Das schwarz-gelbe Spitzentreffen im Kanzleramt zeigt: Anstatt zu reformieren, beschränkt sich die Koalition aufs Taktieren - und beschädigt sich damit selbst.
Die drei Parteivorsitzenden der Regierungskoalition haben bei ihrem Treffen am Sonntagabend keine Steuerreform beschlossen, natürlich nicht. Zuvor bereits waren Pläne für einen Schnellschuss vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen so rasch wieder verworfen worden, wie sie aufgekommen waren. Das ist gut so, hilft der Koalition aber auch nicht weiter. Ihre Glaubwürdigkeit in der Steuerpolitik ist so oder so schwer beschädigt. Das ist so ärgerlich wie überflüssig.
Die Glaubwürdigkeit der Koalition in Sachen Steuerpolitik ist beschädigt. (© Foto: ddp)
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Steuersenkungen und eine Strukturreform gehören zu den identitätsstiftenden Versprechen der Drei-Parteien-Koalition. Die FDP als liberale Partei, der die Freiräume der Bürger besonders am Herzen liegen sollten, hat eine lange Tradition und Kompetenz in Steuerfragen. In der CDU sind einige der besten Steuerpolitiker des Landes zu Hause, die CSU führt in München ein Finanzministerium mit viel steuerrechtlichem Knowhow. Von daher waren die Aussagen zur Steuerpolitik im Koalitionsvertrag weder Lyrik noch Wählerbetrug, sondern standen in einer guten Tradition. Entsprechend setzten viele Bürger, die am heutigen Steuersystem in seiner ganzen intransparenten, ineffizienten und ungerechten Ausgestaltung leiden, auf die neue Koalition und insbesondere die FDP.
Allerdings hätten diese Wähler durch den Umstand gewarnt sein können, dass FDP-Chef Guido Westerwelle zwar viel über die Entlastung der Bürger schwadroniert, aber inhaltlich nie nennenswert als Steuer-Vordenker in Erscheinung getreten ist. Entsprechend fanden sich nach der Bundestagswahl und bei der beliebten Verteilung von Pöstchen die meisten derjenigen im Abseits wieder, die etwas von der Sache verstehen, während bevorzugt Westerwelles Lautsprecher an die Tröge der Macht durften.
Gewarnt sein müssen hätte man auch durch die bisherige Klientelpolitik, die eine Vorgeschichte hat. Die skandalösen Steuersenkungen für Hoteliers, die ausgerechnet die erste konkrete steuerpolitische Maßnahme der neuen Regierung wurden, lagen schon vor der Wahl in der Luft und dem Chef am Herzen. Jeder Versuch, in den Koalitionsverhandlungen oder seitdem ein glaubwürdiges und mutiges Gesamtkonzept für eine neue Steuer-Ära vorzulegen, scheiterte im Ansatz.
Stattdessen wird das Mantra gepflegt, dass es natürlich zu Steuerentlastungen in Milliardenhöhe kommen muss, weil man das schließlich in Kenntnis der Lage der Staatsfinanzen versprochen hat. Von diesem Ziel verabschieden sich immer mehr Freunde der Koalition, auch der Bundespräsident äußert jetzt seine Zweifel. Eine Entlastung ist aber weiterhin drin - wenn man Prioritäten setzt. Die durchsichtige Bevorzugung der FDP- und CSU-Klientel mit Hotelbetten passt dazu freilich nicht. Und ebenso wenig der Versuch, angesichts schwacher Umfragewerte in NRW mal eben ein bisschen an den Steuern herumzuspielen.
Vom Kopf auf die Füße gestellt, müsste ein umfassendes Steuerkonzept, für dessen Erarbeitung man sich Zeit nehmen kann und muss, vor allem und zunächst eine Entlastung der Mittelschicht enthalten. Ohne deren Engagement als Wirtschaftstreibende, Investoren und Konsumenten wird Deutschland aus dem Konjunkturtal kaum herausfinden.
