War es so? Nein, bestimmt nicht, aber so könnte es gewesen sein, im Juni 1999 bei der Deutschen Bank in Frankfurt. Künstler können bekanntlich nicht mit Geld umgehen. Schlingensief konnte es sehr wohl und er holte es sich da, wo es massenhaft herumlag: bei der Deutschen Bank. Die Kulturabteilung hatte bereits 100.000 Mark für sein Projekt genehmigt. Dafür sollte irgendwas kulturell besonders Wertvolles entstehen, denn die Bank wollte nicht immer nur als eiskaltes Monster erscheinen, sondern auch einmal als großzügiger Mäzen.
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Kunst kommt, jedenfalls seit Joseph Beuys, auch von Denken, und damit war die Bank naturgemäß überfordert. Sie konnte sich nicht denken, dass der Künstler Schlingensief mit seinem Plan ernst machen und das wegwerfen würde, was ihm mit großzügiger Geste spendiert wurde. Beleidigt schlug die Deutsche Bank zurück, sprach, ausgerechnet, von "betrügerischer Kalkulation" und kippte das Projekt.
"Die Bank lebt nicht vom Geld allein", nannte Breuers Vorgänger Hilmar Kopper sein bilanzierendes Buch, aber so etwas kann nur ein Privatier behaupten. Ohne Geld ist alles nichts, sondern bloß Kunst. Schlingensief mag als Filme- Theater-, Opern-, und genialer Windmacher in die Kulturgeschichte eingehen, doch sein Wirken als Philosoph harrt noch der Deutung. Den Kapitalismus konnte er nicht retten, aber er hat gezeigt, dass es kein größeres Verbrechen gibt, als sich am Geld zu versündigen, es womöglich nicht ernst zu nehmen. Also: Schmeißt das Geld weg!
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(SZ vom 25.08.2010/bbr/hgn)
Ägypten
Tut mir leid, aber ich verstehe Ihre Gekränktheit nicht! Der Artikel ist sehr treffend, Schlingensief war lange Zeit über ein "Krawallmacher", und das im allerbesten Sinne! Seine "Geld-Wegwerf-Aktion" war dabei noch eine der leiseren, harmloseren... Gerne erinnere ich mich an die "Late-Night-Talkshow", die er in den frühen Neunzigern auf Sat1 zelebrieren durfte, in der er seine Gäste beschimpfte und sich mit "seinem Vater", einem gealterten Bodybuilder regelmäßig Schlägereien auf dem Podium lieferte.
Manche Sendungen konnten gar nicht erst zuende gebracht werden, da er vor Ablauf der Sendezeit wutentbrannt & beleidigt die Bühne verließ & äußerst irriterte Gäste & Zuschauer (darunter auch mich) zurückließ.
Nie wusste man, was inszeniert und was möglicherweise authentisch ist.
So geht es mir auch jetzt nach seinem Tod.
Herr Schlingensief, danke, dass Sie da waren & nie müde wurden, uns zu irritieren & zum Hinterfragen zu zwingen!
Christoph Schlingensief unmittelbar nach seinem bitteren Tod als "Hofnarr" lächerlich machen, am Montag im Feuilleton der Nachruf unter (!) dem Artikel über die etwas pietätlos verfrühte natürlich äußerst wichtige Frage, wie es denn mit dem Venedig-Pavillon weitergehen solle - die SZ und ihre Edelfedern sind diesem Ereignis nicht recht gewachsen. Eine merkwürdige Spießigkeit und ein Übelwollen machen sich breit - vielleicht auch weil es sich um jemanden aus Berlin handelt (wie bei Helene Hegemann)? Ein Minderwertigkeitskomplex der ehemalige "heimlichen Hauptstadt".
Zitat :
Breuer lief violett an und schnappte nach Luft.
Wer Herrn Breuer kennt, weiss, dass der immer Gutgebräunte
möglicherweise nach Luft geschnappt hat. Obwohl der Anlass
eher nicht dafür spricht. An Breuer ist vieles abgeperlt .
Aber dass er violett anlief,
ist sehr schwer vorstellbar bei soviel Bräune.
....
War es wirklich so ?
War W. Winkler dabei ?
Oder kann er sein Ehrenwort geben, dass sein Bericht der
Wahrheit entspricht ?