Sanktionen gegen Libyen Gaddafi, Qadhafi, Elkaddafi

Die Konten des libyschen Despoten sind gesperrt - und dennoch ist es für manche Banken mühsam, diesen politischen Auftrag umzusetzen. Die arabischen Schriftzeichen und die vielen Dialekte der Sprache sorgen für Verwirrung.

Von Bastian Brinkmann

Die Jagd nach Despoten hängt manchmal an Buchstaben. Der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi etwa darf in der EU, der Schweiz und den USA kein Konto eröffnen, Gelder von ihm und seines Clans wurden eingefroren. Das Problem: Al-Gaddafi heißt auch Qadhafi. Und Elkaddafi. Aber auch die dürfen keine Bankgeschäfte mehr machen.

Arabische Namen können nicht eins zu eins in lateinische Buchstaben transkribiert werden. Es gibt viele Möglichkeiten, die Laute mit westlichen Lettern nachzuahmen - exakt sind sie nie. Dazu kommt, dass im Arabischen diverse Dialekte existieren.

Die Banken bekommen von der Politik schwarze Listen, auf denen Despoten und ihre Helfershelfer landen. Wollen die Geächteten trotz der vorgesehenen Sanktionen einen Deal mit der Bank eingehen, schlägt der Computer Alarm. Doch die EU gibt in ihrer Verordnung nur eine Schreibweise vor: Muammar Mohammed Abu Minyar Qadhafi. Seit Anfang März steht der Name auf einer Liste, die laufend aktualisiert wird. So ganz sicher, wie der Herr nun heißt, ist sich die EU aber auch nicht: In der jüngsten Version vom 12. April heißt er plötzlich Al-Gaddafi.

Die Verantwortung, an die möglichen anderen Transkriptionen zu denken, liegt bei den Banken. Das sagt die EU ebenso wie Bundesbank und Bundeswirtschaftsministerium. Die EU liefere eine eindeutige Identität, so eine EU-Sprecherin: Es werden zusätzlich zum Namen noch Geburtsjahr und Geburtsort sowie die Funktion genannt ("Revolutionsführer"). Manche Schergen werden auch mit ihrer Passnummer identifiziert. Neben al-Gaddafi stehen aktuell 38 weitere Libyer und diverse Organisationen, die mit dem Machthaber verstrickt sind, auf dem Index.

Die EU ist mit dem Problem nicht allein. Das US-Finanzministerium zählt für al-Gaddafi gleich zwölf Alias-Namen auf. Schweizer Banken können sich im Zweifel an ihr Außenministerium wenden, welche Versionen sie suchen sollen.

Eine weitere Schwierigkeit: Al-Gaddafi wird - unter welchen Namen auch immer - nicht persönlich mit Sonnenbrille in die Bank kommen. Solche Geschäfte wickeln Schattenmänner ab. Auch sie stehen oft auf den offiziellen Listen, noch mehr Namen finden sich meist in den Datenbanken, auf die Geldhäuser zugreifen. Diese Programme weisen in der Regel außerdem auf alternative Schreibweisen hin.

Ein Anbieter für Despoten-Datenbanken ist die Londoner Firma World Check. Für al-Gaddafi schlägt ihr System 46 verschiedene Schreibweisen vor. Die Datenbank verknüpft die originale arabische Schreibweise mit den Transkriptionen, um Missverständnisse zu verhindern.

Das Wall Street Journal berichtet, dass amerikanische Banken sich nicht auf die IT verlassen, sondern zusätzlich per Hand durch die Akten gehen, um keine Übersetzungsmöglichkeit zu übersehen. Als Geldparkplatz für arabische und afrikanische Diktatoren will keiner am Pranger stehen.