Schrumpfende Städte sind kein Markenzeichen des Ostens mehr. "Wer die Innenstädte attraktiv und bewohnt erhalten will", beschwört Peter Conradi, ehemaliger Präsident der Bundesarchitektenkammer, "sollte nicht das Wohneigentum draußen auf der grünen Wiese lassen."
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Diese Entwicklung hat die Oberste Baubehörde schon vor Jahren dokumentiert. Passagen aus ihren vorbildlichen "Arbeitsblättern für die Bauleitplanung" lesen sich wie Mahnungen an eine aus den Fugen geratene Bauwelt: "Straßen und Wege können selbst Grenzen bilden", betont das Heft "Ortsränder" von 1997. "Zusammen mit einem ausreichend breiten Pflanzgürtel bestimmen sie nicht nur einen Ortsrand, sie stellen zugleich einen erlebnisintensiven Übergang zwischen bebautem Bereich und freier Landschaft dar."
Das müsste man kaum betonen, wenn die Realität nicht anders aussähe. "Tankstellen, Supermärkte oder Gewerbebauten prägen häufig die Einfahrten in unsere Siedlungen und wirken abweisend auf den Besucher. "Hemmungsloser denn je breiten sich inzwischen Gewerbegebiete und Neubausiedlungen aus. Weder lobenswerte Initiativen wie die Münchner Maxime "kompakt, urban und grün", noch die ambitionierten Siedlungsmodelle der Obersten Baubehörde konnten den Trend bislang umkehren. Hier muss ein Umdenken stattfinden.
Mut macht die "Best-Practice-Sammlung" des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz im Internet. Ein so genanntes Bündnis zum Flächensparen in Bayern, 13 Beispiele aus Baiersdorf, Landkreis Erlangen-Höchstadt, Bamberg, Cham, Fürth, Jengen, Kirchanschöring, Neu-Ulm, Niederaltaich, Oberviehbach, Pfaffenhofen an der Ilm, Regensburg, Stegaurach und Tittmoning.
Im "kommunalen Flächenressourcen-Management" geben Gemeinden "innerörtliche Entwicklungspotenziale" in ein Geoinformationssystem ein, das sie mit Biotopdaten, Flurkarten, Luftbildern und dem Flächennutzungsplan verbindet. Auf einen Blick sehen Planer nun, wie ihre Stadt in den letzten Jahren wuchs, wo sie Bauland auswies und wo "Entsiegelungspotenziale" bestehen. Die Hoffnung: "Aufbauend auf den ermittelten Daten Aktivierungsstrategien" zu entwickeln und zugleich "städtebauliche Leitbildskizzen zur Weiterentwicklung ausgewählter Flächen".
Was so bürokratisch klingt, könnte zur Rettung ausfransender Kommunen beitragen. Aber das braucht einen fundamentalen Richtungswechsel und Zeit, Zeit, die wir nicht haben. Grund und Boden lassen sich nicht beliebig vermehren.
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