Von Oliver Herwig

Tag für Tag verschwinden rund 125 Fußballfelder Erdreich unter Straßen und Neubaugebieten, in Bayern immerhin 17,2 Hektar - obwohl die Bodenversiegelung Hochwasser begünstigt.

Ressourcen schmelzen heute wie Gletscher im Gebirge: Kohle und Erz, vor allem aber Erdöl, Schmierstoff der Weltwirtschaft. In Deutschland gehört auch der Boden zu diesen bedrohten Gütern. Tag für Tag verschwinden rund 125 Fußballfelder Erdreich unter Straßen und Neubaugebieten, in Bayern immerhin 17,2 Hektar. Planiert, geteert und zugebaut. Über Teer und Asphalt, Beton und verdichtetem Grund wächst kein Gras mehr, die Folgen tragen wir alle. Jahrhundertüberschwemmungen künftig alle paar Jahre?

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Doch die Versiegelung von Flächen geht munter weiter. Immer neue Straßen und Siedlungen zerfressen die Landschaft. Öde Gewerbegebiete mit Supermärkten und Baustoffgroßhandlungen legen sich wie Ringe um die Städte und schnüren sie vom Umland ab.

Besonders Bayern ist zum Flächenfresser geworden, klagen Experten. Flächenverbrauch und Bodenversiegelung haben jedes Maß verloren. Staatsminister Günther Beckstein hat das Problem bereits 1993 erkannt. "Der sparsame Umgang mit Grund und Boden ist einer der wichtigsten Grundsätze des Städtebaus", erklärte er damals. Und fügte prophetisch hinzu: "Dieser Planungsgrundsatz muss in der Praxis umgesetzt werden."

Das Gegenteil war oft der Fall. Wo bankrotte Gemeinden Gewerbe- und Siedlungsgebiete ausweisen, weichen geschlossene Dorfstrukturen auf wie schimmelnder Käse. Im Freistaat geht es längst nicht mehr um Feuchtwiesen und natürliche Überschwemmungsgebiete allein, es geht um ein verloren gegangenes Gefühl für den rechten Maßstab unserer Städte, der zukünftigen Generationen noch Entfaltungsmöglichkeiten belässt. Pendlerpauschale und Eigenheimzulage wirken als Hebel in die falsche Richtung, sie beschleunigen die Zersiedelung am Ortsrand. Der Traum vom freistehenden Einfamilienhaus im Grünen wird so zum Alptraum.

Der Flächenfraß ist ein Luxusproblem: Während die Durchschnittshaushalte auf 2,2 Personen schrumpften - 1950 waren es im Schnitt noch drei -, verdoppelte sich die Wohnfläche pro Einwohner seit 1960 auf mehr als 40 Quadratmeter. Bayern wurde nach der Wiedervereinigung zum Einwanderungsland, bis 2000 wuchs die Bevölkerungszahl um 10,7 Prozent, allein 2001 um eine ganze Großstadt, fast 100.000 Menschen. Während aber Ballungsräume wie München Wohnungen brauchen, scheinen manche Gemeinden auf dem Land wie ausgestorben.

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