Es darf nicht länger sein, dass der Staat ausgerechnet gegenüber seinen treuesten finanziellen Unterstützern foul spielt, indem er sich weigert, bei den Einkommensteuersätzen die Geldentwertung zu berücksichtigen ("kalte Progression"), und indem er ausgerechnet im unteren und mittleren Einkommensbereich die Steuerlast besonders schnell steigen lässt ("Mittelstandsbauch"). Nötig ist außerdem die Einberufung einer Expertenkommission, die die jahrelange konzeptionelle Arbeit für ein faireres und leistungsgerechteres Einkommensteuerrecht sichtet und dieses Projekt endlich anpackt.
Für eine solche Steuerpolitik ist auch in Zeiten horrender Staatsverschuldung Platz. Sie würde sogar helfen, die Krise zu bewältigen, wenn sie nachhaltig angelegt und glaubwürdig wäre. Dies aber traut man der Koalition nicht mehr zu. Ein Neuanfang in der Steuerpolitik wäre nötig, aber wo nur ist die Person, dies glaubwürdig in Gang zu setzen?
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(SZ vom 22.03.2010/tob)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Die Überschrift ist gut. "Steuern ohne Plan". Wie sollte sich Merkel auch für Pläne interessieren, wo doch die Planwirtschaft völlig versagt hat. Wäre sie sonst Kanzlerin von Deutschland? Nein. Merkel hat sich immer nur für Naturwissenschaften interessiert und sieht deshalb alles wie ein grosses Naturschauspiel. Da mögen sich noch so viele die Frage stellen, wann wird denn endlich regiert?
Seit Merkel begriffen hat, dass sie ihren Aufstieg den falschen Leuten verdankt, nämlich denen, die immer nur wollen, dass dem Volk die Flausen ausgetrieben werden, streikt sie. Liebend gern hätte sie mit den Sozialdemokraten weiterregiert. Erst auf den allerletzten Metern vor der Bundestagswahl hat sie sich zur FDP bekannt.
Nun aber bleibt ihr gar nichts anderes mehr übrig, als uns vollends in die Krise zu steuern, weil ihr erst dann wieder die Rolle des Messias zufällt. Der tiefe Fall von Sarkozy, der ähnlich wie Westerwelle glaubte, es sei doch alles nur eine Frage der Leistungsbereitschaft, damit es Frankreich wieder gut gehe, gibt Merkel sicher zu denken.
Wahrscheinlich wird ihr Ziehvater ihr demnächst raten, ordentlich Schulden zu machen und zusätzlich die Steuern zu erhöhen, wenn sie solange wie er regieren will. Köhler hat schliesslich schon seine Pflicht erfüllt, indem er eine Erhöhung der Mineralölsteuer ins Spiel brachte.
So wird Merkel am 3. April 2010 wahrscheinlich endlich mit dem Nudelholz auf Westerwelle zugehen und ihn fragen, was er denn besser findet, weitermachen ohne Steuerreform oder getrennte Schlafzimmer?
Ja, der Herr Friedrich Merz, das Genie, sorgte sich wirklich sehr um den Souverän, das Volk. Es sei ihm ein Denkmal gesetzt oder der Wirtschafts-Nobelpreis verliehen, so sehr er sich für die deutsche Bevölkerung einsetzte und hart für sie arbeitete (Ironie: off)
Vor allem sorgte er sich um sich selbst, der Top-Politiker mit den meisten (zahlenmäßig) Nebeneinkünften der damaligen Bundestags-Abgeordneten.
So eine Art von Mensch braucht kein Land. Noch weniger in der hohen Politik. Gleich ab in die Wirtschaft damit.
So wie Heute viele PolitikerInnen das Volk im Grunde verachten (nichts anderes kann ich in den letzten Jahrzehnten aus der Politik herauslesen), bis auf die einige Wochen vor Wahlen.
Dann werden wir sogar persönlich von Jenen umarmt, die sich einen Dreck um die Bevölkerung kümmern, sondern sich im Bundestag offiziell diffamieren und beleidigen, ein Schmierentheater des untersten Niveaus.
Abends geht es dann zur Pizza-Connection ... Es macht Angst, das allein schon zu wissen. Die Zukunft unserer Kinder sieht sehr düster aus.
