Trotz des irrlichternden Berlusconi ist die Lage in Italien zwar ernst, aber keineswegs katastrophal - und ein Vergleich mit Griechenland unsinnig. Gegen die ständigen Attacken von den Finanzmärkten gibt es nur eine Lösung: Die italienische Regierung muss sofort strikt sparen und die Euro-Zone dem Land viel Geld zur Verfügung stellen. Ansonsten ist die Gemeinschaftswährung in Gefahr.
Jetzt also Italien. Die Zitterprämie für Staatspapiere des Landes ist so hoch geklettert wie noch nie seit dem Abschied von der Lira. Die Krise des ungeliebten Euro verharrt nicht mehr an den Rändern des Kontinents, in Griechenland, Irland oder Portugal. Sie hat sich ins Zentrum gefressen, in die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Währungsunion.
Bild vergrößern
Italiens Premierminister Silvio Berlusconi im Palazzo Chigi in Rom. (© dpa)
Anzeige
Zugleich ist sie in dem Land angekommen, das schon immer die Ängste vieler Bundesbürger vor dem neuen Geld symbolisierte. Die Italiener mit ihrer Schuldenwirtschaft: Gern Urlaubsziel, aber bloß kein Wirtschaftspartner - genau deshalb wollten die Deutschen ihre Mark behalten. Und nun sollen sie auch noch für die Rettung zahlen?
Die Lage ist ernst, kein Zweifel. Italien hat so viel Schulden angehäuft wie sonst nur Griechenland. Nimmt man die Prämien für die Absicherung von Krediten zum Maßstab, halten die Finanzmärkte Kasachstan für den verlässlicheren Schuldner. Trotzdem liegt die größte Gefahr nicht in der italienischen Realität. Sie besteht darin, dass internationale Investoren das Land zum neuen Spielball machen und Europas Regierungen panisch reagieren. Denn Italien ist nicht das nächste Griechenland. Die Situation stellt sich in vielem besser dar als im Ursprungsland der Euro-Krise.
Italien verfügt im Gegensatz zu anderen Staaten Südeuropas über international erfolgreiche Unternehmen, die Aussichten auf Wachstum sind solide - und Wachstum ist das Wichtigste, um Kredite zurückzuzahlen. Das Land erlitt keine Immobilienblase und muss kein riesiges Handelsdefizit finanzieren. Die meisten römischen Staatspapiere halten die Italiener selbst, was das Zerstörungspotential internationaler Spekulanten begrenzt; eine ähnliche Situation wie in Japan, das die höchsten Verbindlichkeiten aller Industriestaaten aufweist, aber überhaupt nicht im Rampenlicht der Investoren ist.
Italien steht keineswegs katastrophal da, falls es die Zeichen der Zeit erkennt und entschieden spart. Die irrlichternde Regierung Berlusconi ist ein Standortnachteil, doch hoffentlich einsichtsfähig genug, das Sparpaket durchzusetzen. Italien hat Schwächen, aber es ist nicht zum Absturz verurteilt - außer Europas Regierungen geben das Land zum Abschuss frei. Wie dramatisch Investoren eine Schuldensituation beurteilen, ist vor allem eine Vertrauensfrage.
Das lässt sich am Beispiel Amerikas sehen. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung, drücken die USA fast so hohe Verbindlichkeiten wie Italien - und doppelt so hohe wie Spanien. Doch kein Spekulant attackiert Amerika, weil das als aussichtslos gilt. Deshalb müssen Europas Regierungen mit aller Macht klarstellen, dass eine Spekulation gegen Italien weder gerechtfertigt noch aussichtsreich ist. Dann lässt sich verhindern, dass die Euro-Krise von den Rändern auf Italien und Spanien übergreift und die Währungsunion auseinanderbricht.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Euro-Krise RSS
- Italien in der Krise La dolce vita auf Pump 12.07.2011
- Schuldenkrise Erleichterung in Italien 12.07.2011
- Italien: Silvio Berlusconi Skrupellos noch in der Agonie 11.07.2011
- Prüfungszeugnis Deutsche Banken halten Stresstest stand 15.07.2011
- Estland Die Euro-Stars aus Tallinn 15.07.2011
- Europa: Schuldenkrise Deutschlands Zögern irritiert die Griechen 14.07.2011
- Schuldenkrise Europas Springteufel 14.07.2011
Venizelos kritisiert IWF-Chefin
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Diese Durchhalteparolen wie 'Wer B. hilft, rettet den EURO', die mittlerweile die rationale Analyse ersetzen, sind nur noch ärgerlich.
