Ein Plädoyer gegen die Rentengarantie: Wenn die Löhne der Arbeitnehmer sinken, müssen auch die Rentner kürzertreten.
An diesem Freitag soll der Bundestag über eine "ewige Rentengarantie" abstimmen. Egal, wie sich die Einkommen der Arbeitnehmer entwickeln, und unabhängig davon, welche Lasten die Demographie der jüngeren Generation aufbürdet, soll eine Schutzklausel eingeführt werden, die Rentenkürzungen ein für allemal verbietet.
Einseitige Verteilung der Lasten? 100 Tage vor der Wahl will der Bundestag eine "ewige Rentengarantie" beschließen. (© Foto: AP)
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Wie schön ist das gedacht von unserem Arbeitsminister, auf die Stunde genau 100 Tage vor der Bundestagswahl. Die Renten werden endlich wirklich sicher. Noch schöner wäre es natürlich gewesen, der Arbeitsminister hätte auch gleich verboten, dass die Summe aller an die Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne sinken darf. Dann wären auch die Arbeitseinkommen endlich wirklich sicher geworden.
Leider funktioniert so weder eine Volkswirtschaft noch ein soziales Sicherungssystem. Rentenempfänger und Beitragszahler sitzen in einem Boot. Alles, was an sozialen Leistungen ausbezahlt werden soll, muss von den Beitrags- und Steuerzahlern erwirtschaftet werden.
Sinkt die Wirtschaftsleistung, müssen entweder die Renten sinken, die Beiträge steigen oder es muss ein wenig von beidem passieren. Einseitige Garantien für die eine Seite bedeuten einseitige Belastungen für die andere Seite.
Solidarität ist keine Einbahnstraße
Die Kernidee der 1957 eingeführten dynamischen Renten war, dass die Rentner am Lohnwachstum der Arbeitnehmer beteiligt werden. Das wurde als ein Gebot der Solidarität verstanden. Solidarität ist aber keine Einbahnstraße. Der Grundsatz der dynamischen Rente bedeutete daher immer auch, dass die Renten in dem Ausmaß sinken müssen, in dem die Arbeitnehmerlöhne zurückgehen. Dank des aus historischer Perspektive spektakulären Lohnwachstums der vergangenen 50 Jahre ist dieser Fall jedoch noch nie eingetreten.
Dies könnte sich aufgrund der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise nun ändern. Zum ersten Mal prognostizieren die führenden Wirtschaftsinstitute einen Rückgang der beitragspflichtigen Einkommen pro Arbeitnehmer - und zwar um mehr als zwei Prozent.
Das ist noch mäßig in Anbetracht eines Einbruchs der gesamten Wirtschaftsleistung um etwa sechs Prozent, wie es die Bundesbank und die Institute für dieses Jahr befürchten, denn einen großen Anteil am Rückgang des Bruttoinlandsprodukts müssen diejenigen tragen, die arbeitslos werden.
Es war also einigermaßen zynisch, von Solidarität zwischen den Generationen zu sprechen, als der Arbeitsminister entschied, dass die Arbeitnehmergeneration per Arbeitslosigkeit und Lohnkürzungen die gesamte Last der Wirtschaftskrise tragen soll, während eine Garantie die Rentnergeneration verschonen möge.
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Solidarität ist immer dann ein Fremdwort wenn es den Einzelnen betrifft. Warum sollen Renten nicht auch sinken können? Wenn ich mir die vielen "Frührentner" der Post oder Telekom (keine Beamten) anschaue die mindestens 10 Jahre länger (weil bei Rentenbeginn zwischen 50 und 55 Jahren) Rente bekommen als viele andere und dann auch noch eine höheres Rentenniveau haben wie die Menschen die bis zur Regelaltersgrenze arbeiten, dann bin ich der Meinung diese Renten gehören immer auf das prozentuale Niveau ihres Geburtjahrgangs gekürzt.
Alle die jetzt pflichtversichert sind, haben mit die höchsten prozentualen Beitragssätze in die Rentenversicherung einbezahlt und werden dafür später auch noch mit nierdigen Renten "belohnt"!
Ist Ihnen AIG oder Lehman Bros. ein Begriff?
Träger des 2001 gegründeten Institutes sind das Land Baden-Württemberg sowie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Wikipedia über das Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel.
Die Rentengarantie ist ein neuerlicher eindrucksvoller Beweis dafür, wie hilflos die Politik mittlerweile den demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen gegenübersteht. Insofern frage ich mich schon, ob es überhaupt Sinn macht den Verantwortlichen hier noch Vorwürfe zu machen.
Zum Thema "private Vorsorge" möchte ich mal daran erinnern, wie's mit den brav eingezahlten Riester- und Rürup-Beiträgen weitergeht. Davon dürften zunächst mal 2/3 über den Umweg Staatsanleihen wieder in den Bundeshaushalt zurückfließen, und von dort aus zur Subventionierung der Sozialversicherungen, Zinszahlungen Beamtenpensionen etc. verwendet werden (da und dort sind vielleicht auch ein paar echte Investitionen dabei).
Der Rest wird am Immobilien- oder Aktienmarkt angelegt, bzw. wahlweise auch in amerikanischen ABS-Papieren oder Unternehmenskrediten an deutsche Autozulieferer. Die prognostizierten Zins- und Tilgungsleistungen ("Erträge") werden dann hoffentlich von einer der folgenden -leider deutlich geschrumpelten- Generation schon erbracht werden.Viel Glück mit dieser Annahme.
Zum Thema Rente lässt sich meine Erwartung mittlerweile auf folgenden althergebrachten Zusammenhang reduzieren: Wenn die Alten zu wenig Kinder hatten, wird's ihnen später schlecht gehen.
Wenigstens sind sie ehrlich - es geht nur um heisse Luft vor der Wahl. Denn es wird ja nur versprochen, dass die Renten nominell nicht sinken - von realer Kaufkraft steht da nichts. Und mehrere Nullrunden machen real eben auch ein Minus - alles nur Augenwischerei. Mich ärgert viel mehr, dass Politiker Stimmvieh und Rindvieh intellektuell anscheinend auf einer Stufe sehen.
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