Gut gebrüllt, Herr Dr. Beise, aber leider kommen auch Sie in Ihrem Artikel nicht über die sattsam bekannten Allgemeinplätze hinaus. Zudem können auch Sie sich nur in Konjunktive, wie "müsste", könnte", "sollte" und "hätte" flüchten bzw. dahinter verstecken. Demnach hat das ganze nur watteweichen Empfehlungscharakter nach dem Motto: die Regierung sollte und die Finanzpolitik müsste, dann hätte und dann könnte...
Nun ja, mit solch schweren rhetorischen und journalistischen Sturmgeschützen lässt sich niemand hinterm Ofen hervorlocken, am wenigsten die schwarzgelbe Koalition in Berlin. Doch gerade in diesen Zeiten brauchen wir die spitze journalistische Feder, die die Fehlleistungen der Mächtigen und gleichsam Untätigen messerscharf seziert, sie anprangert, in der Luft zerreißt, sturmreif schreibt und zudem verkündet, wie man es wirklich besser und richtiger machen kann. Aber irgendwie scheint diese Qualität im aktuellen neoliberalen Duktus von wichtigen und maßgeblichen deutschen Blättern, wie DER SPIEGEL, Süddeutsche Zeitung und Die Zeit verloren gegangen zu sein. Nehmen Sie sich doch ein Beispiel an Ihrem Kollegen Herrn Prantl. Bei ihm hat man den Eindruck, dass er nach wie vor zielsicher den Finger in die Wunde legt und unbequeme Wahrheiten ausspricht. Darf man das in der Wirtschaftsredakton nicht?
Der Staat ist so bankrott, daß es völlig aussichtslos erscheint, die Schulden wieder loszuwerden. In den nächsten Jahren kommen noch die Pensionslasten auf Deutschland zu, höher als der jetzige Schuldenstand. Das Land vergreist zusehends, die Arbeitskraft schwindet erheblich.
Wer etwas besitzt kann versuchen zu retten, was zu retten ist. Alles immobile wird zermahlen zwischen sozial und angeblich "gerecht".
Die katastrophale Situation ist unumkehrbar.
Die leere Hülle Deutschland kann beruhigt den linken Kräften überlassen werden. Die haben uns dahin gebracht und können dann in der faulen Pampe waten.
Die These:
Durch die weitere Anhäufung von Staatsschulden wird ein so gigantisches Wachstum in Gang gesetzt, dass wir davon:
a) die Mindereinnahmen ausgleichen UND
b) die Schulden begleichen.
Hat jetzt seit ich denken kann noch NIE funktioniert. Die Staatsschulden wachsen und Punkt, fertig. Das Wachstum kommt bei den oberen 10.000 an, sonst nirgendwo. Die oberen 10.000 aber konsumieren nicht davon, sie behalten es für sich. Eventuell investieren sie sogar in irgendeinen Fonds der gesunde Unternehmen aufkauft, durch Halbierung der Belegschaft kurzfristig hochprofitabel macht und dann wieder abstösst. Toll, davon hat der deutsche Mittelstand wirklich was. Mindestens soviel wie von der EU, von der Deutschland ja auch unheimlich profitiert.
Wenn es dann ganz brenzlig wird, dann setzt man nicht den Spitzensteuersatz wieder hoch (unter Rot/Grün von 56% auf 44% gesenkt), nein, man erhöht einfach Verbrauchs- und Umsatzsteuer für alle.
Oder man ruiniert einfach die Sozialkassen (Kohl) und sagt den Leuten; dann schaut mal zu dass ihr privat vorsorgt. Mehr Geld bekommt Ihr zwar nicht dafür aber ihr habt vieeel mehr Freiheit und Eigenverantwortung, toll.
Untere Einkommen haben GAR NICHTS von einer Steuerreform, zahlen sogar drauf wenns am Ende wieder über höhere USt finanziert wird. Der Mittelstand kommt null auf null raus wobei auch der Mittelstand draufzahlt wenn man die ganzen Leistungskürzungen bei den Sozialkassen mit einbezieht.
Hr. Beise sollte sich vielleicht bei der WELT bewerben. Denn ich unterstelle Herrn Beise, dass er von den Vorgängen der Vergangenheit weiss, das macht dieses Pamphlet noch viel schlimmer.
@Ichwillauch:
Grenzenloses Wachstum kann in einer begrenzten Welt nicht auf Dauer funktionieren.
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