verwaltete der DWS Hedge L/S Equity Market Neutral 2006 noch 303 Millionen Euro, waren es im Mai 2008 gerade noch sechs Millionen Euro. Beim DWS Hedge L/S Currency ist das Volumen von 357 auf 65 Millionen Euro geschmolzen. Die DWS hat diese der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Daten bestätigt.
Das Hedgefonds-Geschäft ist knallhart. Oft reicht eine leicht rote Null bei der Kursentwicklung aus, um einen Fonds zu schließen. "Jahresverluste von fünf bis sieben Prozent sind der typische Grund für Liquidationen", sagt Ken Heinz, Präsident von Hedge Fund Research (HFR). Im ersten Quartal 2008 sind weltweit 170 Hedgefonds aufgelöst worden, berichtet die US-Analysefirma. Weltweit gibt es rund 15.000 Hedgefonds. Viele Einzelfonds werden in Dachfonds gebündelt. Privatanleger können je nach Vermögen in Dach-Hedgefonds oder Dachfonds-Zertifikate investieren.
Die Deutsche Bank steht mit ihrem Misserfolg nicht alleine da. Die amerikanischen Investmentbanken Bear Stearns und Goldman Sachs, aber auch die Schweizer UBS haben mit eigenen Hedgefonds teils hohe Verluste erlitten - und auch Fonds geschlossen. Jüngstes Beispiel ist die Citigroup. Die US-Großbank hat das Ende ihres neun Milliarden Dollar schweren Hedgefonds Old Lane bekannt geben müssen.
Old Lane war von Citigroup-Chef Vikram Pandit erst 2006 unter großem Getöse gegründet worden. Pandit hatte innerhalb von Monaten Kundengelder in Höhe von vier Milliarden Dollar von so prominenten Investoren wie etwa den Stiftungsfonds der Universität Harvard einsammeln können. Das Beispiel zeigt, wie allergisch Hedgefondsinvestoren auf kleinste Verluste reagieren. Old Lane hat seit Jahresbeginn bis Ende Mai gerade einmal 4,8 Prozent verloren.
Gute Manager ziehen weiter
Im Hinblick auf diese Ereignisse stellt sich die Frage, ob Hedgefondsmanager - meist sind dies Unternehmer, die ihr eigenes Geld riskieren - im Umfeld riesiger Finanzkonglomerate mit angestelltem Management reüssieren können. Grundsätzlich kann das Hedgefondsgeschäft für Banken sehr lukrativ sein. Doch gute Hedgefondsmanager sind rar. "Hedgefonds sind ein Unternehmer- und kein Verwalter-Business", sagt ein Investor, der erfolgreich in Hedgefonds investiert hat. "Wenn Banken Hedgefonds kaufen, ziehen die besten Manager weiter. Es bleiben die mittelmäßigen, mit den bekannten Resultaten", sagt der Experte, der ungenannt bleiben will.
200 Milliarden Dollar dürften Kunden im Jahr bis Ende März 2009 weltweit neu in Hedge Funds schleusen, schätzt die Deutsche Bank in einer viel beachteten, gerade vorgelegten Branchenstudie. Ihre eigenen Hedgefonds dürften davon kaum profitieren.
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(SZ vom 25.06.2008/tob)
Debatte über Urheberrecht
Wie in jedem anderen Bereich gibt es GUTE und SCHLECHTE. Von den schlechten, die zurecht aufgeben mussten oder zukünftig müssen, auf den Rest der Hedgefonds-Industrie zu schließen wäre jedoch falsch.
Wie man z.B. bei www.hedgeweb.net sehen kann, gibt es viele andere, sehr erfolgreiche Hedgefonds.
Wo die Hedgefondsmanager jetzt auftauchen, ist mit neuer Abzocke zu rechnen. Vorsicht!
Auch wenn es schlimm und traurig für unsere Volkswirtschaft ist, kann ich die alte Wahrheit "Schadenfreude ist die reinste Freude" nicht unterdrücken.
Dass trotz den offenbar verheerenden Folgen in dem Artikel die Hedgefonds schöngeredet werden, dazu kann ich nur sagen: "Echt SZ-Wirtschaftsteil"!