Wall Street: Rekord-Boni Das kann doch einen Banker nicht erschüttern

Wer dachte, die Finanzkrise und ihre Folgen hätten die jährliche Bonusbonanza gestoppt, sieht sich getäuscht. Die Banker kassieren so viel wie nie zuvor - als wäre nichts gewesen.

Ein Kommentar von Moritz Koch

Als wäre nichts gewesen: Die Staatsschuldenkrise in Europa, die Massenarbeitslosigkeit in den USA, die Furcht vor Währungskriegen, all das kann Banker, Broker und Spekulanten an der Wall Street nicht erschüttern. Schätzungsweise 144 Milliarden Dollar dürfen die Finanzangestellten in diesem Jahr mit nach Hause nehmen, ein Gehaltsrekord zum zweiten Mal in Folge.

Die Händler an der Börse in New York sahnen so viele Boni ab wie noch nie.

(Foto: dpa)

Wer immer gedacht hatte, die neuen Vorschriften für den Finanzsektor würden die jährliche Bonusbonanza stoppen, sieht sich getäuscht. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen wird es Jahre dauern, bis alle Regeln ausformuliert sind. Zum anderen werben Hedgefonds und Beteiligungsfirmen den Banken die klügsten Köpfe mit hohen Prämien ab.

Kleinere Investmenthäuser machen weiter, wo die Großkonzerne aufgehört haben. Das ist eine schlechte Nachricht für all jene, die gehofft haben, dass das Finanzsystem sicherer werden würde.

Erst zwei Jahre ist es her, dass Fehlspekulationen die Welt an den Rand des Abgrunds getrieben haben. Die Regulierungsbehörden konzentrieren sich seither auf die bessere Überwachung der Banken. Einerseits ist das verständlich. Nicht Hedgefonds haben die Wall Street in die große Krise gestürzt, es waren Kreditinstitute wie Lehman Brothers und die Citigroup.

Andererseits gibt es keinen Grund zu glauben, dass die nächste Krise wieder von Banken ausgehen wird. Vieles spricht dafür, dass kleine Investmenthäuser ein zunehmend großes Risiko darstellen. Sie florieren im Schatten der Banken und expandieren ungebremst. Damit steigt die Gefahr, dass die Pleite eines Fonds eine Kettenreaktion auslöst, die das ganze Finanzsystem erschüttert. Als wäre nichts gewesen.

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