Schuldenkrise Finanzagenturen schubsen Irland Richtung Griechenland

Ein Bodycheck wie beim Rugby: Die Ratingagentur S&P warnt Dublin, sich bei der Rettung der Anglo Irish Bank nicht zu überheben. Irische Staatsanleihen verteuern sich daraufhin enorm.

Irland muss sein Bankensystem retten - das wird teuer. Wie groß die Herausforderung für den irischen Staatshaushalt wird, ist noch nicht abzusehen. Im Moment rechnet die Regierung in Dublin damit, dass sie die angeschlagene Anglo Irish Bank mit 35 Milliarden Euro stützen kann. Doch die Ratingagentur Standard & Poor's zweifelt jetzt daran.

Die Finanzagenturen setzen Irland zu: Rugbymatch in der Hauptstadt Dublin.

(Foto: AP)

Wenn Irland für die Bank mehr zahlen muss, droht die Agentur damit, die Kreditbonität des Lands herabzustufen. Kredite würden somit erheblich teurer werden. Die europäische Ratingagentur Fitch schloss sich der Warnung an. Sie betrachtet die derzeitige Bonitätsnote ebenfalls als gefährdet.

Schon die Drohungen der Ratingagenturen verschlechterte die Lage Irlands am Kreditmarkt: Investoren verlangten für den Kauf irischer Staatsanleihen die höchsten Gefahrenzulagen seit Einführung des Euros. Zehnjährige Anleihen finden nur Käufer, wenn die Rendite dabei gut 4,5 Prozentpunkte höher ist als bei deutschen Titeln. Eine ähnliche Entwicklung hatte Griechenland im Frühsommer an den Rand der Zahlungsfähigkeit gebracht. Weil das Vertrauen in die Bonität des Balkanlandes immer mehr geschwunden war, mussten die Eurostaaten in einer Nacht- und Nebelaktion Milliardenbeträge zur Verfügung stellen.

Astronomisches Haushaltsdefizit

Die irische Regierung gerät deswegen unter Druck, die erst im Dezember geplante Vorlage des Haushalts vorzuziehen. So soll Vertrauen in die Finanzplanungen geschaffen werden. Dublin muss die Investoren dringend davon überzeugen, dass das Bankensystem gestützt werden kann und gleichzeitig das höchste Staatsdefizit in der Europäischen Union in den Griff zu bekommen ist. Das Haushaltsminus wird sich voraussichtlich auf astronomische 25 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung belaufen.

Dass die Regierung das schafft, wird zunehmend bezweifelt, weil die Konjunktur an Kraft verliert. Zudem droht eine politische Krise, denn die Regierungsmehrheit im Parlament schwindet. Deshalb waren zuletzt an den Märkten sogar Spekulationen aufgekommen, Irland müsse auf internationale Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm und vom Internationalen Währungsfonds zurückgreifen. Dies wurde jedoch von allen Beteiligten zurückgewiesen.

Ministerpräsident Brian Cowen, der wegen einer Alkohol-Eskapade unter Beschuss ist, sagte, das Land benötige erst Mitte kommenden Jahres frisches Kapital. Auch der Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling, rechnet nicht damit, dass in den kommenden Jahren das Land einen Kredit bei ihm beantragen werde.

Höhere Risikoaufschläge auch in Portugal

Auch die Risikoaufschläge für andere Problemländer wie Portugal nahmen deutlich zu. Wenn die Furcht der Anleger nicht abnimmt, wird sich die Schuldenkrise erneut verschärfen, weil die betroffenen Länder dann immer höhere Zinsen für ihre Schulden zahlen müsste.

Erst am Montag hatte die Ratingagentur Moody's die Schuldtitel der verstaatlichten Anglo Irish Bank deutlich heruntergestuft. Die irische Regierung bekräftigte daraufhin ihren Beistand für das Institut. Die Regierung in Dublin will spätestens Anfang Oktober mitteilen, wie sie die geplante Stilllegung der Anglo Irish organisieren und finanzieren will.