In letzter Minute hat die Landesbank Baden-Württemberg die Pleite der Sachsen LB abgewendet. Die Stuttgarter geben sich nun zuversichtlich - haben aber ein Rückgaberecht.
Nach hohen Verlusten aus riskanten Geschäften im Zuge der US-Hypothekenkrise verliert die einzige ostdeutsche Landesbank ihre Eigenständigkeit.
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Um das Überleben des Leipziger Instituts zu sichern, schießt die Stuttgarter LBBW ihm sofort Eigenkapital von 250 Millionen Euro zu. Das Land Sachsen und die Sparkassen des Freistaats erhalten dafür mindestens 300 Millionen Euro in bar und in Anteilen der LBBW.
"Wer, wenn nicht wir hätte das tun können?" kommentierte der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger am Sonntag in Stuttgart die Rettungsaktion der größten deutschen Landesbank.
Brückenkopf für Osteuropa
"Die SachsenLB kommt aus stürmischer See in einen sicheren Hafen", sagte Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt in Dresden. "Auf Grund der Turbulenzen an den Märkten und des daraus entstandenen Drucks auf die Bank wäre eine Fortführung ohne Partner nicht aussichtsreich gewesen", räumte der CDU-Politiker ein. Für die LBBW soll die SachsenLB Brückenkopf nach Mittel- und Osteuropa werden, wie Vorstandschef Siegfried Jaschinski sagte. Das Land grenzt an Polen und Tschechien.
Von 2008 soll die SachsenLB als Tochter der LBBW firmieren, ähnlich wie bereits die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Bis dahin fungiert sie als Treuhänder. Der baden-württembergische Regierungschef bewertete die Übernahme als einen Schritt zur Konsolidierung der deutschen Landesbanken. Die LBBW hat auch ein Auge auf die WestLB geworfen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) favorisiert dagegen dem Focus zufolge eine Zweiteilung des Landesbanken-Sektors in eine Nord- und eine Süd-Gruppe.
"Bank stand nicht vor der Schließung"
Der Hals über Kopf am Wochenende ausgehandelte Verkauf der SachsenLB geht offenbar auf massiven Druck der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zurück. BaFin-Chef Jochen Sanio, der an den Verhandlungen teilnahm, habe deutlich gemacht, dass jede weitere Verzögerung die Verluste der SachsenLB erhöht hätte, betonte Milbradt.
Eine BaFin-Sprecherin wies aber Angaben aus sächsischen Regierungskreisen zurück, wonach Sanio ultimativ eine Übernahme der SachsenLB bis Sonntagabend gefordert habe: "Die Bank stand nicht vor einer Schließung." Die Landesbank war in den Strudel der US-Hypothekenkrise geraten, weil eine Tochter in Dublin riskante Geschäfte am Markt für verbriefte Kreditforderungen außerhalb der Bilanz betrieb.
Während vor einer Woche noch die Sparkassen-Finanzgruppe mit einer vom Land Sachsen abgesicherten Kreditlinie von mehr als 17 Milliarden Euro für eine der waghalsigen Finanzkonstruktionen einstand, schlugen drohende Verluste eines zweiten sogenannten Conduit ("Georges Quay") direkt auf die Bilanz der Bank durch und schmälerten ihr Eigenkapital von zuletzt rund 1,5 Milliarden Euro drastisch.
Ministerpräsident Oettinger sagte, die Probleme der Sachsen seien "aus heutiger Sicht beherrschbar" und ließen sich binnen kurzem lösen. LBBW-Chef Siegfried Jaschinski sagte, er sehe bei der SachsenLB derzeit nicht das Risiko von Kreditausfällen.
Nach Angaben Milbradts hat sich die LBBW jedoch eine Rückgabeklausel einräumen lassen, wenn sich mehr außerordentliche Verluste ergäben, als in der Eile zu erkennen gewesen seien. Das Geschäft in Irland will Jaschinski zurückfahren, Stellenstreichungen soll es in Leipzig aber unter dem Strich nicht geben.
Eine Sonderprüfung der BaFin bei der SachsenLB-Tochter in Dublin ist offenbar ohne Konsequenzen geblieben. Die SachsenLB sei aufgefordert worden, die 2004/05 dort festgestellten Mängel abzustellen, bestätigte eine BaFin-Sprecherin einen Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.
Finanzkreisen zufolge ging es um massive Mängel im Risikomanagement. Eine Mitschuld der BaFin an der Situation sieht das Bundesfinanzministerium nicht: "Ein Funktionieren der Bankenaufsicht ist keine Versicherung dagegen, dass Fehlentscheidungen getroffen werden", sagte ein Sprecher.
Die sächsische Landesregierung will wegen der Notsituation auf eine Zustimmung des Landtags zu der Übernahme verzichten. Nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Milbradt mäßigte die Opposition ihre Kritik daran. "Der Schritt ist notwendig, um einen Schlussverkauf bei der SachsenLB zu verhindern", sagte Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau.
