Rettungsfonds EFSF wird verstärkt Ein Hebel und seine Wirkung

Mit einem finanztechnischen Hebel soll der Euro-Rettungsfonds noch mehr Milliarden für die überschuldeten Euroländer bereitstellen. Ein solches Konstrukt kann der richtige Weg sein - vor drei Jahren allerdings trugen vergleichbare Methoden zum Finanzchaos bei. Die Schuldenkrise kann nur gelöst werden, wenn Bürger und Märkte verstehen, wohin das alles führen soll.

Ein Kommentar von Marc Beise

Es ist noch kein Jahr her, da musste sich Spott gefallen lassen, wer wie selbstverständlich im Stil der Banker vom "Hebeln" der Finanzprodukte sprach. Heute kommt das Wort schon beiläufigen Fernsehzuschauern locker von der Zunge. Man ist ja dankbar für eine klare Sprache: Hebeln ist griffiger als EFSF oder ESM. "Euro-Staaten hebeln Finanzkrise aus" - das wäre die Schlagzeile, die in diesen bangen Tagen Hoffnung bringen könnte. Oder aber Furcht einflößt.

Ob nämlich der große Hebel gut oder schlecht ist, auf den sich die Staats- und Regierungschef am Wochenende beim Gipfel der Gipfel verständigen wollen, das hängt sehr davon ab, was genau man man unter dem Banker-Begriff verstehen soll.

In seiner einfachsten Form bedeutet Hebeln in der Finanzbranche, mit wenig eigenem Kapital viel größere Summen zu bewegen. Das in der Tat könnte aus deutscher Sicht die Quadratur des Kreises ermöglichen.

Hat nicht der Bundestag eine Obergrenze für die Euro-Hilfe beschlossen? Und warnen nicht die Experten, dass die für Europa eingepreiste Rettungssumme von 440 Milliarden Euro nicht reichen würde, sollte außer den bekannten Sorgenländern womöglich auch Spanien oder Italien gestützt werden müssen?

Mit wenig eigenem Kapital viel größere Summen zu bewegen - das wäre dann die Lösung, einerseits. Andererseits kam das Hebeln zurecht in Verruf, als Finanzakrobaten komplizierteste Konstruktionen zu einem riesigen Schwindelgeschäft zusammenfügten, das 2008 donnernd zusammenbrach.

Die Krisenmanager reden nur über Wirtschaft

Angela Merkel und ihre Kollegen haben nun, beraten von wohlmeinenden Praktikern aus der Finanzwelt (die es durchaus auch gibt), eine Rettungskonstruktion gefunden, die bis zum Wochenende bis in die Details geprüft werden muss, ehe ein verlässliches Urteil zulässig ist. Jedenfalls müssen am Ende zwei Gruppen zufrieden gestellt werden, die gemeinhin als Antipoden gesehen werden: Die Bürger, die das Recht haben zu verstehen, was mit ihrem Steuergeld geschieht. Und die Profis an den Finanzmärkten, die dann hoffentlich den Krisenländern Schonfrist gewähren.

Beide Gruppen haben ein feines Gespür dafür, was tragfähig ist oder nicht. Beiden muss die Politik eine Perspektive bieten. Derzeit reden die Krisenmanager nur über Wirtschaft, gar nur über Finanztechnik. Ausgeblendet wird der politische Unterbau, auf dem das Konstrukt ruhen soll. Deshalb müssen die Regierungschefs so schnell wie möglich sagen, wohin der Hebel-Plan führen soll.

Steht Europa noch zu Griechenland? Mit wem marschiert Deutschland? Weiter mit Frankreich, auch wenn das Land unter Druck gerät? Brauchen wir mehr Europa oder weniger? Politisch oder nur finanztechnisch? Es können am Wochenende nicht der europäischen Verträge geändert werden. Aber die künftige Gestalt Europas muss sich abzeichnen, wenn wieder Ruhe einkehren soll an den Märkten und in den Wohnstuben.

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