Vor allen Dingen, wer glaubt noch an so einen reflexhaften Parolendunst, der mittlerweile so tönt, wie Frontberichte von einem auf der Verliererstraße befindlichen Feldzug...
Ist sie so unbedarft oder ist das Chuzpe? Fordert Griechenland und Italien zum Sparen auf und legt gleichzeitig Verkaufsprospekte aus,
Also sie müssen sparen, Herr Papandreo, Herr Berlusconi, aber für 10 - 20 U-Boote und Eurofighter wirds doch wohl noch reichen, wa?
Und wenn unser Binnenmarkt nichts mehr hergibt, dann müssen wir halt zu Preisen produzieren, die China, Indien und Bangladesch unterbieten, wa?
50 Cent die Stunde ist doch auch Geld, wa?
...da vollkommen ausgeblendet wird, dass das deutsche "System" der Reallohnsenkungen zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft scheitern wird, wenn mehr und mehr wichtige Handelspartner Deutschlands versuchen, ihre Probleme mit "striktem Sparen" zu lösen. Italien ist der fünftwichtigste Abnehmer deutscher Produkte, mit nur geringem Abstand zu Großbritannien und den USA (vgl. Stat. Bundesamt 2011)! Also Deutschland, bitte aufwachen, denn wenn man mehr und mehr europäische Staaten zum "strikten Sparen" zwingt, dann gibt es in naher Zukunft auch im Ausland keine ausreichenden Abnehmer mehr - was auf dem Binnenmarkt ja infolge der sinkenden Reallöhne schon länger nicht mehr der Fall ist. Das wird man dann an diesem Punkt auch nicht mehr dadurch ausgleichen können, dass man noch mehr Panzer in die weite Welt exportiert. Deutschland wird dann ganz schnell ebenso wie die "strikten Sparer" in der Rezession sein. Und spätestens dann ist es vorbei mit der Überheblichkeit...
"Italien hat Schwächen". Natürlich ist das richtig, aber die große Abhängigkeit Deutschlands vom Export ist ebenfalls eine riesige Schwäche und sollte auch einmal zur Sprache kommen. Und wenn diese Schwäche bald offen zu Tage tritt, dann hilft es Deutschland auch nicht, stolz auf seine skandalfreie Kanzlerin zu schauen und über Berlusconi herzuziehen - oder falls dieser dann ersetzt wurde, wieder über den Einfluss der Mafia in Italien herzuziehen (der in der nördlichen Hälfte von Italien, in der sich der überwiegende Teil des wirtschaftlichen Lebens abspielt, wesentlich geringer ist als die scheinbare Unkenntnis mancher Redakteure bezüglich volkswirtschaftlicher Zusammenhänge).
Ihre Kommentare sind - wie so oft - weder kritisch noch fundiert, sondern bloß substanzlose Polemik. Allerdings wundert es mich, dass von Ihnen zu Themen, zu denen Sie möglicherweise wirklich etwas zu sagen hätten und eine berufsbedingte Kompetenz anzunehmen wäre, nichts kommt: z.B. zum vermurksten Gesundheitswesen, zur praxisfernen Medizinerausbildung, zur erschreckend niedrigen Qualifikation niedergelassener Ärzte...
Paging