Rückstände in Schokolade Aigner will Mineralöle in Essensverpackungen verbieten

Bedenkliche Mineralöle in Adventsschokolade? Soll nicht wieder vorkommen. Das Ernährungsministerium will den Einsatz dieser Stoffe bei Lebensmitteverpackungen verbieten. Verbraucherschützer freuen sich zwar, werfen Ministerin Aigner aber vor, eine Studie zum Thema lange ignoriert zu haben.

Die Bundesregierung will mineralölhaltige Farben zum Bedrucken von Lebensmittelverpackungen verbieten. Das sieht ein Verordnungsentwurf des Verbraucherschutzministerium vor, mit dem Verbraucher künftig besser vor Mineralölrückständen - Mischungen verschiedener Kohlenwasserstoffe - in Lebensmitteln geschützt werden sollen.

Einem weiteren Entwurf zufolge soll es künftig Grenzwerte für Mineralöle geben, die aus recyceltem Papier in Lebensmittel übergehen können. Die Entwürfe würden zurzeit mit den anderen Ressorts, den Ländern und der Wirtschaft abgestimmt, heißt es aus dem Ministerium. Hintergrund seien Untersuchungsergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung und eines Forschungsprojekts, wonach Kartonverpackungen aus Recyclingpapier Rückstände von mineralölhaltigen Farben enthalten können, die auch auf Lebensmittel übergehen. Voraussetzung für die Umsetzung der Verordnungen sei allerdings eine amtliche Methode zum gesicherten Nachweis der Mineralölverbindungen. Die soll nun das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) entwickeln.

Vergangene Woche hatte die Stiftung Warentest Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, nach der in mehreren Schokoladen aus Adventskalendern Mineralöle gefunden worden waren. Ein Hersteller nahm vorsorglich seine Kalender vom Markt, andere kritisierten im Gegenzug die Testmethoden der Stiftung.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch begrüßte die Verordnungen, griff Aigner aber an. Sie habe verspätet und unzureichend reagiert. Statt einer Höchstgrenze müsse der nachweisbare Wert von Mineralölen in Lebensmitteln bei Null liegen, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Zudem sollten die Behörden von Herstellern, die Recyclingkartons verwenden, Nachweise über die Unbedenklichkeit ihrer Verpackungen verlangen.

Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse von Stiftung Warentest vergangenen Montag sei der Ministerin "wieder eingefallen", dass bei ihr seit mehr als zwei Jahren eine Verordnung zu Grenzwerten in der Schublade liege,sagte Wolfschmidt. Den Verbrauchern hätten die krebsverdächtigen Substanzen, die nicht nur in Adventskalendern steckten, längst "erspart" werden können.

In dem Papier kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Konzentration der unerwünschten Stoffe in Recyclingpapier "kaum ausreichend gesenkt werden" könne. Die enorme Vielfalt potenziell übertretender Stoffe lasse zudem "keine verlässliche Bestätigung der lebensmittelrechtlichen Konformität und Unbedenklichkeit zu". Es sei daher unverzichtbar, in die Verpackung eine Zwischenschicht zwischen Karton und Lebensmittel einzulegen, um die Migration der Stoffe zu verhindern.

Die Arbeit an der Studie ist dem zugehörigen Abschlussbericht zufolge bereits seit Juni beendet. Veröffentlicht habe das Ministerium die Ergebnisse aber nur auf einer versteckten Internetseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (PDF), kritisierte Foodwatch.