Würden Sie auf einen Schlag 1000 Euro für Schuhe ausgeben? Eher nicht. Aber man tut sich dabei viel leichter, wenn man mit der Kreditkarte eines anderen zahlt. Das vermute ich auf jeden Fall. Da fällt so eine modische Entscheidungsfindung sicher viel schneller: braun oder schwarz? Egal, nehm ich sie doch alle!

Irgendwo in Russland läuft jemand mit Camel active Boots herum, die er mit meiner Kreditkarte gezahlt hat. Ich hoffe sehr, dass er wenig Spaß mit den Stiefeln hat. Hoffentlich drücken sie ein wenig vorne am großen Zeh, verursachen blutige Blasen oder vielleicht dauerhaft Hühneraugen. Das wäre schön.

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Anprobiert haben kann er die Schuhe auf jeden Fall nicht. Das steht fest. Denn zwischen dem Moment, in dem er mir das Portemonnaie auf der St. Petersburger Protzstraße Nevski Prospekt entwendete, und dem Zeitpunkt, an dem er die Schuhe zahlte, ist nicht viel Zeit vergangen. Ein entschlussfreudiger Mensch.

Gut: Die Umstände kamen ihm entgegen. Die Auslands-Sperrnummern, alle brav eingespeichert im Handy, funktionierten nicht. Wahlweise meldeten sich russisch-sprechende Menschen, die einfach wieder auflegten, es war besetzt oder es kam eine Fehlermeldung. Eine gute Stunde ging das so. Dann rief ich eine Freundin in Deutschland an, die die Inlands-Sperrnummer anrief, sich für mich ausgab und die Karten letztlich sperren ließ. Das funktionierte. Theoretisch könnte sich also auch irgendjemand für mich ausgeben und meine Karte sperren. Beruhigend. Da wünsche ich doch gleich auch den Herren von der Sperrhotline: Einen wunden großen Zeh! Blasen! Hühneraugen! Hannah Wilhelm

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(SZ vom 26.11.2009)