Rürup-Rente Selbständige als Zielgruppe

Doch nur Besserverdienende profitieren von dieser besonderen Form der staatlichen Förderung. Vor einem Abschluss sollten Angebote genau verglichen werden

Von Thomas Müncher

Lange Zeit war sie ein Ladenhüter. Als die Bundesregierung die Rürup-Rente vor drei Jahren ins Leben rief, gab es endlich eine staatliche Hilfe zur Altersvorsorge für die vier Millionen Selbständigen in Deutschland. Im Gegensatz zur Riester-Rente, die Zulagen vom Staat bekommt, wird sie aber nur steuerlich gefördert. Die Bundesregierung musste deshalb die Steuerzügel nochmals lockern, damit ihr Angebot auf Interesse stieß. Inzwischen wurden mehr als 670 000 Rürup-Verträge abgeschlossen.

Rürup-Rente

Nicht für Vorsorgesparer aller Couleur: Die nach seinem Erfinder benannte Rürup-Rente hat ihre Tücken

(Foto: Foto: H. G Oed)

Was ist eine Rürup-Rente? Der Name kommt von ihrem Erfinder, demVorsitzenden des Wirtschafts- Sachverständigenrates Bert Rürup. Sie wird als Basisrente bezeichnet. Das Konzept funktioniert so: Wer freiwillig fürs Alter spart, wird vom Staat belohnt und darf seine Beiträge von der Steuer absetzen. Im Ruhestand, frühestens mit 60 Jahren, erhält der private Vorsorger eine lebenslange monatliche Rente. Sie muss allerdings versteuert werden.

Welche Vorteile bietet sie bei der privaten Altersvorsorge? Wer mit einer Rürup-Rente fürs Alter spart, kann die Beiträge als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Je höher das Einkommen und der persönliche Steuersatz des Vorsorgers, desto größer die Steuervorteile. Selbständige und Freiberufler, die nicht in ein berufsständisches Versorgungswerk einzahlen, können bis zu 20 000 Euro (Verheiratete: 40 000 Euro) beim Fiskus geltend machen. Die vollen Beiträge sind allerdings erst ab 2025 absetzbar. In diesem Jahr sind es maximal 66 Prozent (13 200 beziehungsweise 26 400 Euro).

Für wen ist eine Rürup-Rente sinnvoll? Auszahlen kann sich ein solcher Vertrag vor allem für Ältere, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente und viel Kapital zur Verfügung haben. "Sie sparen jetzt mehr Steuern als sie später als Rentner zahlen müssen", sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Wer selbständig ist, auf eine Leibrente Wert legt und damit rechnet, die Beiträge bis zum Rentenalter zahlen zu können, fährt auch gut mit einer Rürup-Rente. Dagegen sollten Angestellte und Beamte Alternativen prüfen. Die Riester-Rente oder betriebliche Altersvorsorge ist meistens besser. Wer mehr als die geförderten Höchstbeiträge von 2100 Euro (Riester-Rente) oder 4344 Euro (Betriebsrente) sparen will, kann zusätzlich noch eine Rürup-Rente abschließen.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Steuern der Vorsorger zahlt und je kürzer die Laufzeit des Vertrags, desto höher ist die Renditechance. Im Zweifelsfall sollte ein Steuerberater konsultiert werden. Er kann genau Auskunft geben, ob sich ein Rürup-Vertrag aufgrund der persönlichen steuerlichen Situation wirklich lohnt.

Welche Nachteile gibt es? Viele Angebote sind nicht flexibel genug, kritisiert die Stiftung Warentest. Niemand sollte deshalb unüberlegt einen solchen Vertrag abschließen. "Die Rürup- Rente ist eine echte Lebensentscheidung", warnt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest. Denn das Kapital könne nur für die Altersvorsorge verwendet werden. Es sei weder übertragbar, beleihbar, kapitalisierbar noch vererbbar. "Im Krisenfall kündigen, die Einzahlung entnehmen und die Förderung zurückzahlen ist nicht möglich", betont Tenhagen. Auch der spätere Wechsel zu einem besseren Anbieter ist meist nicht möglich. Eine Ausnahme ist Cosmos Direkt. Und nicht einmal die Hälfte der Versicherungen bieten ihren Kunden an, auf Wunsch mehr Geld zu gleichen Bedingungen einzuzahlen. Stirbt der Kunde vorzeitig, bekommenEhepartner und Kinder nur eine Rente ausgezahlt, wenn ein Hinterbliebenenschutz vereinbart wurde. Ein weiteres Problem betrifft Selbständige und Freiberufler - nämlich ihre schwankenden Einkommen. "Wichtig ist, dass sie sich die Beiträge für den Rürup-Vertrag auch langfristig leisten können", sagt Tenhagen. Denn eine Beitragsfreistellung bieten die Gesellschaften oft erst nach mehreren Jahren Laufzeit an. Geht einem Sparer vorher die Luft aus, ist das eingezahlte Geld weg.

Welche Angebote sind empfehlenswert? Sparer sollten beim Abschluss sehr genau auf die Konditionen achten.Die Stiftung Warentest hat 38 klassische Rürup- Rentenversicherungen für Männer und Frauen überprüft - und dabei große Leistungsunterschiede festgestellt. Lediglich drei Anbieter - Cosmos Direkt, Europa und Debeka - bekamen die Bestnote "sehr gut". Beim Testsieger Cosmos Direkt erhält ein 40-jähriger Mann, der 6000 Euro im Jahr in einen Rürup-Vertrag einzahlt, mit 65 Jahren eine garantierte Monatsrente von 821 Euro. Der renditeschwächste Anbieter Barmenia zahlt nur 722 Euro. Bezieht der Kunde die Rente 25 Jahre, summiert sich die Differenz auf circa 30 000 Euro. Noch krasser ist der Unterschied, wenn die kalkulierten Überschüsse der Versicherer hinzugerechnet werden. Auf Basis derzeit erzielter Renditen ergäbe sich bei Cosmos Direkt eine Monatsrente von 1284, bei der Barmenia hingegen nur von 1038 Euro. Unter dem Strich beläuft sich der Vorteil beim Testsieger auf circa 70 000 Euro.

Gibt es für Rürup auch Anlageformen mit mehr Risiko? Ja. Bei der klassischen Rürup-Rentenversicherung fließen die Beiträge überwiegend in sichere Zinspapiere. Daneben werden häufig fondsgebundene Varianten im Versicherungsmantel angeboten. Sie setzen stärker auf die Renditechancen der Aktienmärkte, wobei der Kunde das Risiko trägt. Eine kostengünstige Alternative sind ETF-Policen. Bei Riester-Verträgen verlangt der Gesetzgeber, dass der Kunde als Rente zumindest seine Beiträge zurückbekommt. Bei Rürup ist das nur möglich, wenn ein weniger renditeträchtiger Garantie-Fonds ausgewählt wurde. Reine Rürup- Fonds sind dagegen noch selten. Angebote gibt es von Union Investment und der Dekabank. Vorteil für den Kunden bei Fonds: Er kann seine Beiträge variieren. In guten Zeiten zahlt er mehr, in schlechten weniger.