Mit ungewöhnlicher Schärfe kritisiert Sarkozy auf dem Weltwirtschaftsforum das Verhalten von Managern - und fordert ein neues Finanzsystem für die Welt.
Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy die Entwicklung der Weltwirtschaft und das Verhalten von Managern kritisiert. "Wir sind alle verantwortlich für die Krise", sagte der Politiker bei der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums in Davos. "Wir müssen unsere Sicht der Welt korrigieren", forderte Sarkozy. Der weltweite wirtschaftliche Absturz sei nicht einfach irgendeine Krise, sondern "eine Krise der Globalisierung".
Engagierte Rede: Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy die Entwicklung der Weltwirtschaft und das Verhalten von Managern kritisiert. (© Foto: AP)
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Es sei ein Fehler gewesen, so viel Vertrauen in die Kräfte des Marktes zu setzen.
Sarkozy ist der ranghöchste europäische Politiker, der in diesem Jahr beim Treffen 2500 hoher Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in Davos spricht. Der Schweizer Skiort gilt als ein Inbegriff für den Geist eines freiheitlichen Marktes.
Davos hat deshalb in früheren Jahren heftige Kritik von Globalisierungsgegnern heraufbeschworen. Dieses Jahr war es der Eröffnungsredner selbst, der hart mit dem Kapitalismus ins Gericht ging. "Von dem Moment an, da wir die Idee akzeptierten, dass der Markt immer recht hat, ist die Globalisierung aus dem Ruder gelaufen", sagte er. Eine Folge dieses Denkens sei gewesen, "dass nur die Gegenwart zählte, und die Zukunft nichts galt".
Sarkozy wies in einer sehr engagiert gehaltenen Rede auf die Risiken hin, die sich aus der Wirtschaftskrise für die Demokratie ergäben. Damit, dass der freie Handel höher bewertet wurde als andere politische Ziele, "haben wir die Demokratie beschädigt". Die Menschen erwarteten von der Demokratie, dass sie ihre Interessen schütze. Es sei nicht möglich, die Bürger mit der Globalisierung und dem kapitalistischen System zu versöhnen, wenn es nicht gelinge, Korrektive in den Markt zu bringen. Der Kapitalismus könne nur durch seine Erneuerung gerettet werden. "Wir können die Welt des 21. Jahrhunderts nicht mit den Prinzipien des 20. Jahrhunderts regieren."
Die Welt könne nicht regiert werden, wenn "die halbe Menschheit ins Aus gestellt werde". Es habe unanständiges Verhalten gegeben, das von der öffentlichen Meinung keines Landes mehr akzeptiert werde, fuhr Sarkozy fort. Exzessive Unternehmensgewinne würden von den Bürgern nicht mehr hingenommen. Gleiches gelte für die hohen Managergehälter und Abfindungen. Es sei nicht verwerflich, wenn diejenigen viel Geld verdienten, die Arbeitsplätze schafften. "Aber dass diejenigen, die Arbeitsplätze und Wohlstand zerstören, auch viel Geld verdienen, das ist moralisch nicht zu rechtfertigen." Es müsse Schluss gemacht werden mit einem "System ohne Regeln". Das bedeute nicht, dass für alle Länder die gleichen Gesetze gelten müssten.
Sarkozy betonte, in der Krise habe der Nationalstaat wieder eine neue Bedeutung bekommen. Er spielte damit auf die massiven Hilfen an, die die Banken von Regierungen erhielten. In dieser Rezession hätten sogar die am meisten globalisierten Unternehmen zu schätzen gewusst, "dass sie eine Nationalität hatten". Bei diesen Worten bekam der Präsident Beifall aus dem Publikum. Besonders hart ging Sarkozy mit den Banken ins Gericht. Es sei nicht ihre Aufgabe zu spekulieren. Sie sollten mit ihren Krediten die Wirtschaft fördern. Die Welt brauche ein neues Währungssystem. Frankreich werde das bei den Treffen der wichtigsten Industrienationen 2011 auf die Tagesordnung setzen.
(SZ vom 28.01.2010/segi)
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