(Reuters)
Bruce Springsteen in Frankfurt
.... hätte diese Bank vor der Pleite retten können, müßte dazugefügt werden. Die letzten zwei Wochen der Sachsen LB hat doch jedem Leser verdeutlicht, was Politik heißt. Da wird betrogen und gelogen, daß sich die Balken biegen. Aber es funktioniert immer wieder.
Der Pöbel glaubt alles, aus falsch verstandenem Obrigkeitsdenken. Mein Trost: Die Verlogenheit schaufelt sich ihr eigenes Grab. Es dauert nicht mehr lange ....
Und damit die ehrlichen Leute dieses mal wieder nicht die Dummen sind : verkaufen Sie schnellstmöglichst ihre Aktien und Fonds-Anteile. Den letzten beißen die Hunde.
wann werden die Provinz-Manager aus Deutschland endlich begreifen, dass sie in USA keinen Cent verdienen können.
Wenn wir die letzten 15 Jahre beobachten, kann man feststellen, dass die deutsche Unternehmen mehr als 500 Milliarden in der USA verloren haben.
(Siemens, Daimler, SAP, VW, Merk(**) Westlb, Hypobank, IKB, ..........)
aber auch viele Industrie-Unternehmen.
Die Amerikaner, nach dem die notwendige Finanzen und Know-How erhalten haben, werden die unternehmen in Ruine getrieben.
oder werden hier in Deutschland ausspioniert.
Das geld, was die deutsche Firmen in Asien und Afrika bzw. Europa verdienen, geben in der usa aus.
Das ist auch ein teil der ausgekochten Strategie!
etwas dazu kann man auch in den Beitrag "Unterwanderung der USA" lesen.
Wie heißt es so schön:
"Die Landesbanken verfügen über ein breites Leistungsangebot und erfüllen öffentliche Aufgaben. Die Landesbanken fokussieren sich auf ihre Kundenbeziehungen, Aufgaben im Groß- und Firmenkundengeschäft zu übernehmen, sind Partner der im Retail-Geschäft tätigen Sparkassen. Schwerpunkt der Landesbanken ist das Geschäft mit mittelständischen Firmenkunden der Heimatregion."
oder bei der BayernLB
"Sie hat durch ihre Geschäftstätigkeit den Freistaat Bayern und seine kommunalen Körperschaften einschließlich der Sparkassen in der Erfüllung öffentlicher Aufgaben zu unterstützen."
Wenn ich dann lese "Für die LBBW soll die SachsenLB Brückenkopf nach Mittel- und Osteuropa werden, wie Vorstandschef Siegfried Jaschinski sagte.", dann bekommt man das Gefühl dass man aus dem 100-Millionen-Desaster der Bayerischen Landesbank in Kroatien nichts gelernt hat. In der Schule würde man sagen:
Themaverfehlung - Note 6. Die nächste Schlagzeile kommt bestimmt.
Zuerst gibt es gar keine Probleme bei der Sachsen LB, dann wird sie auf einmal übers Wochenende verscheuert. Dann sitzt noch der Chef der BaFin dabei und lässt auf schönes Wetter machen. Hat der Herr Sanio etwa Angst, dass sein eigener Kopf allmählich rollen könnte? Nachdem bei der Sonderprüfung anscheinend nichts verwertbares herausgekommen sein soll (auf der Website der BaFin ist auf jeden Fall nichts dazu veröffentlicht), verwundert es doch sehr, dass in einer Nacht und Nebelaktion die Bank veräußert werden muss.
Ein paar Fragen an die Bafin:
Wie hoch ist das Gesamtrisiko bei der Sachsen LB?
Welche Verluste sind schon aufgetreten bzw. welche sind noch zu erwarten?
Hätte die Sachsen LB aus eigener Kraft noch eine überlebenschance gehabt?
Die Bafin erscheint mir wenig mitteilungsbedürftig. Hat schon mal jemand den RSS-Feed aufgerufen? Da ist ja jede Menge zu den aktuellen Problemen zu lesen...
Man bekommt jedenfalls nicht das Gefühl, dass die öffentlichkeit wirklich informiert werden soll.
Mir erscheint es, als wäre die Bafin vollkommen untätig/unfähig. Ansonsten hätte sie ja der LBBW sagen können, welche Risiken noch bestehen. Und wenn die LBBW jetzt in ihren Grossbankträumereien meint, sich nach dieser schlechten Vorbereitung und Prüfung aufs Glatteis begeben zu müssen, dann müssen sich die Verantwortlichen der LBBW genau diese Fahrlässigkeit später auch vorhalten lassen.
"Wer wenn nicht wir?" - im Zweifel vielleicht besser gar keiner...
Wie heisst es auf der Homepage der Bafin so schön
"Die Bankenaufsicht kann - und soll auch - nicht in jedem Fall eine Insolvenz verhindern."
Die Bafin hat die Aufgabe der laufenden Aufsicht.
http://www.bafin.de/cgi-bin/bafin.pl?verz=0201020000&sprache=0&filter=a&ntick=0
Diese Aufgabe hat Sie nicht erfüllt!
Kann mir mal einer sagen, wozu eine Landesbank überhaupt gut ist? Wozu braucht ein Bundesland wie Sachsen eine Landesbank, wenn es in alle anderen Ostländern auch ohne geht?