Schäuble darf mit weniger Schulden rechnen Bad Bank verrechnet sich um 56 Milliarden Euro

Addition statt Subtraktion: Die Abwicklungsbank der verstaatlichten Hypo Real Estate, in der seit 2010 Schrottpapiere ausgelagert sind, hat massive Bilanzierungsfehler zugegeben. Über den Rechenfehler kann sich Finanzminister Schäuble freuen - die Staatsverschuldung sinkt deutlich.

Von Harald Freiberger

Die deutsche Staatsverschuldung ist deutlich geringer als bisher bekannt. Der Grund dafür sind Korrekturen in der Bilanz der Bad Bank der Hypo Real Estate (HRE) um fast 56 Milliarden Euro, die am Freitag bekannt wurden.

Da die Bad Bank, die "FMS Wertmanagement" heißt, zu 100 Prozent dem Bund gehört, hat dies direkte Auswirkungen auf die Gesamtverschuldung des Staates. Für 2011 ist nun nur noch mit einem Schuldenstand von 81,1 Prozent der Wirtschaftsleistung zu rechnen. Bisher war man von 83,7 Prozent ausgegangen.

Die Korrekturen in der Bilanz der FMS wurden aus zwei Gründen nötig. Zum einen verkaufte die Abwicklungsbank seit dem vergangenen Jahr Vermögenswerte von gut 31 Milliarden Euro. Zum anderen kam es in der jüngsten Bilanz zu einem Rechenfehler. Das Bundesfinanzministerium teilte mit, dass man den Fall noch genauer untersuchen müsse. "Offenbar handelt es sich um fehlerhafte Doppelbuchungen", hieß es.

Speziell geht es um Sicherheitsleistungen für Forderungen und Verbindlichkeiten. Sie seien vom Computersystem in der Bilanz aufaddiert worden, obwohl sie saldiert, also voneinander abgezogen hätten werden müssen.

Dieser Effekt führte dazu, dass die Bilanz der FMS zusätzlich zu den 31 Milliarden Euro um weitere 24,5 Milliarden Euro nach unten korrigiert werden musste. Über die Bilanzkorrektur sei das Finanzministerium in der vergangenen Woche informiert worden, sagte ein Sprecher. Man habe die neue Sachlage an die europäische Statistikbehörde Eurostat weitergegeben, die die Schulden der EU-Staaten berechnet.