Riester-Rente Weniger Geld fürs Alter

Knapp drei Millionen Deutsche haben einen Riester-Fondssparplan. In diesen Tagen bekommen sie ihre Jahresabrechnung. Und viele von ihnen sind verunsichert: Die Anbieter schichten massiv Anteile in den Fonds um - oft zum Nachteil der Kunden. Anleger sollten sich überlegen, wie wichtig ihnen die Kapitalgarantie tatsächlich ist.

Von Malte Conradi und Andreas Jalsovec

Thomas Walter (Name geändert) hat nachgezählt: Es passierte genau 19 Mal. So oft hat der Anbieter seines Riester-Fondssparplans, die Deutsche-Bank-Tochter DWS, sein Depot im letzten Jahr umgeschichtet. "In den meisten Fällen von einem aktienorientierten Mischfonds in Rentenfonds mit deutschen Staatsanleihen - die Rendite dürfte das kaum gesteigert haben", glaubt der 46-jährige Angestellte.

So wie Walter geht es vielen der knapp drei Millionen Deutschen, die mit Hilfe der staatlichen Riester-Förderung über einen Fondssparplan Geld für die Altersvorsorge zurücklegen. Sie bekommen derzeit von ihren Fonds-Anbietern die Jahresabrechnungen 2011 zugeschickt. Es zeigt sich: In vielen Depots wurden massiv Anteile hin- und hergeschoben. Handelt es sich dabei um anbietereigene Fonds, ist die Umschichtung zwar kostenfrei. Den Anlegern geht bei den Tauschgeschäften jedoch meist Rendite verloren.

Ein Beispiel aus Thomas Walters Depot macht das deutlich: Anfang April schichtete sein Anbieter Anteile langlaufender Rentenfonds in einen aktienorientierten Mischfonds um. Schon einen Monat später tauschte die Fondsgesellschaft sie wieder zurück. Der Kurs der Rentenfonds war mittlerweile gestiegen, der des Mischfonds gefallen. Unter dem Strich stand bei dem Tauschgeschäft ein Verlust von etwa 20 Euro - knapp ein Prozent des jährlichen Anlagebetrags.

"Manche sind richtig sauer"

Solche Beispiele kennt Thorsten Zimmermann zur Genüge. Bei dem selbständigen Honorarberater aus München beklagen sich immer wieder unzufriedene Anleger über die Umschichtungen. Der Blick auf den Depot-Auszug sei für viele ein böses Erwachen: "Manche sind richtig sauer und wollen sofort alle Anteile verkaufen."

"Für die Anleger sind die Umschichtungen langfristig ein klarer Renditenachteil", meint auch Georg Plötz, Altersvorsorgeexperte bei der Verbraucherzentrale Bayern. Die Tauschgeschäfte hätten aber einen nachvollziehbaren Grund: "Die Fondsanbieter müssen die Kapitalgarantie erfüllen, die bei allen Riester-Produkten gefordert wird." Diese Garantie sieht vor, dass Sparern zu Beginn der Rentenphase mindestens das eingezahlte Kapital plus Zulagen zur Verfügung steht. Um das zu schaffen, bauen die Anbieter die Riester-Depots immer wieder so um, dass der Mindestbetrag auch sichergestellt wird. Das bedeutet: Geht es an den Aktienmärkten bergab, wird automatisch in Rentenfonds umgeschichtet - so, dass mit Hilfe der sicheren Zinserträge bis zum Ende der Laufzeit die Garantiesumme erreicht wird.

Diese Garantien zu stellen, war im vergangenen Jahr für alle Anbieter eine besonders große Herausforderung", erläutert Alberto Del Pozo, Altersvorsorgeexperte bei der Fondsgesellschaft DWS. "Die schwierigen Marktbedingungen erforderten mehr Umschichtungen als in den Vorjahren." 2011 ging es an den Aktienmärkten zum Teil extrem auf und ab. Hinzu kam ein historisch niedriges Zinsniveau am Anleihenmarkt. Je geringer die Rendite dort ist, desto eher müssen die Riester-Anbieter aus Aktien raus und in Renten rein, um am Ende der Laufzeit das Garantiekapital zu erreichen.

Beides auf einmal, Rendite und Sicherheit, sind schwer zu haben

Weil dabei jedoch automatisch Aktien zu niedrigen Kursen verkauft werden, fällt die Bilanz der Tauschgeschäfte für die Anleger unterm Strich oft schlecht aus. "Manchmal wäre es in solchen Phasen sinnvoller, Aktien zuzukaufen, als sie abzustoßen", meint Verbraucherschützer Plötz. Durch die Absicherungsgeschäfte bleibe daher bei Riester-Fondssparplänen die Rendite oft auf der Strecke: "Es ist, wie wenn ich in einem Porsche mit angezogener Handbremse fahre." Dies gilt umso mehr, je stärker die Märkte schwanken. Gerade damit aber ist in den nächsten Jahren zu rechnen.

Anleger sollten sich daher überlegen, wie wichtig ihnen die Kapitalgarantie tatsächlich ist, rät Honorarberater Zimmermann. Beides auf einmal - hohe Rendite und garantierte Sicherheit - sei eben nicht zu haben. Zumal alle Anbieter von Riester-Fondssparplänen den gleichen staatlichen Regeln unterliegen: "Unzufriedene Kunden haben kaum Möglichkeiten, auf einen anderen Anbieter auszuweichen", sagt Zimmermann. Oft stelle sich daher die Frage, ob Riester für den Anleger überhaupt das Richtige sei, oder ob es nicht bessere Anlagekonstrukte gebe.

Verbraucherschützer Plötz etwa rät allen, die weder auf staatliche Förderung und Kapitalgarantie noch auf die Renditechancen am Aktienmarkt verzichten wollen, zu einem alternativen Modell. Wer mit einem Aktienfonds fürs Alter sparen wolle, könne das auch ohne die Riester-Förderung tun. Die staatlichen Zulagen könne man dann über den Abschluss eines kostengünstigen Banksparplans mitnehmen. "So hat man eine Kombination aus sicherer Zins- und chancenreicher Aktienanlage - und kann das Risiko dabei selbst steuern."