Kurssturz an den Märkten Börsianer bangen vor Krisen-Telefonat

Die Märkte sind in Aufruhr: Der Dax pendelt sich nach massiven Anfangsverlusten bei rund 1,5 Prozent im Minus ein. Ist es nur ein kurzer Erholungsmoment? Gebannt erwarten die Anleger das Ergebnis des Gespräches zwischen Merkel und Sarkozy - und die amerikanischen Arbeitsmarktdaten.

Die Kurse an den europäischen Börsen stürzen ab. Der Deutsche Aktienindex (Dax) an der Börse in Frankfurt am Main hat in den ersten Handelsminuten zunächst fast vier Prozent verloren. Im Laufe des Vormittags erholte er sich aber etwas, pendelte sich lange bei einem Minus von rund 2,5 Prozent ein und mühte sich dann auf rund 1,5 Prozent minus. Der FTSE-100 in London und der CAC-40 in Paris büßten am Freitagmorgen jeweils rund drei Prozent ein - ähnliche Szenarien spielten sich an den Börsen in Mailand und Madrid ab. (alle aktuellen Kurse hier)

Die Börsen sind weltweit auf Talfahrt: Der Dax startete mit einem Minus von fast vier Prozent, konnte sich jedoch etwas erholen.

(Foto: AP)

Zwei Ereignisse sind nun für den weiteren Verlauf entscheidend: Zum einen ist nach den Turbulenzen an dem Märkten ein Gespräch des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem spanischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero geplant, teilte der Élysée-Palast in Paris mit.

Zum anderen kommen am frühen Nachmittag deutscher Zeit (14.30 Uhr) die neuen Arbeitslosendaten aus den USA. Sollten diese wieder so schlecht ausfallen wie die jüngsten amerikanischen Konjunkturdaten, könnte es zu einem erneuten Kursrutsch kommen.

Am Donnerstag schloss der Dow-Jones-Index in New York mit 4,3 Prozent im Minus und damit so niedrig wie seit Dezember 2010 nicht mehr. Er stürzte insgesamt um 500 Punkte ab und fiel unter die Marke von 11.400 Punkten. Danach gaben auch die Börsen in Asien nach: der japanische Nikkei-Index brach gleich nach Eröffnung des Handels um 3,4 Prozent ein, der Hang-Seng-Index in Hongkong um bis zu 4,8 Prozent, der Composite Index der Börse in Shanghai zum Auftakt mehr als zwei Prozent, der Leitindex in Shenzhen um fast drei Prozent, der Index der wichtigsten australischen Börse um knapp vier Prozent.

Dieser nächtliche Trend in Asien belastete wiederum den Handesstart in Europa. Dabei war der Dax schon am Donnerstag auf ein Jahrestief gefallen, er stand zwischenenzeitlich bei nur 6391,54 Punkten - der niedrigste Stand seit Mitte Oktober 2010. Der Dax ist inzwischen seit acht Tagen auf Talfahrt und hat seitdem rund 15 Prozent an Wert verloren.

"In den vergangenen Tagen haben Anleger immer stärker realisiert, dass wir in Europa und den USA massiven strukturellen Problemen gegenüberstehen und dass diese mit Geld - Rettungsschirmen oder Anleihekäufen - nicht gelöst werden können", sagte Aktienhändler Darren Sinden von Silverwind Securities.

Spanien und Italien unter Druck

Zuletzt waren im Zuge der Euro-Krise Italien und Spanien unter den Druck der Märkte geraten. Sie müssen deutlich höhere Zinsen für ihre Anleihen bieten, weil immer mehr Anleger das Vertrauen in ihre Zahlungsfähigkeit verlieren. Der Zins auf italienische Staatsanleihen hat am Freitag den für spanische Papiere überstiegen. Dies spiegelte die Furcht der Investoren vor einer erheblichen Ausweitung der europäischen Schuldenkrise wider und nährte die Sorge, dass die bisher vereinbarten Hilfsmechanismen im Ernstfall nicht ausreichen könnten. Analysten haben bereits vorgerechnet, dass die Gelder des EFSF zwar bei einem Hilfsantrag Spaniens noch genügen könnten. Für Italien reichten die Mittel aber nicht aus.

Für Wirbel in Italien sorgt aber noch eine andere Meldung: Mitten in der Schuldenkrise ermittelt die italienische Justiz gegen die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's in Zusammenhang mit ungewöhnlichen Kursbewegungen an der Mailänder Börse. Es gehe um die Frage, ob sich die beiden Agenturen in ihrer täglichen Arbeit an die Regeln des Geschäfts gehalten hätten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Moody's hatte im Mai 2010 in einem Bericht vor Ansteckungsgefahren der Griechenland-Krise für die italienischen Banken gewarnt wird. S&P hatte im Mai dieses Jahres mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens gedroht hatte.

Die Verunsicherung der Märkte noch verstärkt hatte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Er warnte am Donnerstag, die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten müssten zur Bekämpfung der Schuldenkrise rasch über eine erneute Aufstockung des Krisenfonds nachdenken. In einem Brief an die Staats- und Regierungschefs forderte Barroso diese zu einer "raschen Überprüfung aller Elemente des EFSF" auf: Die Regierungen müssten sicherstellen, dass der Fonds "über die Mittel verfügt, um Ansteckungsgefahren zu bekämpfen".

Griechenland verabschiedet Reformen

Eine Sprecherin Barrosos sagte dazu, mit "allen Elementen" sei auch die Finanzausstattung des bisher über ein Volumen von 440 Milliarden Euro verfügenden Krisenfonds gemeint. "Wir müssen überlegen, wie wir die Effizienz des EFSF (...) weiter verbessern können, um die derzeitige Ansteckung zu bekämpfen", schrieb Barroso. Bei der Bundesregierung stieß Barroso mit seinem Wunsch nach mehr Geld auf heftigen Widerspruch.

Während die Angst vor der Eskalation der Schuldenkrise in Europa die Börsen in Panik versetzt, hat das hoch verschuldete Griechenland am Donnerstag ein Bündel von Reformgesetzen verabschiedet. Unter anderem befassten sich die Abgeordneten in Athen mit der Glücksspielindustrie und dem Tourismus. Die Reformen gehören zu den Maßnahmen, die Griechenland im Gegenzug für Hilfspakete der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) verabschieden muss.